Inhalt Nr.2/2011
Die anima Nr. 2/2011 (Sommernummer) ist am 30. Juni 2011 erschienen.
Die Herbstnummer (Nr.3) ist anfangs Oktober erschienen. Fordern Sie ein kostenloses Probeexemplar an!)
Aus dem Inhalt:
Arme Sau ...................................... 3
Karl Wilhelm Diefenbach .................. 4
1851 - 1913 Maler, Lebensreformer, Pazifist, Vegetarier
Zur Ausstellung in Wien
DDr. Martin Balluch
Terror gegen Terroristen ................... 7
Gastronomie in Wien und Graz ........... 8
Neues Veggie-Restaurant in Graz ....... 9
Vegetarische Informationen .............. 12
Vegetarismus-Definitionen
Was essen Vegetarier ....................... 13
Konsumenten-Tipps ........................ 14
der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung
Notizen ......................................... 15
Bücher ..........................................
16
Theresa Bäuerlein, Fleisch essen Tiere lieben Rainer Erlinge,r
Moral -
Rolf Schäfer und Wolfgang Weime,r Schlachthof Schlachtfeld -
Silvia Maritsch-Rager,
Neues aus der Gemüseküche
Impressum .......................................... 18
Nur ein Hund ................................. 19
Polizeieinheit Cobra und die Hunde
900 ¤ zahlen für ein Brieferl
an die Ministerin? .......................... 20
Das neue Lobbyisten-Gesetz
Liebe Leserinnen und Leser
diesmal gibt es einmal Positives zu berichten. Der Freispruch der 13 angeklagten
Tierschützer, nach vierzehn Prozessmonaten ist Ihnen allen ja sicher bekannt.
Ob es eine Fortsetzung gibt, wird sich möglicher-weise erst im Herbst herausstellen,
da bis zur schriftlichen Urteilsausfertigung noch einige Zeit vergehen könnte.
Erst dann wird sich die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie weitermacht. Zum
Prozess gäbe es viel zu sagen, wir wollen damit aber noch bis dahin zuwarten.
Erfreuliches ist aus der vegetarischen Gastronomie zu melden. Ein großes
neues Lokal in Wien (siehe Seite 8) und auch in Graz ein neues (Seite 9). Das
Besondere hier: Es wurde von einem Tierschutzverein geschaffen, dank einer sehr
großzügigen zweckgebundenen Spende einer Gön-nerin.
So ein Restaurant ist mehr wert als all unser vieles Geschreibe, es ist praktischer
Tierschutz. Nicht nur altgediente Vegetarier besuchen so einen Betrieb, die Erfahrung
lehrt, auch viele Fleischesser kommen in solch ein gut geführte Speisestätte
und essen dann eben gegen ihre Gewohnheit fleischfrei: Verwirklichung der Aktion
fleischfreier Donnerstag ohne Wochentagsbindung.
Eine Portion Fleisch weniger ist auch ein Stückchen weniger Tierleid. Hoffen
wir, die Grazer Aktion macht Schule und ist Antoß in anderen Städten ähnliches
zu versuchen. Die Einrichtung einer Gaststätte kostet natürlich viel
Kapital, einen, der allein so viel investiert zu finden ist schwierig, doch wenn
viele wenig investieren, ist es im Ergebnis dasselbe. Wir haben schon einmal
dazu aufgerufen (die Idee wäre so eine Art Mini-Aktiengesellschaft), leider
ohne nennenswerten Erfolg. Wer will es wieder versuchen?
Noch ein kleiner Erfolg. Die Alarmeinheit Cobra das sind die, die durch
geschlossene Tür auf Besuch kommen will möglichst keine Hunde
mehr totschießen. Näheres auf Seite 19.
Zur Titelseite: eine junge Frau konnte den Volksanwalt Kostelka bewegen, sich
der Schweine, der Mutterschweine, anzunehmen. Die müssen entgegen dem Tierschutzgesetz
doch gedeckt durch die aufgrund des Gesetzes erlassene Tierhaltungsverordnung
fast bewegungslos in Einzelkäfigen vegetieren. Der Volksanwalt drängt
auf Aufhebung bzw. Verbesserung der gesetzwidrigen Verordnung. Doch ohne massive
propagandistische Unterstützung durch den Tierschutz und die Tierfreunde
wird es schwierig sein zu einer guten Lösung zu kommen. Mehr dazu steht
auf der nächsten Seite.
Der Sommer naht, die Urlaubszeit, wir wünschen Ihnen alle erholsame Sommertage
Ihre anima-Redaktion
Seite 3:
Arme Sau
Der Kastenstand: Der Horror jeder Zuchtsau
Mutterschweine, also Schweine, deren Aufgabe es in der modernen
Schweinefleischproduktion ist, in einem fort Junge, Kinder zu gebären, sind der Volksmund
hat recht tatsächlich arme Schweine. Stellen Sie sich, liebe Leserinnen
und Leser vor, Sie sind ihr ganzes Leben lang derart in einen Käfig gepresst,
dass Sie gerade einen oer zwei Schritte vor und dann wieder zurück machen
können. Von Umdrehen keine Rede. 65 cm Breite, 190 cm Länge sind
die Maße für den Einzelstand, Kastenstand genannt, faktisch ein
Käfig, laut Tierhaltungsverordnung; für Tiere, die 200 kg und mehr
wiegen können. Dort müssen sie je nachdem ihr ganzes oder ungefähr
ihr halbes Leben verbringen. Diese Verordnungsregelungg widerspricht eklatant
den Vorschriften des Tierschutzgesetzes. Deshalb hat sich auch die Volksanwaltschaft
eingeschaltet. Das zuständige Gesundheitsministerium hat eine verbesserte
Regelung, die nur mehr ca. eineinhalb Monate Käfighaltung vorsieht, ausgearbeitet.
Scheitert aber bislang am Veto des Landwirtschaftsministeriums bzw. der Schweinebauern.
70 österreichische Tierschutzorganisationen
haben sich daher mit folgender
Resolution
an Minister und Öffentlichkeit gewandt:
Die Schweine waren die Verlierer des Bundestierschutzgesetzes 2005. Während
es mit diesem Gesetz einige Verbesserungen in verschiedenen Tierschutzbereichen
gab, wurden die Haltungsvorschriften für Schweine zu jenen des schlechtesten
Landestierschutzgesetzes nivelliert und an die EU-Mindestrichtlinie angepasst.
Insbesondere die Haltung von Mutterschweinen in sogenannten Kastenständen,
also in körpergroßen Käfigen, sowohl während der Zeit
des Säugens der Ferkel (Abferkelgitter), ist vom Standpunkt des Tierschutzes
inakzeptabel. Kein Tier darf heutzutage mehr in einem Käfig gehalten werden,
der ihm praktisch keine Bewegung, kein Umdrehen und nicht die Befriedigung
der minimalsten Bedürfnisse ermöglicht.
Verschiedene Länder, England, Holland, Schweden und die Schweiz, haben
vorzeigt, dass es brauchbare Alternativen zu Kastenständen gibt und Kastenstände
verboten. Selbst der dänische Verband der Schweinezuchtbetriebe fand,
dass in Abferkelbuchten mit frei beweglichem Mutterschwein weniger Ferkel sterben,
als wenn das Mutterschwein in dem Kastenstand gesperrt wird. Der Grund dafür
ist, dass die Mutter im Kastenstand so leidet, dass sie weniger isst, dadurch
weniger Milch gibt und ihre Ferkel zu wenig versorgen kann.
Aber auch die betäubungslose Kastration der männlichen Ferkel ist
mit einem modernen Tierschutzgedanken nicht vereinbar. Für jedes andere
Säugetier ist im Tierschutzgesetz eine wirksame Betäubung bei der
Kastration vorgeschrieben. Auch wenn sich junge Ferkel nicht wehren und nicht
so laut schreien können, erleiden sie beim Entfernen der Hoden große
Schmerzen. Die Gabe von Schmerzmitteln statt einer Betäubung reicht nicht
aus.d. Bei einer so schwerwiegenden Operation ist eine wirksame Betäubung
unverzichtbar.
Der Tierschutz fordert daher:
Ein absolutes Verbot von Kastenständen und Abferkelgittern und
ein Verbot der betäubunglosen Kastration
Siehe auch Seite 15
Seite 4 - 6:
Karl Wilhelm Diefenbach
1851 - 1913 Maler, Lebensreformer, Pazifist, Vegetarier
Zur Ausstellung in der Hermesvilla in Wien, 7.April bis 26.Oktober 2011
Dank den Museen; sie haben einen für die Kulturgeschichte, für die
Reformbewegungen und auch für den Vegetarismus in den Jahrzehnten vor dem
Ersten Weltkrieg Bedeutsamen aus der Vergessenheit gerissen. Unter dem Motto Lieber
sterben als meine Ideale verleugnen! im Vorjahr in München zu sehen,
hat die von der Diefenbach-Expertin Claudia Wagner kurartierte Ausstellung nun
für ein halbes Jahr in Wien, etliche Jahre Wirkungsort des Malers, Heimat
gefunden.
Rund 30 Gemälde des Künstlers werden gezeigt, weiters die wichtigsten
Teile aus seinem künstlerischem Hauptwerk, dem 68 Meter langen Fries Per
aspera ad astra (frei übersetzt: Auf steinigen Wegen zu den Sternen).
Auch Diefenbachs Jünger sind vertreten, unter ihnen der bekannte Künstler
Frantisek Kupka, Gusto Gräser (Mitbegründer der alternativen Künstlerkolonie
Monte Verità bei Ascona) sowie Hugo Höppener, genannt Fidus. Zahlreiche
Fotos und private Dokumente geben Einblicke in den Alltag und das Umfeld des
Malers. (Museums-Info).
Diefenbach, in der hessischen Kleinstadt Hadamar geboren, war
ein exzentrischer Außenseiter-Künstler, der ab den 1880er- Jahren zunächst in Deutschland
für Aufsehen sorgte: als barfüßiger Vegetarier in Kutte gekleidet,
als Lebensreformer, der die Nacktheit propagierte, als selbster-nannter Prophet,
der den Frieden predigte, und nicht zuletzt als Maler von monumentalen spätsymbolistischen
Gemälden, mit denen er für seine Ideen warb.
Der Künstler lebt nach seinem Studium an der Münchner Kunstakademie
rund zwanzig Jahre dort und im Umkreis der Stadt. Eine frühe Erkrankung
brachte in zur Na-turheilkunde und zum Vegetarismus und hier immer mehr vom
Gesundheitlichen zum Ethischen.
Vom katholischen Milieu seiner Kindheit abgestoßen, hatte er sich vorerst
den Freidenkern angeschlossen, stieß dort jedoch mit seinen Ideen auf
Ablehnung
Als er z.B. (auf einem Freidenker-Kongress)die von den freireligiösen
Pre-digern [...] Eduard Baltzer und Carl Scholl angeregte ethische Frage nach
unserer religiösen Berechtigung zum Morde der uns wesensgleichen Tiere zum
Zwecke des Verzehrens von deren Leichen zur eingehenden religiösen Diskussion
brin-gen wollte, wurde ihm unter Fußschar-ren der Kalbsköpfe
und Schweinefüße abnagenden oder tabakqualmenden älte-ren Mitglieder
vom Vorsitzenden das Wort entzogen. (zitiert aus der Diefenbach-Dissertation
Claudia Wagners)
(Foto: Karl Wilhelm Diefenbach mit seinen Kindern Helios und Stella, 1884)
1882 heiratete Diefenbach seine (letzte) Lebensgefährtin, die ihm zwei
Jahre zuvor bereits einen Sohn geboren hatte. Ein Fehlgriff. Wiewohl der Ehe
noch zwei Kinder entsprossen, waren Streit, Trennung und gerichtlicher Kampf
um das Sorge-recht bis zum frühen Tod seiner Frau die Folge.
Ein religiöses Erweckungserlebnis beim Sonnenaufgang auf Bergeshöhe
in der allein verbrachten Hochzeitsnacht er war gleich nach der Trauung
dorthin entflohen bestimmte sein weiteres Leben.
Das erleuchtende Naturschauspie des Sonnenaufgangs war sozusagen Vorbote seines
lebensreformerischen Erkenntnis-weges und Einleitung seines neuen Le-benswandels:
Ein Dasein im Einklang mit der Natur als irdisches Paradies und Ende menschlicher
Degeneration, die er in der zeitgenössischen Gesellschaft empfand. Er
formulierte: Erkenne, Menschheit, deine Mutter, die NATUR, die rein und
frei als höchstes Wesen dich geboren und nicht befleckt mit Erbsünd,
Fluch und Schande dich in ihr blühend Eden setzte. Dass alle Herrlichkeit
des Erdballs, des Weltalls Unermesslichkeit als Keim verborgen liegt in jedes
Menschen Brust! Erkenne dich, Mensch. (Claudia Wagner).
Er widmete in der Folge sein Leben und auch seine Kunst der Propagierung seiner
Ideen. In diesen Agitationen vor oft zahlreichem Publikum bezog er vehement
Stellung gegen die von ihm verachtete Fleischkost, gegen das Verzehren
von mit Salz und Pfeffer einbalsamierten Tierleichnamen und den Genuss von
Bier, Wein und Spirituosen. Zudem bekämpfte er auf sexuellem Gebiet die
Unkeuschheit und grobe Fleischeslust, prangerte aber auch die gesellschaftliche
Benachteiligung von unehelichen Kindern an und trat für mehr Toleranz
gegenüber außerehelichen Schwangerschaften ein. (C.W.)
Kein Wunder, dass diese Agitation und sein demonstratives Anderssein in München
Spott (Kohlrabi-Apostel) und sein Eintreten für Freikörperkultur Ärgernis
erregte. Er zog mit Jüngern aufs Land. Dass er dort seine Kinder nackt
herumlaufen ließ und einer seiner Schüler so sonnenbadete, führte
zu seiner Verurteilung im ersten deutschen Nudistenprozess.
(Foto: Die Kommune des Himmelhofs in Ober-St.-Veit, Wien, 1898)
Fast immer in finanziellen Schwierigkeiten, zog er 1892 vom (bankrottnahen)
Wiener Kunstverein zu einer Ausstellung eingeladen nach Wien. Es war künstlerisch
ein Erfolg, doch verlor er durch betrügerische Vereins-Machenschaften
all seine Werke und geriet in Existenznot. Dennoch blieb er der Stadt, auch
hier als Kohlrabi-Apostel verspottet, verbunden. Er gründete in Ober-St.Veit
eine Kommune Himmelhof. Sie währte jedoch ständig angefeindet
nicht zuletzt wegen sei-nes autoritären Herrschaftstils nur zwei Jahre.
Seine letzten Jahre lebte Diefenbach auf Capri, dort als Künstler geschätzt,
in Deutschland fast vergessen.
Um Diefenbach zu verstehen, muss man sich in seine Zeit versetzen. Eine von
Klassenschranken geprägte Gesellschaftsordnung, starre repressive katholische
Glaubensregeln auf der einen, Materialismus auf der anderen Seite, Prüderie,
strenge Sexualmoral, Diskriminierung unehelicher Kinder und ihrer Mütter,
einschnürende Ganzkörperbekleidung, Son-nenfeindlichkeit, naturferne
Ernährung, Militarisierung, die Schattenseiten der Industrialisierung,
Luftverschmutzung, trostlose lichtlose Proletariersiedlungen, Elend breiter
Bevölkerungsschichten ...
Der Künstler stand nicht allein, er war Teil einer großen an Facettenreichen
Reformbewegung, (heraus aus grauer Städte Mauern ...), er
stand in Verbindung mit führenden Vertretern des Vegetarismus, dem Pfarrer
Eduard Baltzer, Gründer der ersten deutschen Vegetariervereinigung und
erster Präsident des Bundes freireligiöser Gemeinden, mit Magnus
Schwantje, einem weiterer Vorreiter der Vegetarierbewegung (der war als Junger
kurze Zeit Mitglied der Kommune Himmelhof), mit der friedensbewegten Berta
von Suttner ... Was ihn als Sonderling, als Wirrkopf erscheinen ließ,
waren vielleicht nicht so sehr seine Lehren sondern das Beharren auf angenehmer
doch konventionsferner Bekleidung.
(Foto/Gemälde Per aspera ad astra, 1892, Karl Wilhelm Diefenbach
unter Mithilfe seines Schülers Fidus
Mischtechnik auf Leinwand
Was ist aus seinen Bestrebungen geworden? Es haben sich nicht wenige erfüllt.
Der Vegetarismus, zwar nur von einer kleinen Minderheit geübt, ist gesellschaftlich
anerkannt, Kohlrabi und andere Gemüse werden von Ernährungswissenschaftlern
propagiert, die Bekleidung ist leger geworden, uneheliche Kinder sind nicht
mehr diskriminiert, uneheliche Mütter bald die Regel, Freikörper-Baden,
wenigstens was jüngere Frauen betrifft, gemessen an der Badekleidung 1890
zu ca. 95 % erreicht, Tabak ist verpönt (Alkohol allerdings wird hofiert),
ja selbst der Pazifismus ist wenigstens in der Theorie wenn auch leider nicht
in der Praxis herrschende Doktrin geworden.
Ein Jahr nach dem Tod des verrückten Friedensapostels begannen vernünftige
Menschen unter der Leitung nicht minder vernünftiger Menschen einander
zu massakrieren, zwanzig Millionen waren dann tot. Und zwei Jahrzehnte später
begannen Menschen, vernünftig oder auch nicht, einander wieder zu massakrieren,
diesmal waren fünfzig Millionen tot. Und ...
E.L.
Die Ausstellungsdaten:
Der Prophet -
Die Welt des Karl Wilhelm Diefenbach
7. April bis 26. Oktober 2011
Hermesvilla
1130 Wien, Lainzer Tiergarten
Telefon: 01-804 13 24, wienmuseum.at
Ö ffnungszeiten:
Di bis So & Feiertag, 10 bis 18 Uhr
Quellen: Info Wien Museum
Claudia Wagner, Der Künstler Karl Wilhelm Diefenbach (1851 - 1913), Dissertation,
http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/
FUDISS_thesis_000000003200
Wikipedia u.a.
Abbildungen © Wien Museum
Seite 7:
Terror gegen Terrorismus!?
DDr.Martin Balluch
Anm. Dieser Artikel wurde vor zehn Jahren nach den Anschlägen vom 11.September
2001 geschrieben. Er ist noch immer aktuell, mit der Einschränkung, dass
man die Tötung Unschuldiger jetzt Kollateralschaden nennt. Die anima-
Redaktion
In einer Diskussion in der ORF Sendung ,,Betrifft" erklärte ein Redakteur
des deutschen Magazins Spiegel (sein Name braucht uns in dem Zusammenhang nicht
zu interessieren; nennen wir ihn einfach Herr Spiegel), dass sich Terror nur
mit Terror bekämpfen ließe. Und damit forderte er die USA und andere
offenbar dafür Berufene auf, einen Mord an des Terrorismus Verdächtigten
in Afghanistan und anderswo zu begehen. Er würde, so meinte er, einen militärischen
Schlag gegen sogenannte ,,Terrorzentren" befürworten.
Wenn dabei ,,Schuldige" sterben würden, offenbar umso besser. Sie verdienten
nichts anderes. Und wenn dabei Unschuldige" sterben würden, so
würde das Ziel den Terrorismus auszurotten hier eben die Mittel heiligen.
Es ist für mich nicht weiter erstaunlich, dass manche Menschen eine solche
Meinung haben. Obwohl ich dem Magazin Spiegel eine differenziertere Meinung zugetraut
hätte. Was mich aber erschüttert hat ist, dass dieser unverhohlene
Aufruf zum Mord, öffentlich, vor laufender TV-Kamera, keinen Schrei der
Entrüstung auslöst. Nicht einmal Kritik der in der Diskussionssendung
Anwesenden war zu vernehmen. Gar nichts. Als ob diese Meinung allgemein geteilt
würde.
Wie also rechtfertigt Herr Spiegel diesen seinen doch sehr an prädemokratische
Lynchjustiz gemahnenden Aufruf zum Mord? Er sagt eben, dass sich Terror nur mit
Terror bekämpfen ließe.
Aber ist nicht genau das auch die Argumentation der Verantwortlichen der Anschläge
in New York? Sagen die nicht auch, dass die USA Terror ausüben würde,
und dass sich dieser Terror nur mit Gegenterror bekämpfen ließe?
Naja, klärt uns hier Herr Spiegel auf, der Unterschied liegt hier in der
Vernunft. Während die demokratische Ideologie des Westens auf Vernunft basieren
würde, wäre die fundamentalistisch-religiöse Ideologie der Attentäter
von New York die schiere Unvernunft. Sie wären religiös verblendet.
Fanatisch. Vernünftiger Argumentation nicht zugänglich. Und aufgrund
ihrer Ideologie würden sie andere terrorisieren. Und dann und nur dann -
wird der oben beschworene Gegenterror gerechtfertigt.
Schön für ihn. dass sich Herr Spiegel hier so sicher auf der Seite
des Guten wähnt. Als Guter darf man die Bösen nämlich ohne Rücksicht
auf Verluste und Gewissensbisse nach Belieben bekriegen und vernichten. Offenbar,
selbst wenn das Unschuldigen das Leben kosten sollte. Sie sterben eben für
die gute Sache. Da muss man Opfer bringen. Hollywood füttert uns schon seit
Jahrzehnten diese Schwarz-Weiß Malerei.
Doch dass die Welt nicht so einfach ist, sollte denkenden Menschen eigentlich
völlig klar sein. Nehmen wir selbigen Herrn Spiegel her. Er isst Fleisch.
Aus der Massentierhaltung, wohlgemerkt, obwohl er schon meint, dass man das nicht
tun sollte. aber er bemüht sich eh, isst immer weniger Fleisch, und kauft
doch gute Qualitat aus Österreich (oder Deutschland, in seinem Fall). Aber
er isst Fleisch. Ohne Gewissensbisse. So wars doch immer schon. Und überhaupt,
was geht das andere Leute an?
Naja, als Fleischesser finanziert Herr Spiegel die Fleischindustrie. Und die
Fleischindustrie mit ihrer Intensivtierhal-tung, mit ihren Lebendtransporten
und ihren Massenschlachthöfen terrorisiert allein in Österreich 70
Millionen Tiere jährlich. Und weltweit sind es sogar 123 Millionen Tiere
pro Tag!!
Hier könnten die Herren Bush und Spiegel viel von der Tierrechtsbewegung
lernen.
Wir arbeiten schon seit Jahrzehnten daran, ein absolut grauenhaftes System von
Terror, Gewalt und Mord mit friedlichen Mitteln und stetiger Überzeugungsarbeit
zu verändern. Ein bisschen Selbstkritik und Selbstreflexion täte allen
Beteiligten gut.
Dann gäbe es hoffentlich weder Anschläge in New York, noch Militärschläge
gegen Afghanistan. Und Fleisch würde auch niemand mehr essen.
Seite 8
Neues aus Wien
Vegetarische Gastronomie in Wien und Graz
Erfreulich, es geht vorwärts in unserer Gastronomie, zumindest in Wien
und
Graz. Über ein neues Lokal in der steirischen Landeshauptstadt berichten
wir auf den nächsten Seiten. Interessant, dass hier unseres Wissens erstmals
eine Tierschutzverein aktiv geworden ist und ein Lokal gegründet hat, nach
dem Motto, nicht warten, ob einer Vegetarier wird, auf die Menschen zugehen,
es ihnen leicht machen, ihnen einfach fleischlose Speisen vor die Nase setzen.
Vegetarismus ist schließlich konsequenter Tierschutz. In-teressant auch
der Bewusstseinswandel innerhalb der Tierschutzszene. Vor einem Vierteljahrhundert
war da Vegetarismus noch ein Fremdwort. Auch beim größten und lebendigsten
steirischen Tierschutzverein, dem Aktiven Tierschutz Steiermark.
Und der Wiener Tierschutzverein servierte bei einer Tagung Frankfurter Würstel.
Heute eröffnet der Aktive Tierschutz eine vegetarische Gaststätte,
finanziert von einer Gönnerin.
Im österreichischen Städtevergleich war Graz übrigens schon zuvor
was die vegetarische Gastronomie betrifft obenauf, mit zwei großen schon
seit vielen Jahren sehr gut frequentierten Selbstbedienungsrestaurants, dem Ginko
(an der Ecke Graz-bachgasse/Klosterwiesgasse) nahe dem Verkehrszentrum Jakominiplatz
und dem Mangolds (an der Ecke Griesgasse/Albrechtsgassse) rechts der Mur nächst
der Tegetthoffbrücke. Wir hatten in der letzten anima berichtet.
Vielleicht animiert das Beispiel des Aktiven Tierschutzes Steiermark auch den
einen oder anderen Verein in den übrigen Bundesländern es den Grazern
gleichzutun.
In Wien gibt es weit über dreißig vegetarische Speisestätten,
die große Mehrheit davon allerdings kleine Betriebe, Imbisse in Bioläden
etwa, manche davon durchaus qualitätsvoll mit größerer Speisenauswahl,
wie beispielsweise. das Reformhaus Buchmüller in der Neubaugasse 17 im 7.Bezirk.
Große Restaurants gab es allerdings außer den beiden chinesischen
Restaurants in der Kaiserstraße im 7. und der Ungergasse im 3. Bezirk kaum,
alles in allem für eine Stadt von rund zwei Millionen (mit Einpendlern etc.)
nicht sonderlich viel.
Jetzt hat es ein Unternehmer gewagt, viel Geld investiert und in zentraler
Lage
eine große und schöne gastliche Stätte eingerichtet. Nächst
dem Schottentor am Dr. Karl Lueger-Ring gegenüber der Universität,
mit Namen Yamm. Eröffnet wurde sie Mitte Mai. 170 Sitzplätze, etliche
davon bequem auf einer Galerie, dazu noch 40 im Freien. Eine beträchtliche
Speisen-auswahl am Selbstbedienungs-Buffet (Bezahlung nach Gewicht). Weniger
Hausmannskost, mehr Verfeinertes für gehobenere Ansprüche. Das Lokal
bietet Plätze fürs schnelle Essen, aber auch gemütliche Ecken
zum Verwei-len.
Wiewohl gegenüber dem alten Hauptgebäude der Universität situiert,
dürfte sich der Zuspruch von Studenten wohl eher gering halten, der Preis
von 2,40 ¤ für 100 Gramm könnte hemmend sein in den Grazer
vegetarischen Restaurants kosten 100 Gramm nur etwa die Hälfte. Doch Zielpersonen
sind wohl die zahlreichen etwas besser Bemittelten, die in der Umgebung arbeiten,
und Touristen.
Vor zwölf Jahren gab es in der Nähe (hinter der Universität) schon
einen Versuch: Ein vegetarisches Fast Food Restaurant der veganen Richtung nach
dem System McDonalds, ein Lokal in einfacher Ausstattung auf Massenverkehr ausgerichtet leider
blieben die Massen aus. Ob es an der Lage (doch ein bisschen abseits), am wenig
einladenden Ambiente, ob es am streng Vollwert/Bio/Körndl-Speisenangebot
lag es rentierte sich nicht.
Das gediegene neue Lokal am Lueger-Ring mit seinem großen Speisenangebot
wird hoffen wir dagegen ein Erfolg.
Seite 9 -11:
Neues Veggie-Restaurant in Graz
ARCHE Genießen mit gutem Gewissen
Im Juni eröffnete in Graz, Rechbauerstraße 19, das neues vegetarisch/vegane
Restaurant ARCHE. Es ist das dritte vegetarische Restaurant in Graz und dennoch
einzigartig: Es bietet nicht nur einen schnellen, preisgünstigen Mittagstisch
an, es setzt seinen Schwerpunkt auf ein gemütliches, gepflegtes Abend-Restaurant.
Das Lokal besticht nicht nur mit seinem gemütlichen Ambiente, das eine
Verschmelzung von Exotik und Moderne bietet, sondern auch durch seine Lage.
Genau vis a vis der alten Technischen Universität bietet sich ein Fensterblick,
schön wie eine Theaterkulisse.
Die anima bat den Initiator des Lokales, Herrn Präsident Herbert Oster
vom Aktiven Tierschutz Steiermark und Herrn Marco Trenkle, der als Geschäftsführer
für die Arche verantwortlich ist, zum Interview.
anima: Herr Oster, wie kamen Sie auf die Idee, ein vegetarisch/veganes Lokal
zu eröffnen?
Oster: Primär war meine Motivation natürlich, dem immensen Leid der
sogenannten Nutztiere entgegenzuwirken. Es ist für mich immer wieder aufs
Neue erschreckend, wie grausam heute die industrialisierte Nutztierhaltung ist.
Man muss mehr von einem Vegetieren als von Leben der Tiere gesprochen werden.
Fühlende Lebewesen werden zur Ware degradiert. Nicht einmal die primitivsten
angeborenen Verhaltensweisen dürfen die Tiere ausleben. Es zählt nur
der Profit. Und nach dem trostlosen Leben in den Stallungen erwartet sie oft
noch ein qualvoller Tiertransport, bis sie irgendwo in Angst und Schrecken in
einer Schlachthalle ihr elendes Leben aushauchen. Das ist doch furchtbar und
müsste jeden normal empfindenden Menschen nachdenklich stimmen.
anima: Sie sagen, der Tierschutz war Ihre primäre Motivation. Welche
Gründe gibt es für Sie noch, die vegetarisch/vegane Lebensweise zu
fördern?
Oster: Bekanntlich isst der Durchschnitts-Österreicher heute zuviel tierisches
Fett und Eiweiss. Die Folge sind sogenannte Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreis-lauferkrankungen,
Schlaganfälle, Diabees, Krebs, Allergien usw. Mit einer überwiegend
pflanzlichen Ernährung könnten die Menschen viel an Lebensqualität
gewinnen, wären gesünder, fitter und jugendlicher. Davon bin ich überzeugt.
anima: Sind Sie selbst auch Vegetarier?
Oster: Selbstverständlich! Ich könnte kein Tier mehr essen. Wenn
ich bei anderen ein Stück Fleisch am Teller sehe, muss ich immer an das
Tier denken, das es einmal war. Wie es wohl gelebt und gelitten hat, bis es
als Klumpen am Teller liegt? Nichts auf der Welt könnte mich von der vegetarischen
Lebensweise abbringen. Ich fühle mich äußerst wohl dabei, vermisse
nichts und erfreue mich trotz meiner 80 Jahre bester Gesundheit und Fitness.
Außerdem heißt Fleisch essen auch Nahrung verschwenden. Um 1 kg
Fleisch zu produzieren, werden zwischen 10 und 15 kg Getreide an Tiere verfüttert.
Allzu oft kommen Futtermittel wie Soja aus armen Ländern in denen Menschen
nicht genug zu essen haben. Das Vieh der Reichen frisst also tatsächlich
das Brot der Armen.
Und schließlich gibt es heute noch die Bedrohung durch den Klimawandel.
Und hier hat die Tierzucht einen großen Anteil. Die Nutztierindustrie
hat mit ihrem Ausstoss von Treibhausgasen wie Methan und CO_ mehr
Anteil an
der globalen Erwärmung als der gesamte weltweite Autoverkehr.
anima: Dürfen wir noch fragen, wie Sie diesen Lokal finanzieren konnten?
Oster: Gott sei Dank gibt es Menschen, die dieselben Ziele wie ich verfolgen.
Und da war auch jemand dabei, der bereit war, für so eine gute Sache Geld
herzugeben, weil es letztendlich wieder den Tieren dient. Einerseits dadurch,
dass die Menschen, wenn sie in der Arche essen, eben rein vegetarisch verköstigt
werden, andererseits auch dadurch, weil Gewinne des Lokales ins Tierschutzhaus
Arche Noah zurückfließen.
Da möchte ich aber noch hinzufügen, dass man mit dem vorhandenen
Betrag wirklich das Optimale und Bestmögliche erreicht hat. Und da bin
ich auch wirklich stolz auf mein engagiertes Arche-Team.
anima: Was war Ihnen bei der Umsetzung wichtig?
Oster: Zunächst war mir wichtig, Menschen zu finden, die nicht nur Arbeit
suchen, sondern wirklich auch mit ideeller Überzeugung für ein vegetarisches
Restaurant arbeiten wollen. Das ist mir gelungen. Dann war für mich die
Standortfrage natürlich interessant. Möglichst zentral und leicht
erreichbar zu sein, schien mir sehr wichtig.
Weiters möchte ich mit dem Lokal nicht nur Vegetarier und Veganer , sondern
ein breites Publikum ansprechen. Kurz und gut soll gutes, gesundes Essen zu
moderaten Preisen, in einer angenehmen Atmosphäre geboten werden.
anima: Welche Reaktionen gab es von den Mitgliedern Ihres Vereines?
Oster: Ich war vom überaus großen positiven Echo unserer Vereinsmitglieder überrascht.
Seit bekannt wurde, dass es dieses Lokal geben wird, verging kein Tag wo ich
nicht Mails, Anrufe und Briefe bekam, von Menschen, die ihre ehrliche Freude
darüber zum Ausdruck brachten. Ich habe anscheinend nicht nur mir, sondern
auch vielen tierfreundlichen, gesundheits- und umweltbewussten Menschen damit
einen Herzenswunsch erfüllt. Das freut mich natürlich ganz besonders
und lässt mich auch hoffen, dass doch immer mehr Menschen zur Einsicht
kommen, dass der übermäßige Fleischkonsum etwas sehr Negatives
ist.
anima: Herr Trenkle, wie erfahren sind Sie auf dem Gebiet der vegetarischen
Gastronomie?
Trenkle: Ich habe eine Ausbildung in der klassischen französischen Küche,
bin jedoch seit über 25 Jahren überzeugter Vegetarier. Da ich fast
nur in vegetarischen bzw. veganen Betrieben gearbeitet habe, konnte ich zahlreiche
Erfahrungen sammeln, wovon die Gäste in der Arche nun profitieren können.
anima: Liegt Ihnen die vegetarische Ernährung persönlich am Herzen,
oder waren es für Sie rein wirtschaftliche Überlegungen die Geschäftsführung
dieses Lokals zu übernehmen?
Trenkle: Ich glaube, diese Frage ist bereits mit der vorhergehenden beantwortet.
Es ist wichtig, dass die vegetarische Ernährung gefördert wird, da
sie unter anderem für Umwelt, Ethik, Tierschutz und Gesundheit einen wichtigen
Beitrag leistet. Die Führung der Arche und die Zufriedenheit der Gäste
sind mir ein persönliches Anliegen, das ich mit viel Freude und Engagement
erfülle.
anima: Wie groß ist Ihr Lokal, wie viele Sitzplätze bieten Sie und
wie viele Mitarbeiter haben Sie beschäftigt?
Trenkle: Unser Lokal bietet mit einer Größe von 150 qm, je nach
Bestuhlung, Platz für ca. 65 bis 70 Gäste. Wir beschäftigen
derzeit 7 Mitarbeiter, die sich mit mir um unsere Gäste kümmern.
Wie sind Ihre Öffnungszeiten?
Trenkle: Montag bis Freitag von 11.30 23.00 Uhr und Samstag von 17.00 23.00
Uhr
Das Mittagsbuffet ist von 11.30 14.00 Uhr und das Schlemmer-Abendbuffet
von von 18.00 23.00 Uhr
anima: Welche Art von Speisen bieten Sie an und sind bei den Gästen besonders
beliebt?
Trenkle: Wir bieten ausschließlich vegetarische und vegane Speisen an.
Besonders unsere pflanzlichen Fleischalternativen kommen bei den Gästen
sehr gut an, da wir nicht nur mit Tofu arbeiten, sondern auch andere Produkte
einsetzen.
Außerdem sind unser reichhaltiges Salatbuffet und unsere Suppen sehr
beliebt.
Wir kochen nationale und internationale Gerichte, die sehr abwechslungs- und
variantenreich zubereitet werden.
Anima: Was bietet Ihr Betrieb besonderes, abgesehen von den vegetarisch/veganen
Speisen?
Trenkle: Unsere alkoholischen und nichtalkoholischen Cocktails sind ausschließlich
vegan und wir bieten ebenfalls auch selbstgebackenen veganen Kuchen an. Besonders
ist auch, dass wir sowohl beim preisgünstigen Mittagstisch, als auch bei
unserem reichhaltigen Abendangebot, die Buffetform der Speisendarbietung gewählt
haben. Damit kann sich jeder Gast nach seinen persönlichen Vorlieben bedienen.
Dieses System wurde von unseren Gästen mit großer Beigeisterung
aufgenommen.
anima: Auf welchem Preisniveau liegt die Arche?
Trenkle: Wir sehen uns im günstigen bis mittleren Preisniveau. Es ist
uns wichtig, dass wir vegetarisches bzw. veganes Essen in guter Qualität
zu wirklich moderaten Preisen anbieten können. Unsere Gäste bestätigen
uns immer wieder, dass unser Preis-Leistung-Verhältnis sehr in Ordnung
ist.
anima: Ist der Wunsch der Gäste von lactovegetarischen auf immer mehr
vegane Speisen von Bedeutung?
Trenkle: Ich meine Ja. Abgesehen von Menschen, die aus ethischen Gründen
keine Milchprodukte verzehren wollen, sind auch immer mehr Menschen von Milchunverträglichkeit
betroffen und verlangen daher nach rein veganen Speisen.
Diese Gäste können bei uns aus einem reichen Speisenangebot wählen.
anima: Besteht Ihr Gästeklientel eher aus konsequenten Vegetariern?
Trenkle: Nicht nur. Selbstverständlich zählt eine große Anzahl
unserer Gäste zuden Vegetariern oder auch Veganern, aber auch viele Nichtvegetarier
probieren gerne mal etwas Neues aus. Und diese sind dann oft überrascht,
wie schmackhaft und abwechslungsreich die vegetarische Küche sein kann.
anima: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen noch viele zufriedene Gäste und weiterhin viel Erfolg mit Ihrem schönen Restaurant!
Arche Vegetarisches Restaurant, 8010 Graz, Rechbauerstraße
19, Tel. 0316-347 681, office @ restaurant-arche.com
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Vegetarische Informationen
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Was ist Vegetarismus? Definitionen
Die Internationale Vegetarier Union
(IVU) hat im Frühjahr für ihren Bereich (mit 49 gegen 3 Stimmen)
folgende neue Definition beschlossen:
Vegetarismus ist Ernährung aus von Pflanzen gewonnenen Nahrungsmitteln
mit oder ohne Eier, Molkereiprodukte und/oder Honig.
Die Europäische Vegetarier Union (EVU) definiert: Vegetarismus bedeutet
die Enthaltung von allen Lebensmitteln und sonstigen Produkten, die durch Tötung
von Tieren gewonnen werden.
Das Europäisches Parlament hat im Juni 2010 für Zwecke der Lebensmittelkennzeichnung
folgende Definition beschlossen (Die Zustimmung des Europ. Rates fehlt noch):
Der Begriff vegetarisch ist nicht auf Lebensmittel anzuwenden,
bei denen es sich um Erzeugnisse handelt oder die aus oder mithilfe von Erzeugnissen
hergestellt werden, die aus verendeten, geschlachteten oder aufgrund ihres
Verzehrs zu Tode gekommenen Tieren gewonnen wurden.
Der Begriff vegan ist nicht auf Lebensmittel anzuwenden, bei denen
es sich um Tiere oder tierische Erzeugnisse handelt oder die aus oder mithilfe
von Tieren oder tierischen Erzeugnissen (einschließlich Erzeugnissen
von lebenden Tieren) hergestellt wurden.
Schweizer Lebensmittelverordnung
Lebensmittel gelten als:
a)vegetarisch oder ovo-lacto-vegeta-risch oder ovo-lacto-vegetabil.
Wenn sie keine Zutaten tierischer Herkunft ent-halten, mit Ausnahme von Milch,
Milch-bestandteilen (z.B.Lactose), Eiern, Eier-bestandteilen oder Honig
b)ovo-vegetarisch oder ovo-vegetabil, wenn sie keine
Zutaten tierischer Her-kunft enthalten, mit Ausnahme von Eiern, Eibestandteilen
oder Honig;
c)lacto-vegetarisch oder lacto-vegeta-bil, wenn sie
keine Zutaten tierischer Herkunft enthalten, mit Ausnahme von Milch, Milchbestandteilen
oder Honig;
d)vegan oder vegetabil, wenn sie keine Zutaten tierischer
Herkunft enthalten.
Und zum Schluss noch die landläufige Definition: Lakto/ovo-Vegetarier
essen nichts vom toten Tier, strenge Vegetarier (Veganer) auch nichts vom
lebenden Tier (also auch nicht Milch und Ei und Honig).
Und was essen Vegetarier?
Die Vorschläge dem Vegetarismus aufge-schlossener Ernährungswissenschaftler
un-terscheiden sich nicht allzusehr. Alle legen das Schwergewicht auf Obst
und Gemüse Übrigens empfiehlt auch das US.ameri-kanische Landwirtschaftsministerium
den Teller zur Hälfte mit Gemüse (etwas mehr) und Obst zu füllen.
Die amerikanische adventistische Gesund-heitsorganisation (die advent. Loma
Linda Universität in Kalifornien ist führend in veg. Studien) empfiehlt
täglich neun oder mehr Portionen Früchte und Gemüse und sechs
oder mehr Portionen einer Kombination aus Vollkorn, Getreideflocken und Hülsenfrüch-ten.
Der amerikanische Arzt Neal Barnard, Vorsitzender der ärztlichen Berufsvereinigung Physicians
Commitee for Responsible Medicin, plädiert in seinem Buch Eat
Right, Live Longer, deutsch (1998) Iss Dich Fit (siehe vorige
Seite) für rein pflanzliche Ernährung mit den vier Grundpfeilern
Gemüse (grün und gelb/orange), Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte
und Obst: täglich mind. 3 Portionen Gemüse à 200 g roh oder
100 g gekocht; 2 3 Portionen Hülsenfrüchte à 100 g
gekocht oder 200g Sojamilch etc.; mind. 5 Port. Vollkornprodukte à 100
g (warm), 30 g trocken od. eine Scheibe Brot; mind. drei Port. Obst à mittelgroße
Frucht oder 100 g gekocht; + Vitamin B12-Ergänzung (Genaueres siehe
im Buch).
Univ.Prof. Claus Leitzmann und Dozent Markus Keller haben in ihrem Werk
Vegetarische Ernährung (siehe vorige Seite) die Gießener vegetarische Ernährungspyramide
vorgestellt, in der sie als Basis 1 bis 2 l Wasser setzen; weiters (für
2000 kcal pro Tag) empfehlen (täglich): Gemüse mind. 400 g und Obst
mind. 300 g;. Vollkornprodukte u. Erdäpfel in 2-3 Mahlzeiten zu je 100 150
g Vollkornbrot oder 200 350 g Erdäpfel oder Äquivalente; Sojaprodukte
50 150 g, dazu 1 bis 2 x wöchentlich Hülsenfrüchte; tgl.
Nüsse und Samen 30 60 g; Pflanzliche Fette und Öle 2-bis 4
Esslöffel. Eventuell: Milch/Joghurt 0250 g (oder Käse 0 50g)
tgl., Eier 1 2 wöchentlich; falls gewünscht Süßigkeiten
etc. in Maßen. Und wichtig: mind. 1/4 Stunde Sonne (für Vit.D) und
mind.30 Min. körperliche Aktivität. Genaueres siehe das Buch Vegetarische
Ernährung.
Achtung Veganer: zusätzlich Vitamin B12
.
Seite 14
Was Sie tun können um Nutztieren zu helfen
Eine Information der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung website:
nutztierhaltung.org
Noch zu den umseitigen Ernährungsempfehlungen:
Schon 1997 hatte der dem Vegetarismus eher fern stehende World Cancer Research Fund in einem umfassenden Forschungsbericht über die Zusammenhänge von Ernährung und Krebs zur Krebsvorsorge u.a. empfohlen:
Ernähren Sie sich vorrangig von pflanzlichen Nahrungsmitteln. Verzehren
Sie dabei eine große Vielfalt an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten
und möglichst gering verarbeitete stärkehaltige Grundnahrungsmitteln;
verzehren Sie das ganze Jahr über täglich 400-800 Gramm bzw. mindestens
fünf Portionen verschiedener Gemüse und Obstsorten; Verzehren Sie
täglich 600-800 Gramm bzw. über sieben Portionen verschiedener Getreidesorten,
Hülsenfrüchte, Wurzeln, Knollengewächse und Bananen. Bevorzugen
Sie dabei möglichst unverarbeitete Lebensmittel. Schränken Sie Ihren
Verzehr an raffiniertem Zucker ein; ...
Arme Sau Zum Aufruf aus Seite 3 Was können wir tun?
Vor allem kein Schweinefleisch kaufen. Für Vegetarier ganz einfach, aber
auch für Fleischesser machbar. Nicht nur die Mutterschweine auch die gewöhnlichen
Mastschweine werden in aller Regel schmerzlich traurig gehalten. Für Tierfreunde
sollte daher Schweinernes keine Wahl sein. Wer aus welchem Grund auch immer
auf Fleisch nicht verzichten will oder vermeint nicht verzichten zu können,
sollte am ehesten auf Jungrind aus Mutterkuhhaltung zurückgreifen, z.B.
Styria Beef.
Wie ist die Situation unsere Schweinebauern, ca. 30.000 sollen es noch sein
mit immer höheren Bestandszahlen. Vor einem halben Jahrhundert waren es
noch eine halbe Million, davon hatten ganze hundert mehr als hundert Tiere
im Stall. Der Konzentrationsprozess schreitet unaufhaltsam fort. Unsere heimische
Gesetzgebung setzt für Ställe bis zu 2.500 Tieren leichtere Errichtungsbedingungen.
Bei solchen Stallgrö-
ß
en reichen ungefähr 2.000 Betriebe für den österreichischen
Bedarf, nicht 30.0000. Im Ausland geht es in Richtung 10.000 und viel mehr.
Gegen die ausländische Billigkonkurrenz können unsere Bauern nicht
bestehen.
Der Schweinebauernverband ist kurzsichtig. Wenn die Bauern nichts anderes bieten
als das Ausland, nur teurer, werden die Konsumenten schließlich auf österreichische
Ware pfeifen und die billige ausländische wählen. Eine mögliche
Chance für heimische Bauern ist bessere Tierschutzqualität.
Helfen Sie, den Gedanken auf den Weg zu bringen. Versuchen Sie, unverbesserliche
Schweinefleisch-Liebhaber in Ihrem Umkreis zu bewegen, auf tierschutzmäßig
etwas höherwertige Ware, z.B. Biofleisch umzusteigen, oder gar auf Schweinefleisch
aus Freilandhaltung, das es wenn auch selten da oder dort gibt. Je höher
die Verkaufszahlen für bessere Ware, umso eher wird das Gros
konventionellen Bauern nachziehen.
Leder, muss das sein?
Wie immer man zu tierischen Produkten steht, eines ist sicher und lässt
sich bei allem Scharfsinn nicht bestreiten: Leder braucht der zivilisierte
Europäer wirklich nicht, um zu leben; keine Ledersitze, keine Lederkleider
und auch keine Lederschuhe.
Leder ist kein wertloses Abfallprodukt. Der Häute- und Lederverkauf ist
wesentlicher Teil der Viehpreis-Kalkulation. Die Tiere, denen man die Haut
abzieht, haben in ihrer übergroßen Mehrheit ein hundsmiserables
Leben gehabt, in Europa und in der übrigen Welt nicht minder. Unsere Schuhe
werden meistin Asien gefertigt, die Tiersstandards sind da häufig unter
jeder Kritik.
Es gibt Schuhe ohne Leder, teurere im vegetarischen Versandhandel, billige
und doch sehr haltbare in Schuhgeschäften mit billigerem Sortiment. Man
muss nur fragen. Und wenn die Verkäuferin wissen will, warum unbedingt
Schuhe ganz ohne Leder, sagen Sie einfach: Es macht mir keine Freude, Tieren
Chili in die Augen streuen zu lassen.
Seite 15:
Milch
Wenn Sie in Handelskettenläden einkaufen:
Die aus Tierschutzsicht mit Abstand beste Marke für Milch und Milchprodukte
ist
Zurück zum Ursprung erhältlich
in den Hofer-Filialen.
Die Ware ist nicht nur Bio, die Kuhhaltung muss darüber hinaus einen Wert
von 24 Punkten nach dem Tiergerechtheits-Index erreichen und insbesondere Weidehaltung
ist Pflicht. Wer auf Milch nicht verzichten will, sollte daher, meinen wir, Zurück
zum Ursprung wählen.
Allerdings werden die Kälber bald nach der Geburt ihren Müttern weggenommen,
die Mehrzahl der Kälber wird früher oder später (längstens
nach eineinhalb bis zwei Jahren) geschlachtet. Auch ein beträchtlicher
Teil der Kühe wird bereits nach ca. drei Laktationsperioden aus Rentabilitätsgründen
geschlachtet.
Daher ist jedenfalls Mäßigung beim Milchprodukte-Konsum angezeigt
Ei ?
Besser keins,
aber wenn schon eins,
dann das Freilandei, aber nur
Bio mit dem Siegel tierschutzgeprüft.
Ob dem Siegel die Ergänzung Testergebnis sehr gut beigefügt
ist oder nicht, ist unerheblich. Das Siegel tierschutzgeprüft bekommen
nur Freilandeier mit dem Testergebnis sehr gut.
Info der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung
Seite 15:
Notizen
Ein toter Hund, ein verletzter Mensch
Im vergangen Jahr hatten wir über einen Cobra-Einsatz mit obigen Folgen
berichtet und über unsere Intervention bei der Frau Innenministerin; weil
uns beides vermeidbar schien. Zum Thema Hund liegt nun eine positiver Erledigung
vor (siehe Seite 19). Ob bezüglich der Menschenverletzung ein Verfahren
eingeleitet wurde, wird uns wohl immer verborgen bleiben. Die Innenministerin
schwieg, die Staatsanwaltschaft lehnte eine Auskunft ab, das Justizministerium
beschied uns, dass Auskunftserteilung ein heikles Problem sei. Letzteres ist
zweifellos richtig aber unbefriedigend. Wir meinen nach wie vor, wenn zwölf
Schwerbewaffnete einen halbnackten Unbewaffneten aus dem Bett zerren, sollte
der keine Verletzung erleiden.
Ethik-Preis für Peter Singer
Die Giordano-Bruno-Stiftung hat ihren Ethikpreis dieses Jahr an die Initiatoren
des Great Ape Project, Paola Cavalieri und Peter Singer verliehen.
Der australisch-amerikanische Philosoph, dessen Wurzeln in Österreich
liegen (seine Großeltern wurden vom Naziregime ermordet) wurde schon
vor zwanzig Jahren in Deutschland nicht in Amerika wegen seiner
Thesen zum Begriff Person und zur Fragen der Euthanasie angefeindet.
Auch die jetzige Preisverleihung führte wieder zu Protesten. Der Vorstandsprecher
der Stiftung Michael Schmid-Salo-mon hat dazu im Web unter giordano-bruno-stiftung.de/print/323
ausführlich Stel-lung genommen und die Entscheidung bekräftigt.
Bis zu 25.000 Krähen dürfen ab 1.Juli in der Steiermark zum Schutz
der Landwirtschaft abgeschossen werden. Der kürzlich gefasst Landtagsbeschluss
führte zu heftigen Tierschutzprotesten.
Schaf und Wolf
Von den 15.000 Schafen auf den Kärntner Almen fallen so die Bauern jährlich
rund 250 den 5 bis 8 Bären und 2 bis 3 Wölfen zum Opfer. Artenschützer
halten die Opferzahl zu hoch
Danke unseren Leserinnen und
Lesern für Beiträge und Spenden
Für die anima gibt es keine feste Abo-Gebühr, nur Kostenbeiträge
nach Ihrem Ermessen. Allerdings: die Druckkosten steigen, das Porto ebenso,
nur unsere Personalkosten nicht, weil wir haben keine. Dennoch, unser Defizit
nimmt zu. Wir freuen uns daher über finanzielle Beiträge ebenso wie über
textliche.
Unser Konto: Volksbank Graz-Bruck BLZ 44770, Kto. 858 064. (IBAN AT84 4477
0000 0085 8064, BIC: VBOEATWWGRA).
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Bücher
Theresa Bäuerlein
Fleisch essen, Tiere lieben:
Wo Vegetarier sich irren und was Fleischesser besser machen können
Ludwig Buchverlag 2011, TB 160 Seiten, Format ca.20,5 x 13,5 cm, Preis 12,99 ¤(D),
ISBN 13- 978-3453280243
Wo Vegetarier sich irren,... der Titel hält nicht was er verspricht, doch
hielten sich die Menschen an das Buch, bliebe viel Leid erspart.
Die Autorin, ihrer Aussage nach gewesene Vegetariern, beschäftigt sich vor
allem sehr ausführlich mit der Landwirtschaft. Vereinfacht wiedergegeben:
Sie sieht im heute üblichen auf extremen Kunstdüngereinsatz (Stickstoff)
basierenden Ackerbau eine große Gefahr: Wir vernichten damit langfristig
gesehen, unsere Lebensgrundlagen. Allerdings, meint sie, gäbe es keine Nutztiere
mehr, fehlte der als Kuntdünger-Ersatz notwendige tierische Dünger.
Das betreffe auch Vegetarier, die statt Tierisches Pflanzliches essen. Dazu koste
die Verfeinerung pflanzlicher Nahrung (zu Quasiwürsteln etc.) ebenfalls
Energie. Ohne jetzt alle Gegenargumente aufzuzählen, außer Acht lässt
Frau Bäuerlein da Dreierlei: der Umweg über das Tier erfordert ein
Vielfaches an Pflanzenproduktion, Dünger erzeugt auch der Mensch und man
muss Pflanzen nicht zu Kunstfleisch verarbeiten.
Sie irren nicht, die Vegetarier
Die moderne Massentierhaltung ist der Autorin ein Greuel, das verbindet uns,
ihr Ideal die Rückkehr zu nachhaltiger Viehwirtschaft, Rinder auf der Weide
(ums Grasmähen kommt man da allerdings auch nicht herum), das Schwein wieder
Biotonne. Zweifellos war es ökologisch-ökonomisch, als der Schrankenwärter
seine Ziege, die sprichwörtliche Eisenbahnerkuh, noch am Bahndamm weidete
und sein Schwein im Koben hatte. Nur, abgesehen davon, dass die Schrankenwärter
wegrationalisiert sind, wer will sich das heute noch antun? Nostalgische Träume
sind schön, doch wir müssen uns der Realität stellen.
Ein wesentliche Punkt beim Vegetarismus ist die Frage: Dürfen wir töten.
Um das Thema schleicht die Autorin eher herum. Sie sagt, auch die Pflanzenproduktion
koste manch Tierleben, das ist richtig. Aber berechtigt uns das, eine Vielzahl
von Tieren absichtlich zu töten? Unbestreitbar kostet der Straßenverkehr
Menschenleben. Darf ein vernünftiger Mensch da sagen: Jetzt kommt es auch
nicht mehr darauf an, da kann ich ruhig auch Millionen Russen und Juden umbringen?
Ihr zweites nur halb ausgesprochenes Argument fürs Töten: Wir bringen
ja schließlich Pflanzen um. Sind das nicht auch fühlende Wesen. Ein
alter Einwand, der durch Wiederholen nicht besser wird und der sich schon damit
erledigt, dass Ernährung auf dem Umweg übers Fleisch ein Vielfaches
an Pflanzen kostet. Im übrigen, schon Konrad Lorenz meinte: Ein Mensch,
dem es ebenso leicht fällt, einen Salatkopf abzuschneiden wie den eines
Meerschweinchens oder einer Katze, wäre ein gemeingefährliches Monster.
Wie schon einleitend gesagt, der Beweis, dass die Vegetarier sich irren, ist
Frau Bäuerlein nicht gelungen, doch wäre schon viel gewonnen, würde
auch nur ein kleiner Teil der Fleischesser zur sanften Tierhaltung zurückkehren,
die sie empfiehlt.
Rainer Erlinger,
Moral Wie man richtig gut lebt
S.Fischer Verlag Frankfurt 2011, 363 Seiten, geb., 21 x 13,5 cm, Preis19,95 ¤(D)
Ein an jedermann gerichtetes Buch über die Moralfragen im täglichen
Leben, leicht und amüsant geschrieben - der Autor, Mediziner und Jurist,
ist Kolumnist der Süddeutschen Zeitung. Bücher wie dieses hindern uns,
einfach gedankenlos dahin zu leben, sie ermuntern zur Reflexion, mag man auch
nicht immer mit dem Autor übereinstimmen.
Essen Moralphilosophen Fleisch?
Uns interessieren natürlich besonders seine Gedanken zum Verhältnis
Mensch : Tier. Albert Schweitzer hatte noch beklagt: Wie die Hausfrau,
die die Stube gescheuert hat, Sorge trägt, dass die Tür zu ist, damit
ja nicht der Hund hereinkomme und das getane Werk durch die Spuren seiner Pfoten
entstelle, also wachen die europäischen Denker, dass ihnen keine Tiere in
der Ethik herumlaufen. Heute ist Auseinandersetzung mit der Tierfrage selbstverständlich.
Der Autor erklärt die Positionen zum Thema Tierrechte, verschweigt nicht
seine Präferenz fürs Vegetarische, legt die Gründe, die für
die fleischlose Lebensweise sprechen einfach, klar und leicht verständlich
dar und konzediert als Kompromiss Fleisch aus artgerechter Haltung: Zielrichtung
vom täglichen Fleischgenuss weg zum Sonntagsbraten. Den bemerkenswerten
Wandel in der Philosophie illustriert auch die folgende vom Autor erzählte
Episode: Eine international hochkarätig besetzte Konferenz über Moralphilosophie
an der Berliner Humboldt-Universität. Zum Mittagessen wollte die Hälfte
der Teilnehmer ein vegetarisches Menü. Philosophische Erkenntnisse werden
nicht von heute auf morgen Allgemeingut, doch sie werden es.
Ein Buch, wert gelesen zu werden.
Rolf Schäfer und Wolfgang Weimer
Schlachthof Schlachtfeld Tiere im
Menschenkrieg, Harald Fischer Verlag, Erlangen 2010, kart., 161 Seiten, Preis
19,80 ¤(D), ISBN 978-3-89131-419-7
Mit diesem Band setzt der Verlag die gediegene Reihe Tierrechte - Menschenpflichten fort.
Dass es Tiere sind, die Krieg und Katastrophen meist besonders treffen, ist
bekannt. Bei solch außergewöhnlichen Ereignissen wird Tierschutz beiseite geschoben,
ja gilt sogar als anstößig. Die Atomkatastrophe von Fukushima hat
es wieder bewiesen. Zehntausende Hunde, Heimtiere mussten über behördliche
Anordnung zurückgelassen werden und sind meist elend verhungert oder verdurstet,
so genannte Nutztiere, Rinder nicht minder. Die Problematik der Massentierhaltung
hat sich auch hier gezeigt.
Eines ist aber besonders hervorgetreten, nicht nur die Gleichgültigkeit
der Führung eines modernen Staates gegenüber Tierleid, sondern die
offenbare Unfähigkeit einer der leistungsfähigsten Industrienationen
mit fast 130 Millionen Einwohnern, 2 Promille ihrer Bürger, einen unter
500, menschenwürdig zu evakuieren. Der Optimismus der Menschen, die noch
immer auf Atomenergie setzen, verdient da geradezu Bewunderung.
Der vorliegende Band berichtet jedoch nicht vom Leid der indirekten Opfer der
Kriege. Er beschreibt im ersten Teil breit und ausführlich welche Tiere
und wie sie für Kriegszwecke eingesetzt wurden, vom Anbeginn der Geschichte
bis heute. Besonders erschütternd der Bericht über die heutige Kriegsforschung
an Tieren (und auch an Menschen).
Der zweite Teil widmet sich dann bedachtsam der Analyse und Wertung des Kriegseinsatzes
von Tieren aus ethischer, juristischer und theologischer Sicht. Der Herangehensweise
der Autoren werden vielleicht nicht alle zustimmen. Auch gegen die These, Kriegseinsatz
von Tieren sei aus ethischer Sicht von den anderen Tiernutzungen als Nahrung,
für medizinische Versuche und als Arbeitskraft gesondert zu behandeln,
lassen sich Einwände finden. Überhaupt erhebt sich die Frage , ob sich
das Schicksal von Mensch und Tier im Krieg grundlegend unterscheidet; beide nehmen
in aller Regel von hormongesteuerten Jungmannen vielleicht abgesehen nicht
freiwillig, nur gezwungener Maßen teil und sind ob Militär oder Zivilisten,
ob Mensch , ob Tier Opfer; im modernen Krieg sind die Verluste unter der Zivilbevölkerung
häufig höher als beim Militär; Kollateralschäden werden
bewusst in Kauf genommen, wie bei den Nato-Einsätzen in Serbien und Lybien
(dass zum Schutze der Zivilbevölkerung Kleinkinder umgebracht
werden, mutet merkwürdig an;
Mitgefühl für Tiere, für Menschen oder nur für Weiße?
durch kriegsähnliche Zwangsmaßnahmen wie das von den USA initiierte
Embargo gegen den Irak in den 1990er Jahren wurde bedenkenlos eine halbe Million
Kinder umgebracht (ein bemerkenswertes Phänomen: Publizistik und Bevölkerung
hier blieben unbeeindruckt) usw.
Welchen Standpunkt immer man vertritt, das Buch ist nicht nur Informationsquelle
sondern Anreiz, über das immer gegenwärtige alle berührende Thema
Krieg im allgemeinen und über eine von Tierfreunden eher vernachlässigte
Sparte aktueller Tiermisshandlung, die Kriegsforschung an Tieren, nachzudenken
und als Bürger aufzubegehren, mag es helfen oder nicht.
Erwin Lauppert
Kochbücher
Silvia Maritsch-Rager
Neues aus der GEMÜSEKÜCHE
100 vegetarische Rezepte mit Fotos
Pichler Verlag (Styria) Wien2011, 208 Seiten, Hardcover, ca.25 x 18 cm, Preis
24,95 ¤(A), ISBN: 13-978-3-85431-556-8
Gehören Sie zu jenen Menschen, für die schon das Blättern und
Betrachten von Fotos in einem Kochbuch zum Genuss wird? Dann ist die Gemüseküche auf
jeden Fall schon richtig für Sie. Wenn Sie dann auch noch unkonventionellen
Speisenzusammenstellungen gegenüber aufgeschlossen sind und beim Kochen
gerne Kreativität walten lassen, dann ist dieses Kochbuch sogar goldrichtig
für Sie.
Die Pflanzensprecherin Silvia Maritsch-Rager legt großen Wert
auf regionale, saisonale Lebensmittel. Das Inhaltsverzeichnis der Speisen ist
daher zusätzlich in Frühling, Sommer, Herbst und Winter unterteilt.
Es handelt sich um ein ovo-lacto-vegetarisches Kochbuch, das jedoch auch zahlreiche
vegane Rezepte enthält. Diese sind im Inhaltsverzeichnis durch farbliche
Abhebung sofort zu erkennen. Für Verfechter der veganen Küche ist es
aber sicher nicht schwer, auch die übrigen Rezepte zu veganisieren. Die
Autorin erörtert in einem einleitenden Kapitel auch selbst Alternativen
zu Ei und Milch sowie Überlegungen zur vegetarischen Ernährung. Ein
weiteres Kapitel, das der Autorin sehr am Herzen liegt, widmet sich dem Salz.
Stellt sie doch mit ihrem Mann in einer kleinen Manufaktur im Salzkammergut selbst
exklusive Salzköstlichkeiten her.
Und dann geht es los mit köstlichen Frühlingsrezepten wie Bärlauchsuppe
mit Kokosmilch, Brennnesselstrudel und Rhabarberstangen in Bierteig. Wenn der
Sommer im Garten Platz genommen hat, werden Auberginen-Couscous-Finger, Eierschwammerl
mit Rosinen und ein grüner Haselnussrahmkuchen mit Zucchini serviert
Wer im Frühling nicht sät, wird im Herbst nicht ernten, ist das
Motto von Frau Maritsch-Rager. Darauf vergisst sie nicht, bearbeitet sie doch
mit viel Liebe und Sorgfalt ihren eigenen Garten. Und daher bringt der Herbst
Kürbissuppe mit Zitronengras, Paprika mit Kastanienfülle und einen
gedeckten Zwetschken-Fleck auf den Tisch.
Sind die Tage dann im Winter kalt, setzt man auf eine Küche mit wärmenden
Pflanzen, Gewürzen und Kräutern, die zusätzlich das Immunsystem
stärken. Da ist ein Menü, bestehend aus einer Petersilienwurzelsuppe,
einer Bohnen-Lasagne mit Salbei und Rote-Rüben-Muffins genau das Richtige.
Wenn Ihnen beim Lesen dieser Menüvorschläge das Wasser im Munde zusammen
gelaufen ist und Sie zum Nachkochen animiert hat, treffen Sie mit diesem wirklich
wunderschönen Kochbuch eine gute Wahl.
Ein außergewöhnliches Koch- und Geschmackserlebnis wünscht
Ihnen
Ihre Michaela Schaller
Alexander Nabben, Tofu vegan Köstlich kochen und backen mit Tofu,
pala-Verlag Darmstadt, Überarb. u. ergänzte Neuauflage 2011, 160 Seiten,
geb., 21 x14 cm, Preis 14 ¤(D), ISBN 13-978-3895662836
Abla Maalouf-Tamer, Vegane Köstlichkeiten libanesisch, pala-verlag
2010, 155 S. geb., ca. 21 x 14 cm, Preis 14 ¤(D), ISBN-13: 978-3895662034
Nina Messinger, Du sollst nicht töten! Plädoyer für eine gewaltfreie
Ernährung, Smaragd Verlag D-57614 Woldert(Ww) 2011, 272 S., brosch., ca.
21 x 15 cm, Preis 17,80 ¤(D), ISBN 978-3941363-47-2
Christoph Mackinger und Birgit Pack (Hg), § 278a: Gemeint sind wir alle Der
Prozess gegen die Tierbefreiungsbewegung und seine Hintergründe, mandelbaum
verlag Wien 2011, 408 S., brosch.,19 x 12 cm, 16,90 ¤, ISBN, 978385476-600-1
Impressum
anima Zeitschrift für Tierrechte, erscheint vierteljährlich,
Medieninhaber und Verwaltung: Österreichische. Vegetarier Union (ÖVU),
Herausgeber und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU,
alle 8045 Graz, Rossegg 41, Tel. 0316-463717 und 0720 349 056 (Fairytel),
email: anima @vegetarier.at,
website: vegetarier.at und vegetarisch.org
ZVR-Zahl 90713 6740, DVR 0955 906.
Beiträge geben, soweit nicht ausdrücklich vermerkt, lediglich die Meinung
der Verfasser, nicht die der ÖVU wieder. Nachdruck nur mit schriftlicher
Zustimmung. Fotos, wenn nicht bezeichnet: ÖVU, Druck: Druckwerk 8020 Graz
Seite 19:
Was ist unserer Innenministerin das Leben eines Hundes wert?
Laut neuer Nachricht doch etwas danke!
Unter obigem Titel hatten wir vor einem Jahr über einen Cobra-Einsatz
zwecks Festnahme eines Verdächtigen in Niederösterreich berichtet,
bei dem dessen Hund getötet wurde. Der hatte vermutlich, als die Cobra
durch die geschlossene Tür hereinkam, wie das so Hundeart ist, die Zähne
gefletscht und das war sein Todesurteil. Hunde gibt es in sehr vielen Haushalten.
Da die Cobra anscheinend aus welchem Grund auch immer den ministeriellen Auftrag
hat, nicht eine Minute zu warten bis aufgemacht wird, ist plötzliches
Zusammentreffen mit Hunden vorprogrammiert. Muss also jedes Mal, wenn die Cobra
kommt, der Haushund sterben? Wir meinten, das wäre vermeidbar, und baten
die damalige Innen- und jetzige Finanzministerin Frau Dr. Fekter, Cobra-Leute
so auszubilden und auszustatten, dass sie Hunde ohne Todesschuss meistern können.
Trotz Nachfragen erhielten wir lang keine Antwort, doch jetzt unter einer neuen
Innenministerin erfreulich eine positive, wie nachstehend zu lesen. Danke!
Schreiben des Einsatzkommandos Cobra vom 9.Mai 2011
Seite 20:
900 ¤ zahlen für ein Brieferl ans Ministerium?
Das neue Lobbying-Interessenvertretungs-Transparenzgesetz
Als einer vor Jahren auf der Autobahn mit 2 Promille und 200 Stundenkilometern
sechs Leute zu Tode fuhr, reagierten Regierung und Parlament sofort: sie senkten
die Alkoholgrenze von, 0,8 auf 0,5 Promille. Logisch nicht?
Vor kurzem stellte sich ein Alt-Innenminister und Europa-Abgeordneter mit seinen
Beziehungen gegen Geld einem Privatunternehmen zur Verfügung (wenigstens
in den Zeitungen). Prompt reagieren Regierung und zuständige Justizministerin
Frau Prof. Dr. Karl und machen ein neues Gesetz: (Laut Medien) müssen
sich auch Funktionäre und Angestellte von NGOs, also gemeinnützigen
Vereinen, das sind vielleicht 10.000 Menschen, um teures Geld bis zu
900 ¤ je Person registrieren lassen. Logisch, nicht?
Verwaltungsvereinfachung auf österreichisch?
Wozu das gut sein soll, außer um die Zahl der Beamten zu erhöhen,
weiß der Himmel oder un-sere Frau Justizministerin UnivProf. Karl und
die anderen befassten Regierungsmitglieder. Die aber schweigen; Anfragen, ob
das tatsächlich so vorgesehen ist, blieben bisher unbeantwortet.
Teure Registrierungspflicht für alle, die sich ums Gemeinwohl kümmern?
Nimmt man die landläufige Definition für Lobbying, will unsere Regierung
also all die vielen Vereine und Einzelpersonen, die sich um Menschem, Behinderte,
Kinder, Alte, Ausländer, um Tiere, um Musik, von der Blasmusik bis zum
Symphonieorchester, um den Feuerschutz, den Fremdenverkehr, Radwege und und
und kümmern, in die Mühlen ihrer Bürokratie zwängen.
Alle die, ob Funktionäre, ihre Angestellten, machen natürlich Lobbyarbeit,
versuchen bei den Verantwortlichen für ihre Klientel Verbesserungen zu
erreichen, ob in den Gesetzen, ob in den Schulen, auf den Straßen, und
bemühen sich bei den Maßgeblichen um dies und das, oder zumindest
um eine Subvention. Entweder in dem sie bei einem Entscheidungsträgern
vorsprechen oder ihm ein Brieferl schreiben. All das ist nach der üblichen
Definition Lobbyarbeit.
Aktivbürger mundtot machen, der Regierungswunsch?
Und wehe, einer schreibt einen Brief, ohne sich vorher registriert zu haben.
Dann muss er (wieder laut Medien) mit einer Strafe von bis zu 10.000 ¤ rechnen. Das
kam uns alles ein bisschen komisch vor.
Darum eine vergebliche Anfrage anfangs
Juni an Frau Minister Prof. Karl:
:
Sehr geehrte Frau Bundesministerin,
ich kann natürlich nicht beurteilen, ob das ... zutreffend ist, ich weiß nicht,
ob Ihr Ministerium tatsächlich beabsichtigt, Kammern und Vereine, die in
ihren für jedermann einsehbaren Statuten Lobby-Arbeit festgeschrieben haben,
zur Lobby-Anmeldung verpflichten will und bejahendenfalls, wozu das außer
zur Verwaltungsaufblähung gut sein soll. Dochhat Ihr Ministerium ja
auch anderswo, was die Verpflichtung von rechtssuchenden Bürgern zu Geldleistungen
betrifft, eine durchaus originelle, wenn auch nicht leicht unter die Rubrik
Rechtsstaatlichkeit zu subsumierende Lösung gefunden: Wer sich - eigenhändig
- eine Kopie seines 100.000 Seiten dicken Strafakts machen will, muss für
dieses ver-ständliche Begehren 50.000 Euro zahlen.
Daher sind viele und auch ich in Sorge, dass hier das Volk, die Bürger,
durch das neue Gesetz faktisch gehindert werden könnten, Vorschläge
zum Recht, zur Rechtsgestaltung zu machen.
Darum meine Frage: Wenn ich ihnen ein Brieferl wie dieses schreibe und Sie,
sehr geehrte Frau Bundesministerin, als Bürger bitte, das Gesetz weniger
verwaltungs- und gebührenaufwendig zu gestalten, muss ich mich nach Ihren
Intentionen dafür gebührenpflichtig registrieren lassen? Oder wenn
ich der Mitzi sage, "bitte schreib du der Frau Ministerin, für fünfzig
Euro, ich hab jetzt keine Zeit", muss sich dann die Mitzi als Lobbyistin
um teures Geld anmelden?
Mit vorzüglicher Hochachtung
Erwin Lauppert
Anmerkung: Gegenüber dem Ministerialentwurf wurde der Gesetzesentwurf in der nach Redaktionsschluss beschlossenen Regierungsvorlage u.a. dergestalt geändert, dass nur mehr Vereine und Unternehmen, die einen Mitarbeiter überwiegend als Lobbyisten beschäftigen, regiistrierungspflichtig sind. E.L.
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