Inhalt Nr.4/2011
Aus dem Inhalt
Christine Beidl
Weihnachten und die Tiere ............ 3
Erwin Lauppert
Tierrechtskongress Impressionen 5
VEBU
Ernährungsratschläge ..................... 9
Vegetarische Informationen .......... 11
Tian, das neue Nobelrestaurant in Wien
An der Himmelpforte ..................... 12
Ges. f. humane Nutztierhaltung
25 Jahre Freilandei in Österreich ... 13
In den Fängen von Polizei und Justiz
Tierschützer. Staatsfeind .............. 17
Zum neuen Buch von DDr. Balluch
Bücher .......................................... 19
Helmut F. Kaplan, Leichenschmaus
Martin Balluch, Tierschützer. Staatsfeind
Birgit Klaus, Tier zuliebe
Michael Pollan, Das Omnivoren-Dilemma
Michael Pollan, 64 Gundregeln ESSEN
Alexander Nabben, Tofu vegan
Marsili Cronberg, Wie ich verlernte, Tiere zu essen
Neues aus dem pala-verlag
Die Katze in der Weihnachtskrippe 22
Notizen Impressum ..................... 23
Kilian Dreißig - Sebastian Zösch
Die Körner-Metzgerei .................... 22
Wie wird aus einer Mücke ein Elefant?
Jäger, Polizei und Tierrechtler ........... 24
Seite 1:
Ich werde auf dieser Welt
nur einmal wandern.
Wenn ich etwas Gutes tun
oder einem menschlichen Wesen
oder stummen Tier
etwas Liebes erwiesen kann,
sollte es gleich geschehen.
John Galsworthy
1867-1933
Literatur-Nobelpreis 1932
Seite 2:
Liebe Leserinnen und Leser,
das Jahr neigt sich dem Ende zu, Zeit zurückzublicken. Das hervorstechendste Ereignis war zweifellos das glückliche Ende des Tierschützerzprozesses, Freispruch für alle. Glücklich? Nicht ganz das richtige Wort bei Anwaltskosten von hunderttausenden Euro. Österreich ein Rechtsstaat? Und acht Monate nach Prozessende noch keine schriftliche Urteilsausfertigung? Da dürfen wir die Justiz eigentlich gar nicht mehr kritisieren. Unsere Aufgabe ist es ja für die Tiere einzutreten. Sind Schnecken etwa keine Tiere?
Zum Positiven: zwei neue vegetarische Restaurants in Wien, ein sehr nobles
und ein großes Yamm für ein breiteres Publikum, dazu
in Graz zu den zwei alteingesessenen noch ein drittes, und alle finden ihre
Gäste. Das freut natürlich die Vegetarier- und Tierrechtszeitung,
Vegetarismus ist ja der beste Tierschutz. Ein Wermutstropfen; wie steht es
in den anderen Landeshauptstädten? Wer über-nimmt dort die Initiative?
Zu dieser Nummer: Breiteren Raum nimmt der Bericht über den Tierrechts-kongress
ein, dazu Gedanken zu Balluchs Erlebnisbericht aus dem Gefängnis: ein
geschichtlicher Rückblick zum Freilandei Verbesserungen in der
Tierhaltung, die viele honorieren, helfen den Tieren mehr als der Übertritt
leider nur weniger zum Veganismus.
Zwei Texte haben wir aus alten anima-Ausgaben herausgekramt. Dass Humor vielleicht
die bessere Waffe ist, um unsere Sache voran zu treiben, zeigt das Gedicht
von der Körner-Metzgerei. Mit der letzen Seite kommen wir zur Frage, bringt
Kon-frontation mit Jägern mehr als sachliches Gespräch? Der Chef
des größten steirischen Tierschutzvereins Heribert Oster hat die
Jäger nicht beschimpft, er hat sich mit ihnen zusammengesetzt und ein
Fallenverbot erreicht. Darüber nachzu-denken lohnt sich.
Friedliche Feiertage, ein gutes neues Jahr!
Ihre anima-Redaktion
Seite 3:
Weihnachten und die Tiere
Überlieferung - Sagen - Volksbräuche
Christine Beidl
"Ihr wart dabei - und seid vergessen" klagt schon Ernst Wiechert und
erinnert an die Tatsache, daß Tiere die ersten Geschöpfe waren, die
das Jesuskind auf dieser Erde begrüßt haben. "Sie wickelte es
in Windeln und legte es in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für
sie war."
Nach alter Überlieferung waren es Rind und Esel, die zwar im Lukas-Evangelium
nicht erwähnt werden, wohl aber in zahlreichen apogryphen Schriften und
Legenden rings um die Geburt. Einige von, ihnen hat Selma Lagerlöf in ihren "Christuslegenden" literarisch
verarbeitet.
Nur wenig bekannt ist, daß an einer Stelle auch eine Katze erwähnt
wird, die unter der Krippe ein Nest mit ihren Jungen hatte. (Seltsamerweise kommt
die Katze - das vergötterte Tier der Ägypter - weder im Alten noch
im Neuen Testament vor.)
Ihr seid vergessen! Diese Klage ist angesichts der Einstellung vieler Theologen
zu unseren Tiergeschwistern nur allzu berechtigt, das war aber nicht immer
so. Es widerspricht auch allem, was Jesus über die Barmherzigkeit, die gerade
den Ärmsten gilt und keine Grenzen zieht, sagte, seinen Gleichnissen vom
Guten Hirten, der seine Tiere liebt, und daß er, ehe er seine Botschaft
den Menschen verkündete, zu den Tieren in die Wüste ging. Aber auch
seine letzten Worte galten Menschen UND Tieren "Geht hin in. alle Welt und
verkündet das Evangelium ALLER Kreatur."
Ganz vergessen waren ja die Tiere gerade beim gläubigen Volk nie, und vor
allem um die Christnacht ranken sich geheimnisvolle Sagen und Bräuche. So
war es üblich, in der Heiligen Nacht mit Weihrauch durch alle Räume
zu ziehen und auch die Tiere im Stall zu segnen. Meist bekamen sie an diesem
Tag auch besonderes Futter, geweihtes Brot usw. Weit verbreitet war der Glaube,
daß die Tiere in der Heiligen Nacht mit menschlicher Stimme reden, wohl
auch künftige Ereignisse auf dem Hof, etwa Todesfälle, voraussagen.
Sicher ging es auch um das Gedeihen der Tiere und der Ernte im kommenden Jahr,
aber daneben spielte wohl auch der Respekt vor den Tieren eine Rolle oder das
Bedürfnis, ihnen wenigstens einmal im Jahr dankbar zu sein.
Der Ursprung dieser Bräuche liegt oft weit zurück. Wenn man in der
Heiligen Nacht Hafer vor die Türe streute für das Gespann von Knecht
Ruprecht, so war dies wohl ursprünglich für Wotans Pferd ge-dacht,
der später zum Wilden Jäger wurde und mit seinem Gespann durch die
Lüfte zog. In dieser Zeit der langen, dunklen Nächte wurde die Hoffnung
auf die Wiederkehr des Lichts gefeiert, was später auf die Gestalt des neugeborenen
Gottes-kindes übertragen wurde.
Verpönt war es auch stets, in den Heiligen Nächten auf die Jagd zu
gehen, in vielen Sagen folgten hier die strengsten Strafen für den Frevler.
Auch die wilden Tiere sollten teilhaben am Weihnachtsfrieden, zu diesem hochheiligen
Fest durften sie nicht gehetzt und getötet werden.
Aber gerade die Zeit der Rauhnächte, der dunklen Nächte zwischen dem
24. Dezember und dem 6.Jänner, waren auch die Zeit der Kobolde, der Berggeister
und Alben, aller unerlösten Naturwesen. Die alten keltischen und germanischen
Götter, durch den Christengott gestürzt und ins Gespenster-reich
verbannt, standen noch einmal auf: Die Percht, Wotan mit seiner Wilden Jagd,
begleitet
von ihren einstmals heiligen Tieren: Der Rabe, der Wolf, die Eule...
Die Naturwesen, die Berge, Gewässer, Wälder beseelten, lebten noch
lange im Volk weiter, bis in die neuere Zeit: Das Stille Volk der keltischen
Iren, Feen, Nixen und Trolle, und es gab geheime Plätze, Opfersteine und
heilige Quellen, in denen sich das Unheimliche mit dem Märchenhaften verband,
Undine, die sich nach einer unsterblichen Seele sehnt, wie in Andersen's wundersamen
Märchen von der kleinen Seejungfrau. Es war die ganze unerlöste Natur
mit ihrer Tierwelt, die gerade zu Weihnachten eine Stimme bekam - das Seufzen
und Klagen der Schöpfung, von der auch Paulus spricht, und die ebenfalls
teilhaben soll an der Erlösung der Kinder Gottes.
Vielleicht drückt dies auch eine Sage aus, von der Ebermut Rudolph in seinem
Buch "Vertrieben aus Eden" berichtet. Auf welche Erlebnisse gehen solche
Berichte zurück, wie "Die Pferdemette auf dem Höfler"?
"
Auf dem Heimweg von einem "Engelamt" (Weihnachtsmette) in Stötten
kommt ein nächtlicher Wanderer über den Höfler: Da prangte mit
einen Mal der vordem dunkle Wald in gleißendem Licht: An einem wunderschönen
Altar feierte ein Priester die heilige Messe ... Hunderte von Pferden umstanden
in weitem Rund den Altar und alle hatten sie eine Wunde am Hals ... Der Bauer
traute seinen Augen nicht: Mit der tödlichen Wunde hätten doch die
Tiere sogleich umfallen müssen. Aber im Gegenteil, die geschundene Kreatur
vereinigte sich im winterlichen Wald zu einem wundersamen Lobpreis des neugeborenen
Heilands. Ganz benommen kehrte der Zeuge dieser merkwürdigen Pferdemette
heim. Dann aber eilte er noch in derselben Nacht zu den Nachbarn und Freunden,
um ihnen dieses Christnachtswunder zu erzählen. Und wie die Leute auf diese
Nachricht hin vom Seehof herüber und vom Auerberg herab auf den Höfler
eilten, da war von Priester, Altar und den Messbesuchern nichts mehr zu sehen.
Nur im Schnee bemerkten sie zahlreiche Blutspuren und die Abdrücke vieler
Pferdehufe."
Der Autor fragt sich, ob es sich bei der Halswunde der Pferde vielleicht
um eine Erinnerung an vorchristliche Pferdeopfer handle, oder nur um eine
Manifestation
des der Kreatur vom Menschen zugefügten Leides. Was ist der Ursprung solcher
Visionen, deren es zahlreiche in der Überlieferung, des Volkes gibt? Rudolph
meint abschließend: Es muß wohl dem Empfinden der frommen Menschen
jener Gegend entsprochen haben, wenn sie auch die vom Menschen gepeinigte Kreatur
vereint sehen wollte zum Preise des göttlichen Kindes, das sich damit -
wir verharren noch immer streng im Rahmen des durch die Sage wohl Gemeinten -
auch als Erlöser der außermenschlichen Kreatur erweist."
Weihnachten und die Tiere! Wer denkt noch an sie, wenn sie sich in den Regalen
der Großkaufhäuser
zu Bergen türmen, die Leichen der Puten, der Gänse und Enten aus
Massentierhaltung, berieselt vom ständigen Klang der Weihnachtslieder,
die zum Kauf animieren sollen, "Stille Nacht" zu Reklamezwecken mißbraucht?
Das Weihnachtsgeschäft
blüht, die Engel der Hirten und der Stern von Bethlehem müssen
herhalten, um die Kassen zu füllen. Das Geburtsfest des heimatlosen
Kindes im Stall ist zu einer Orgie des Luxus und der Schlemmerei geworden
... Weihnachtsmänner
auf den Straßen heizen den Kommerz an ... und ich sah als Christkinder
verkleidete Girlies, die zum Vergnügen der anwesenden Herren Striptease
machten ...
In unserer Spaßgesellschaft hört man die leisen Stimmen der Tiere
und der Engel in der Christnacht nicht mehr. Aber vielleicht gibt es doch einige,
die sie hören, weil sie gelernt haben, mitten im Lärm die Stille zu
hören.
Friede auf Erden allen Tieren und allen Menschen, die guten Willens sind!
(aus anima 4/2001)
Wir müssen zu einer anderen, weiseren, vielleicht mystischeren Auffassung
von Tieren kommen. Denn das Tier darf nicht am Menschen gemessen werden. Die
Tiere sind nicht die Geschwister des Menschen, sie sind ihm auch nicht untergeordnet.
Die Tiere sind andere Völker, die mit uns im Netz des Lebens und der Zeit
gefangen sind, sie sind Mitgefangene im Zyklus von Wunder und Wehen der Geburt
Henry B ston
Seite 5 - 8:
Impressionen vom Tierrechtskongress
Nach 2002, 2004 und 2008 gab es vom 8. bis 11. Dezember 2011 zum vierten Mal
in Wien den Tierrechtskongress. Wie immer mustergültig veranstaltet vom
Verein gegen Tierfabriken, wie 2008 im ansprechenden Don Boso Haus, einer Jugendbildungstätte
der römisch-katholischen Ordensgemeinschaft der Salesianer, im Westen
der Stadt, abseits des Verkehrstrubels.
Auf der Kongresswebsite lesen wir zur Veranstaltung:
Wir wollen uns einerseits mit dem unglaublichen Ausmaß der Repression auseinandersetzen,
aber andererseits auch mit den seit 2008 anstehenden Tierschutzproblemen und
mit zukünftigen Entwicklungen. ... Es liegt an den TrägerInnen der
Tierrechtsbewegung, die Repression in positive Energie für die Sache umzuwandeln.
Jetzt heißt es die Ärmel hochzukrempeln und zwar die Vergangenheit
zu analysieren, um aus ihr zu lernen, aber vor allem die Zukunft ins Auge zu
fassen und voller Motivation neue Projekte in Angriff zu nehmen.
In der Praxis gab es ein weit gespanntes Programm an Vorträgen und Arbeitgruppen.
In der letzten anima-Nummer in der Vorschau zum Kongress ist ein Großteil
aufgelistet.
Es ging vom Altertum bis in die Zukunft über Empathie gegenüber Tieren im Mittelalter sprach beispielsweise Univ.Prof. Gabriela Kompatscher-Gufler aus Innsbruck (Vielleicht errinnern Sie sich an die Besprechung ihres Buches Tiere als Freunde im Mittelalter in der anima Nr. 1/2010); der Bogen reichte von der Mensch-Tierbeziehung im allgemeinen bis zur Hundeernährung und erziehung; Christentum, meditatives Eingehen auf Tiere, die Rechtsstellung von Menschenaffen, Ernährung wurden behandelt; breiten Raum nahm das Thema Propagierung der veganen Lebensweise ein und natürlich kam auch die Repression gegen Tierrechtler nicht zu kurz.
Die ist mit dem Tierschützerprozess ja nicht zu Ende. Die Repression, die
Unterdrückung geht ja weiter. Anfangs Dezember gab es nahe Graz wieder einen
Fall: körperliche Repression im wörtlichen Sinn. Über eine halbe
Stunde saß ein Polizist auf einem am Asphalt liegenden Tierrechtler, wenn
man dem Bericht des als Sessel Dienenden Glauben schenken darf (siehe letzte
Seite). Eine originelle Polizeimaßnahme, die dem Vernehmen nach im Sicherheitspolizeigesetz
gar nicht vorgesehen sein soll. Es geschieht wohl manches in der Welt, was in
den Gesetzen so nicht steht. Übrigens, die Korruptionsstaatsanwaltschaft
hat es abgelehnt, die Anzeigen von Angeklagten gegen ermittelnde Polizeiorgane
wegen behaupteter falscher Zeugenaussage und Amtsmissbrauch weiter zu verfolgen.
Tierschützerprozess
und mittelalterliche Hexenprozesse
Wussten Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass vor genau dreihundert vierzig
Jahren, am 11.Dezember 1671 eine als Hexe verurteilte Kräuterin verbrannt wurde?
Wo? In Wiener Neustadt. Ich erwähne das zur Ehrenrettung des Wiener Neustädter
Gerichts, an dem so viele herummäkeln. Das Tierschützer-Urteil ist
da doch ein nicht zu leugnender kultureller Fortschritt. Sagen Sie nicht, Hexen das
ist doch ferne Vergangenheit. Gerade jetzt lese ich in der Zeitung: In Saudi-Arabien
wurde gestern eine Frau als Hexe hingerichtet. Zwar wird in Österreich derzeit
niemand mehr persönlich hingerichtet, doch seine wirtschaftliche Existenz
wird ob Schuld- oder Freispruch vernichtet.
Die Geschichte von der armen Kräuterin, die in Wiener Neustadt am Scheiterhaufen
brannte, erzählte Univ.Prof. Dr. Siller aus Innsbruck in seinem Vortrag Tierschutzprozess
und Hexenprozess. Er verglich hier jenen satirisch und doch ernst mit einem
großen Hexenprozess in Innsbruck vor fünfhundert Jahren und zeigte
erstaunliche Parallelen in den Methoden auf. Es war nebenbei einer der wenigen
Hexenprozesse, die nicht mit Verurteilung endeten. Wie es damals den Beschuldigten
wirtschaftlich erging, blieb unerörtert. Einen Unterschied gab es noch.
Damals ging es schneller, ganz ohne Elektronik. Heute: Beginn der engeren Erhebungen
2007, über ein Jahr Prozess, mündliches Urteil anfangs Mai 2011, schriftliches
Urteil hört man erst ein Jahr nach Ende des Beweisverfahrens, im März
2012 ein eigenartiger Rechtsstaat.
Etwas wurde auf dem Kongress, wenn ich nichts überhört habe, allerdings
nicht näher reflektiert und das ist schade.
In Österreich kommt es jährlich zu rund 600.000 Straftaten, darunter
zu zahllosen schwerwiegenden gegen Leib und Leben, zu zehntausenden Einbrüchen
in Wohnungen und Geschäfte, die die Betroffenen in Angst und Schrecken versetzen,
zu hunderten Toten auf den Straßen, darunter Dutzende Kinder.
Was ist der Grund, warum nicht wenige in der Bevölkerung gerade Veganer ohne
genau zu wissen, was das ist mit Terroristen assoziieren?
Warum kommt es gerade gegen Tierschützer zu einem millionenschweren und
personalintensiven Einsatz? Wegen angenommener so um die 220 Delikte, im Verhältnis
zu den aufgezählten Straftaten fast nur Lappalien.
Im Grazer Universitätsviertel kommt es fast allnächtlich zu Krawallen
und Randalen betrunkener Studenten oder Leuten, die sich für solche halten.
Da erklärt sich die Polizei außer Stande für Schutz und Ordnung
zu sorgen. Erst dieser Tage hat eine angesehene Geschäftsfrau, nebenbei
bemerkt ÖVP-Nationalrats-Abgeordnete, ihr renommiertes Restaurant geschlossen,
nicht nur aber auch mit der Begründung, sie sei es leid, immer wieder zerschlagene
Fensterscheiben ersetzen und Gespiebenes vor dem Haus aufwaschen lassen zu müssen.
Was ist der Grund, warum nicht wenige in der Bevölkerung gerade Veganer ohne genau zu wissen, was das ist mit Terroristen assoziieren? Ein Thema über das sich nachzudenken lohnte.
Lassen wir das Töten beiseite, konzentrieren wir unsere Bemühungen
auf das Erreichbare: Leiden mindern; das ist schwer genug?
Aus den zahlreichen Kongressbeiträgen seiner Thesen halber hervorzuheben
ist der Vortrag des britischen Univ.Professors Dr. Robert Garner, Universität
Leicester, der stark vereinfacht sagte: Die Bevölkerung ist offensichtlich
nicht bereit, aufs Töten von Tieren zum Nutzen der Menschen zu verzichten.
Wohl aber besteht Widerwille, Tiere leiden zu lassen. Konzentrieren wir unsere
Bemühungen also auf das Erreichbare, das Leiden zu mindern; das ist schwer
genug. Die These blieb nicht unwidersprochen.
Ein Merkmal von Tierrechtsveranstaltungen ist häufig der abolitionistische
Grundton, die Verweigerung pragmatischer Zugeständnisse.
Das erinnert ein bisschen an den Ausspruch des trotzenden Knaben: Recht geschieht
meinem Vater, dass ich mir die Hände abfriere, was kauft er mir keine Handschuhe. Recht
geschieht es den Menschen, dass wir Tiere leiden, was werden sie keine Veganer.
Typisch ist der Streit Veganer Lakto/ovo-Vegetarier. In Österreich
sterben grob geschätzt jährlich rund hundert Millionen Warmblütler
direkt und indirekt für menschliche Nahrungszwecke:
Recht geschieht es den Menschen, dass wir Tiere leiden, was werden sie keine
Veganer?
fürs Fleisch rund 70 Millionen Masthühner und sonstiges Mastgeflügel
und rund zehn Millionen Vierfüßler, darunter fast sechs Millionen
Schweine; zehn Millionen auf ab im Legehennenbereich und rund zehn Millionen
direkt und indirekt im Rahmen der Produktion von Pflanzen für Ernährungszwecke,
also auch für die Veganer. Für die Milchgewinnung (Milchkühe und
Kälber) stirbt dagegen nur eine halbe Million, also nicht einmal ein Prozent.
Direkt vom Fleisch zur rein pflanzlichen Ernährung oder über den Lakto/ovo-Vegetarismus?
Es ist schon schwierig genug, Menschen zum Lakto-Vegetarismus zu bekehren,
sie zur veganen Form des Vegetarismus zu bringen, ist fünf- bis zehnmal schwerer;
die statistischen Zahlen zeigen es. Vor die Wahl gestellt sagen viele: Wenn auch
Lakto-Vegetarismus Mord ist, bleibe ich gleich beim Fleisch. Das mag betrüben,
doch wäre es erwägenswert, das ins werbetechnische Kalkül zu ziehen.
Ist es sinnvoll für 1 Prozent mehr auf 89 Prozent zu verzichten?
Dem Blick starr auf das utopische Fernziel, die vegane Welt gerichtet entgeht
das Nahe. Da sind die vielen Millionen Tiere, die heute und auch Morgen und Überübermorgen
leiden.
Können wir wenigstens einem Teil von ihnen schon heute helfen. Prof. Garner
meinte, wir sollten uns auf Leidminderung konzentrieren, da fänden wir zwar
nicht bei allen, doch bei vielen Menschen offene Türen, d.h. sie wären
bereit für tiergerechter Erzeugtes mehr zu zahlen.
Ein Beispiel ist das Freilandei. Wir hatten es vor einem Vierteljahrhundert
aus dieser Erwägung von Graz aus auf den Weg gebracht, es war zugegeben schwierig
(siehe den Bericht an anderer Stelle des Blattes), aber es wurde damit Abermillion
Hennen das Leben um vieles leichter gemacht; Veganismus-Propaganda allein hätte
wenn es hoch kommt einem Prozent von ihnen den Käfig erspart. Diese Methode
ließe sich ausweiten auf Kühe, auf Schweine, und auch für Freilandhennen
Wie lässt sich Konsumentenmacht organisatorisch bündeln, dass sie Unternehmer
in die gewünschte Richtung drängt?
könnte man eine Produktionslinie mit höherem Tiergerechtheitswert aufbauen.
Es gibt diverse Ansätze, doch fehlt der geschlossene Einsatz des Tierschutzes.
Dieser Themenkreis fehlte wie gesagt im Kongressprogramm.
Es gab Vorträge über richtiges Kaufverhalten, das war wichtig. Nur,
was hilft es, wenn ein Prozent der Bevölkerung achtsam kauft? Die Frage,
wie lässt sich Konsumentenmacht organisatorisch bündeln, dass sie Unternehmer
in die gewünschte Richtung drängt, wurde nicht thematisiert.
VeggieDay und vegetarische Alternativen in Betriebsausspeisungen und Restaurants
sind wertvoll und wichtig, doch rein vegetarische(vegane) Restaurants meine
ich sind das nicht minder. Die Frage wie können wir die vegetarische Gastronomie
voran treiben, schiene mir auch erörterungswert.
In die Richtung pragmatischen Handelns gingen vor allem die Beiträge des
Geschäftsführers des Vegetarierbundes Deutschland (VEBU) Sebastian
Zösch. Da wäre einmal die von Belgien (und auch Amerika) ausgehende
vom VEBU intensiv aufgegriffene und auch in Österreich von Felix Hnat propagierte
nicht ganz unumstrittene Veggietag-Idee (Donnerstag ist Veggietag) und die deutsche
Kampagne für ein vegetarisches Menü in der
Dont work harder but smarter!
Effektive Tierrechtsarbeit.
Gemeinschaftsverpflegung, im besondern aber sein Vortrag Dont work
harder but smarter Effektive Tierrechtsarbeit.
Es sind nur wenige, die sich für Tierrechte einsetzen, ihre Mittel sind
beschränkt. Umso wichtiger ist es das Wenige so einzusetzen, dass für
die Tiere möglicht viel dabei herauskommt.
Wenn z.B. 20 Tierschützer eine Treibjagd besuchen: Sie sind acht Stunden unterwegs, abseits einer breiten Öffentlichkeit, 20 mal 8 macht 160 Stunden, das ist auf eine Person gerechnet ein Arbeitsmonat. Und was kommt dabei heraus? Für die Tiere im Endergebnis meist nichts, für die Tierrechtler ein paar blaue Flecken. Ließe sich die Zeit nicht besser nutzen fürs Tierwohl?
Jahr für Jahr steht eine Häuflein (20 oder 60 Leute) beim Wiener Jägerball, einem gesellschaftlichen Großereignis Spalier und ruft Mörder. Hat es was geholfen? Als wir einmal in der anima lang, lang ist es her die Frage stellten: Wenn zwanzig Jahre Jägerball-Demonstration nichts gebracht haben, wäre es nicht an der Zeit, etwas anderes zu probieren?, ernteten wir wütende Leserbriefe.
In der Debatte zu den Ausführungen Zöschs brachte allerdings
ein führender Tierrechtler ein triftiges Gegenargument: Es mag sein, dass
die Anti-Jägerball-Demonstration den Tieren nichts bringt, aber sie bringt
den Demonstranten etwas: im Alltag ob der vielen Leids frustriert, können
sie einmal den herzlosen Oberen, dem Vizekanzler und seinen Ministern ihre Meinung
entgegen schreien. Das laute Mörder-Rufen erleichtert die Seele, gibt emotionelle
Befriedigung. Das möchten wir nicht missen.
Nun, jeder Militär weiß, emotionale Truppenbetreuung ist wichtig.
Das gilt auch für die Tierschutztruppe. Nach harter und meist
wenig erregender monotoner Tierschutzarbeit sich einmal wenigstens stimmlich
seinen Frust hinausschreien können, tut gut. Allerdings gibt es da ein Problem.
Aktivisten klagen: Es ist relativ leicht, Junge für Jagdstörungen und
Schreidemonstrationen zu gewinnen, viel schwieriger aber, sie zu als langweilig
empfundener eintöniger solider und doch notwendiger Tierschutzarbeit zu
bewegen. Unsere Gesellschaftsordnung gibt wenig legitime Möglichkeit sich
auszuschreien, außer am Fußballplatz, doch dort kostet der Eintritt.
Da besteht die Gefahr dass
Mörder rufen, ja oder nein?
die Truppenbetreuungsveranstaltung für manche nicht Belohnung
für harte Arbeit bleibt, sondern Hauptzweck wird. Und dann wird die Frage
akut, wie wirkt sie aufs Image, auf die Öffentlichkeit. Brüllende Jugendliche
in größerer Zahl wirken nun einmal Furcht erregend. Warum wohl denkt
manch einer in der Bevölkerung beim Wort Veganer an Terroristen?
Soweit ein paar Eindrücke und Gedanken zu den Vortragsthemen. Zum Schluss
noch ein bisschen Statistik. Es gab hochkarätige Vortragende, u.a. fünf
Universitätsprofessoren, weitere Vortragende kamen u.a. aus Deutschland,
Tschechien, Kroatien und England. Gegen 250, ganz überwiegend junge Menschen
waren als ständige Kongressteilnehmer registriert, nicht wenige aus Deutschland
und der Schweiz. Zu den ständigen Teilnehmern kamen noch viele, die nur
einzelne Veranstaltungen besuchten. Die Säle waren manchmal überfüllt.
Die vegane Verpflegung war, bedenkt man dass die Küche an sich eher Fleischesser
gewohnt ist, sehr gut.
Verfassungsschutzagentin am Werk?
Nur ein veganer Kuchen fiel negativ aus dem Rahmen; fast beschlich einen der
Verdacht: War hier eine verdeckte Agentin am Werk, die Veganes diskriminieren
will? Schließlich darf nach jüngst novelliertem Gesetz das Bundesamt
für Verfassungsschutz fast alles gegen jeden, zwar nicht theoretisch doch
praktisch, ohne richterliche Genehmigung; Wanzen über und unter dem Bett
und sogar, ob aus Elektronik oder aus Fleisch mitten drin.
Von der Bagatelle abgesehen, es war eine gelungene und wertvolle Veranstaltung,
Dank dem VgT, seinem Obmann DDr. Balluch und allen seinen Helfern und vor allem
Helferinnen, und dem Don Bosco Haus mit seiner Crew.
Erwin Lauppert
Seite 8:
Steinerne Herzen bleiben Stein
Vor zwanzig Jahren meinten wir, der Kampf gegen Pelz sei gewonnen, intensive
Antipelzagitation hätte gewirkt. Kaum eine Frau ging noch im Pelz auf die
Straße. Den Makel, herzlos zu sein, wollte sie nicht tragen und von Kindern
angestänkert werden auch nicht. Haben wir uns getäuscht? Die Schaufenster-Beilage
der Wiener Presse vom 17.Dezember bringt unter dem Titel Fellstudie Pelz
in allen Formen.
Seite 9 - 10:
Gesundheit
Siehe apierausgabe
Seite 11:
Österreichische Vegetarier Union (ÖVU)
Interessenvertretung für Vegetarierinnen und Vegetarier, lacto/ovo oder vegan
Rossegg 41, 8045 Graz, Tel. 0316-46 37 17 u. 0720-345 298 (fairytel)
vegetarier.at, vegetarisch.org, email: oevu @vegetarier.at
Informationen zum Vegetarismus, ob lakto/ovo oder vegan - Mitglieder willkommen
Wir stehen Ihnen meist täglich bis 22 Uhr für telefonische Auskünfte
zur Verfügung.
40th IVU International Vegetarian Congress October 5-11, 2012
San Francisco, USA Näheres siehe www . ivu.org
MeatOut Fr 16. So 18.März 2012: Aktionstage fürs fleischfreie
Essen
Literatur:
Vegetarische Ernährung
ein wissenschaftliches Standardwerk der Ernährungswissenschaftler Claus
Leitzmann und Markus Keller. Ulmer Verlag UTB, 2., erweiterte Aufl. 2010, 366
S., kart., ¤ 22,90 ¤/D
Vegetarismus - Grundlagen, Vorteile, Risiken, ebenfalls von Univ.Prof. Claus
Leitzmann verfasst, Verlag C. H. Beck München, 3.Auflage 2009, Taschenbuch,
125 Seiten, 7,90 ¤(D)
Vegetarische Ernährung Gesund und bewußt essen, eine praktische
Anleitung der Ernährungswissenschaftler C. Leitzmann und A. Hahn; derzeit
vergriffen, doch fallweise bei amazon.de.
Informationen zur veganen Ernährung:
Gill Langley Vegane Ernährung, Echo Verlag Göttingen 1999, 240 Seiten,
ca.11 Euro(D). Das bisher umfassendste Werk zur veganen Ernährung, die vegane
Bibel.
Neal Barnard, ISS DICH FIT, TB 1998, bei der ÖVU erhältlich (10 ¤ +
Versandkosten)
Englisch: Stephen Walsh PhD
Plant Based Nutrition and Health
Bei der ÖVU erhältlich: Broschüre: So gehts vegetarisch jetzt
einsteigen 2,50 EUR + Porto); weiters Info-Blätter (teilweise Folder des
VEBU): Warum Vegetarier; Vegetarisches Gastronomie-Verzeichnis; Ve-getarisch
gesund genießen; Vegetarismus und Sport; 12 Fragen zum Thema Fleisch; Veget.
Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit; Ernährung im ersten Lebensjahr:
Vegetarische Babys; Vegetarisch gut drauf! Kinderernährung; Cool statt grausam
- Ernährungs-Tipps für Teens; 100% vegan; Vegetarisch & gesund
im Alter; Die vegetar. Woche (Speisenplan); Pflanzliche Ernähr-ung; Ökolog.Folgen
des Fleischkonsums
Vegetarische Stammtische, Vegi-Treffs
Auskünfte:
Graz: Tel. 0316-46 37 17
Wien
1) Erwin Lengauer, Tel.0676-357 2 671
2) email Tara777 @ gmx.at
Niederösterreich (West):
Mag. Gabriele Smetana, Tel. 0664/ 368 70 19
Oberösterreich:
Schärding: Cafe-Restaurant Orangerie, Eva Kubai Tel. 07712-35704
Scharnstein: Erich Lankmaier 0676- 3901119, lankmaier @ almtal.net
Vegetarische
Partner-Zeitschriften im Ausland:
Natürlich vegetarisch
Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU), Glatzer Straße 5, D-10247 Berlin,
Tel.0049/ 30-200 50 799, Email info@vebu.de www . vebu.de
Vegi-Info, Vegi-Büro Schweiz, Tel. 0041-71 477 33 77, neue Adresse: Niederfeldstrasse
92, CH-8408 Winterthur, Email: svv @vegetarismus.ch, vegetarimus.ch
Österreichische Vegetarier Union
Einladung zur Generalversammlung
(Nur für Mitglieder)
Donnerstag, 29.Jänner 2012, 16 Uhr
in 8045 Graz, Rossegg 41
Tagesordnung: Rechenschaftsbericht und Rechnungsabschluß, Mitgliedsbeitrag
und Voranschlag, Wahlen in den Vorstand und der Rechnungsprüfer, Satzungsänderung,
Allfälliges
Erwin Lauppert Vors
Seite 12:
An der Himmelpforte
Tian das erste vegetarische Restaurant der gehobenen Klasse
in Wien
Tian, ein chinesisches Wort mit vielfältiger Bedeutung, wird philosophisch/literarisch
meist mit Himmel übersetzt. Sei dem wie immer das neue Wiener
Tian befindet sich in der Innenstadtsteht an der Ecke Himmel-pfortgasse /Seilerstätte
günstig gelegen genau gegenüber dem (Musicaltheater) Ronacher.
Weltstadt-Flair: Wien bekommt eine neue Hochglanzmagazin-taugliche vegetarische
Adresse jubelte eine Journalistin in der Schaufenster-Beilage der Wiener Presse.
Das Tian im Herzen Wiens ist ein beson-derer Ort, welcher die Harmonie aus Ar-chitektur,
Atmosphäre, Lebensfreude und vor allem gesunder, vegetarischer Küche
auf besondere Weise widerspiegelt. Unser Leitgedanke ist gelebte Realität
informiert uns die Tian-website tian-vienna.com.
Die Meinungen der von uns Befragten waren geteilt. Leute, deren Sinn mehr von
volkstümlicher Gasthaukultur geprägt ist, finden es eher ungemütlich.
Andere, die ein bisschen in der Welt herumgekommen sind, schwärmen von elegantem
Ambiente und erlesenem Stil. Für Leute, denen es aufs Gesehenwerden ankommt
wohl richtig. Exklusivität garantiert auch das beschränkte Platzangebot.
Zu den Fakten: In einem vornehmen Gründerzeitbau situiert, im Erdgeschoss
Eingangsbereich/Lounge mit etwa 20 Plätzen, mehr für Kleinimbisse;
ein länglicher Speisesaal mit an beiden Längsseiten (Fensterfront und
Innenwand) gereihten je etwa 10 Tischchen, ein Sessel an der Wand der andere
gegenüber, zusammen etwa 45 Sitzplätze (auf der website zu sehen).
Im Keller er war zur Zeit unserer Besichtigung noch in Arbeit die
Bar auch für den Nachtbetrieb und Gesell-schaftsräume. Gesamtfläche
einschließlich Küche rund 750 m2, alles gediegen-nobel hergestellt,
die Kosten bleiben Geheimnis, billig war es nicht.
Initiator des neuen Lokals ist der mit dem Superfund wohlhabend gewordene Christian
Halper; seine offizielle Philosophie: Ich bin reich geworden und möchte
den Menschen ewas zurückgeben (und natürlich auch verdienen); der Betrieb
ist als Pilotprojekt gedacht, bei Gelingen Aus-weitung in andere Weltstädte
vorgesehen.
Das Preisniveau ist natürlich nichts für gewöhnliche Sterbliche,
für Nobelrestaurants aber nicht überzogen. Menü 38 ¤ (es
gibt auch eine Hauptspeise um 11 bzw 13 ¤). Die Tian-website verzichtet
nobel auf Preisangaben. Die Speisenkarte steht derzeit (noch?) unter dem Motto In
der Beschränkung zeigt sich der Meister, d.h. in der Rubrik Hauptspeisen
stehen vier zur Auswahl. Alles ist vegetarisch (wenn-gleich dies im Hintergrund
bleibt), teils lakto/ovo, teils unter strikter Meidung der Bezeichnung,
man sagt rein pflanzlich vegan.
Alles in allem eine erfreuliche Bereiche-rung der vegetarischen Gastronomie,
nicht nur für Vegetarier, die es sich leisten können,. Für Normalverbraucher
für besondere Anlässe; auch hat es etwas Gutes, einen Fleischesser
einladen zu können ohne befürchten zu müssen: Er könnte durch
Kadaverwahl die Atmo-sphäre vergiften. Vor allem aber: Die Mehrzahl der
Menschen strebt nun einmal den Oberen oder was sie dafür hält, nach.
Gehen die in ein vegetarisches Lokal, werden es ihnen die Unteren nachmachen.
Alles in allem, ein Gewinn für alle Vegetarier und ein weiterer Schritt
zur Minderung von Tierleid.
Noch die Öffnungszeiten: Café-Restaurant Montag bis Samstag 8 24
Uhr, Sonn- und Feiertage 10 17 Ur. Reservierung Tel. (01)- 890 4665.
Die Adresse: (Tian Betriebs GmbH) Seilerstätte 16, 1010 Wien
E.L.
Seiten 13 - 15:
Gesellschaft für humane Nuttierhaltung:
25 Jahre Freilandei
Also, der Titel ist grundfalsch. Das Freilandei als Konsumartikel ist natürlich
viel älter, hunderte oder tausende Jahre. Die Hühner liefen frei herum
auf den Bauernhöfen. Aber dann so vor einem halben Jahrhundert war es weg,
das Freilandei, wenigstens aus den Regalen der Lebensmittelgeschäfte. Wie
kam es dazu?
Wir Menschen haben Beine, mit denen gingen wir einst und gehen heute noch.
Das Huhn hat auch Beine, damit lief es wie schon gesagt auch einmal. Bis
von den
USA her die Rationalisierer kamen und fragten: wozu Beine, wozu Flügel,
wozu Federn? Kostet alles nur Futter. Einen Eierstock braucht das Huhn, zum Eierlegen,
das genügt. Ansätze, den Hühnern die Federn wegzuzüchten,
gibt es Die Beine ließen sich leider oder besser Gott sei Dank nicht wegrationalisieren,
doch dafür der Raum rundherum, das kam fast aufs selbe heraus: die Käfigbatterie
war geboren.
Wie das Huhn wieder heraus und das Freilandei wieder in die Regale der Supermärkte
kam, bei uns in Österreich vor 25 Jahren, möchten wir Ihnen, liebe
Leserinnen und Leser, erzählen.
Es brauchte ziemlich lang, bis das Publikum, das noch die idyllischen Bilder
von Bauernhöfen alter Prägung vor Augen hatte, den Wandel zur Käfigbatterie
realisierte. Bahn brechend war die Engländerin Ruth Harrison, die 1964 das
Buch Animals Machines herausbrachte und damit einer breiteren Öffentlichkeit
die Augen über die Zustände in der Tierproduktion öffnete.
Langsam entstand eine Protestbewegung. Der durchs Fernsehen und Bücher (Serengiti
darf nicht sterben) bekannt gewordene Zoologe Professor Bernhard Grzimek prägte
in den 70er Jahren den Begriff KZ-Hühner. Prominente KZ-Überlebende
stimmten ihm zu: eine treffende Bezeichnung. Auch der Zentralrat der Juden hatte
nichts dagegen. Die einzigen die protestierten, waren die Geflügelbarone,
die Käfigbetreiber. Die zogen vor Gericht; doch sie verloren.
In den 80er Jahren fanden langsam Bodenhaltungseier in die Lebensmittelmärkte.
Bodenhaltungsbetriebe (Bodenhaltung ist reine Stallhaltung ohne Auslauf) waren
großteils von Tierschutzseite initiiert, spielten aber mengenmäßig
eine geringe Rolle. Im Ausland entstanden zögernd auch einige Freilandhaltungen,
größere mit Hennenzahlen über 1000; in der Schweiz organisierte
die KAG, die 1972 gegründeteKonsumenten-Arbeits-Gruppe für tier-
und umweltfreundliche Nutztierhaltung vorbildlich kleine Freilandhaltungen
für den Markt.
Nur in Österreich tat sich bezüglich Freilandhaltung mehr oder weniger
nichts, von wenigen Bauern abgesehen, die nach alter Tradition aus Kleinherden,
meist nicht über 100 Tiere, Eier ab Hof verkauften
.
Die offizielle Meinung in Handel und Bauernkammer und bei den Käfigei-Produzenten:
Freilandei? Eine weltfremde Utopie, das rentiert sich nie.
Auch wir Tierschutz-Aktivisten in Graz setzten daher zuerst auf Bodenhaltung.
Das Landwirtschaftsministerium hatte einem Großproduzenten einen Bodenhaltungsstall
subventioniert. Unsere jungen Mitarbeiterinnen heulten, wenn sie dort hineinschauten,
so traurig schaute es drinnen aus. Es ist ja tatsächlich zum Weinen: 12
Hennen in einem Neubau-WC üblicher Größe, oder sogar 40 wenn
man Regale einbaut; in einem Zimmer 4 mal 4 m 112 Hennen, mit eingebauten Etagen über
400; oder üblicher, in einer niedrigen Halle von 30 mal 15 m über 3.000
oder mit Etagen (Voliere) über 12.000, alles ohne jeglichen Auslauf (Zahlen
nach heute erlaubten Grenzwerten).
Dazu eine Bemerkung:
Es ist leider so, dass die Eier-Produktion unter den heutigen Produktionsbedingungen
den sofortigen Tod der männlichen Küken bedeutet; sie werden wenige
Tage nach dem Schlüpfen umgebracht. Auch die weiblichen Hühner leben
nicht lang, sie müssen ca 11 bis 15 Monate als sogenannte Legehennen es
sind auf höchste Legeleistung gezüchtete Hybridrassen Eier legen,
unermüdlich Eier legen, mehr als 300 im Jahr. Dann sind sie unrentabel das
Futter kostet mehr als das Ei Geld bringt. Sie werden in Kisten gestopft, meist
händisch im Akkord, in Großbetrieben auch schon mittels einer Art
Staubsauger, d.h. Hühnersauger. Man kann sich vorstellen, dass da Verletzungen
häufig sind. Nach qualvollem Transport Schlachtung. Die Kadaver kommen teils
noch als Suppenhühner in die Geschäfte, teils werden sie zur Tierfutter
verarbeitet.
Das alles ist ziemlich allgemein bekannt, ändert aber nicht, dass mehr als
99 % der Bevölkerung bislang auf Eier nicht verzichten will. Der Einsatz
für vegan-vegetarische Lebensweise, für Eiverzicht ist wertvoll, doch:
Gesetzt den Fall einer sagt: Ich vergase keine Juden und auch sonst niemanden.
Ich vergase niemanden!
Reicht das?
Der Ausspruch ist ethisch und politisch korrekt, nur haben Sie nicht auch das
Gefühl, da fehlt etwas? Ich esse keine Eier; ist das genug? Der Verzicht
Einzelner (es sind in England nach 67 Jahren Vegane Gesellschaft fünf Promille
der Bevölkerung, bei uns 2 Promille), so wichtig er ist, er ändert
das Los der großen Masse der Legehennen nicht, wenigstens nicht in absehbarer
Zeit.
Natürlich überlegten auch wir, sollen wir unsere Kräfte auf Eiverzicht
konzentrieren? Doch wir verwarfen das. Es ging nicht darum, mühsam eine
kleine Elitegruppe zu sammeln, die Hühner brauchten Hilfe.
Da wird natürlich die Frage bedeutsam, welches Leben bieten wir den Legehennen
während ihres kurzen Erdendaseins, wenn wir schon ihr tragisches Ende nicht
verhindern können.
1986 lief die Subvention für den Bodenhaltungsstall aus und der Produzent
schloss ihn als unrentabel. Da sagten wir, versuchen wir es doch mit der Freilandhaltung.
Sich für eine Haltungsform, die zum Weinen ist, einzusetzen, wäre doch
nicht das Richtige.
Unsere Modellvorstellung war mehr oder minder von der Schweizer KAG abgeschaut
und wissenschaftlichem Rat folgend tierschutzmäßig hochwertige
Hennenhaltung bloß als Zubrot für den Landwirt, je Bauer zwei bis
vier Kleinherden von je knapp 100 Hühnern so viele Artgenossinnen
kann sich eine Henne ungefähr merken; das hilft interne Kämpfe vermeiden.
Auch ist in dieser Größenordnung noch echte Weidehaltung möglich
und auch das unvermeidliche Ende lässt sich weniger quälerisch gestalten.
Damals pflegten die Bauernfunktionäre zu jammern, wir haben nur die Urproduktion;
die trägt nichts ein. An der Veredelung verdienen die anderen.
Darauf fußend schwebte uns vor: Der Tierschutz, in diesem Fall der Aktive
Tierschutz Steiermark, ein Verein mit einer auflagenstarken Monatsschrift sein
Obmann Heribert Oster begeisterte sich für das Projekt macht Konsumentenwerbung,
die Landwirtschaftskammer organisiert Produktion und Vertrieb.
Blauäugig dachten wir, die Kammerleute würden freudig zugreifen; endlich
könnten die Bauern selbst veredeln und daran verdienen. Das war falsch gedacht,
es gab in der Kammer wohl einige Sympathisanten. Doch die Maßgeblichen
lehnten ab, die Abwehrhaltung der der Käfigproduzenten war zu groß.
Unser Versuch, den zuständigen Landesrat zu gewinnen, im Rahmen einer der
vielen Landwirtschaftsschulen einen kleinen Lehr- und Musterstall einzurichten zur
Orientierung, wir wollten die Bauern nicht ins kalte Wasser springen lassen schlug
fehl. Auch risikofreudige Landwirte fanden wir vorerst nicht. Da kam uns die
Katastrophe von Tschernobyl zu Hilfe. Plötzlich stand doch ein kleiner Bauer
da und bat um Hilfe, aus Strahlenangst wollte niemand seine Freilandeier kaufen.
Gemeinsam beschlossen wir nach einer kurzen Wartefrist zu testen: Wie reagieren
die städtischen Konsumenten. Ein Lebensmittelmarkt, ein Zwei-Kassen-Betrieb
dessen Kunde ich war, erklärte sich bereit mitzumachen und im Herbst 1986 vor
25 Jahren gab es die ersten Freilandpackungen im Regal; eher dilettantisch
mit Von Hühnern, die die Sonne sehen dürfen bedruckt. Und
siehe ohne besondere Werbung erzielte das doch erheblich teurere Ei einen Marktanteil
von 15 bis 20 Prozent.
Das gab uns Mut, es in etwas größerem Rahmen zu beginnen, mangels
Unterstützung der Bauernkammer alles mit eigener Kraft. Wir konnten gegen
Sperrfeuer der Bauernkammer - Bauern gewinnen und wesentlicher Baustein dank
des Engagements des Aktiven Tierschutzes Stmk auch zwei Lebensmittelketten, Julius
Meinl und Konsum.
Allerdings, die ganze Organisation, die Infrastruktur mussten die Tierschutzaktivisten
bewältigen, mit der bald zu diesem Zweck gegründete Gesellschaft
für humane Nutztierhaltung. Es war viel und harte Arbeit.
Auch die Kontrolle, unverzichtbarer Bestandteil, fiel dem Tierschutz zu. Von
wenigen Ausnahmen abgesehen, beteiligten sich Bauern nicht aus Tierliebe sondern
verständlich um Geld zu verdienen, lieber mehr als weniger. Eine Methode,
etwas mehr zu verdienen: Mehr Hühner in den Stall als erlaubt. Eine wissenschaftliche
Untersuchung in Schweizer Bodenhaltungen ergab bei einer zulässigen Bestandsdichte
von 7 Hennen je m2 (bei uns waren nur 5 erlaubt) 8,2. Kein Witz: Kommt der Kontrollor
auf den Hof: Sie haben frisch eingestallt? Wie viele denn? Brav sagt die Großmutter 500,
so viele durfte sie. Ruft ihr Enkerl, der fünfjährige Franzi dazwischen:
Na, Omi, 600 warens.
Ebenfalls 1987 begann in Wien eine Gruppe, die von Veterinärmedizin-Studenten
gegründete KT Kritische Tiermedizin mit einem Freilandeier-Projekt.
Anders als wir, aber gleich der KAG ließen sie nur Greisler und Bioläden
beliefern, da sie diese gegen die immer größer werdenden Handelsketten
schützen wollten.
Wir dagegen meinten Greislersterben hin oder her wir müssen
dorthin gehen wo das Gros der Konsumenten einkauft, in die Lebensmittelmärkte.
Das erwies sich als der richtige Weg. Unser Projekt die Freilandeier kamen
unter der Bezeichnung Das Freilandei NATURlich von der Sonnenwiese in
die Regale, war erfolgreich. Bald begannen andere es zu kopieren, selbst die
Bauernkammer.
Ein Ziel blieb mangels Kammerunterstützung unerreicht, die Selbständigkeit
der meist kleinbäuerlichen Hennenhalter zu wahren und sie zu einer schlagkräftigen
Genossenschaft zu vereinigen. Aus deren Kreis trat der Sehr-Großbauer Anton
Hubmann hervor und schwang sich mit viel unternehmerischem Geschick mit der Eigenmarke Toni`s
Freilandeier zum führenden Großhändler empor. Die Kleinen
wurden zu Zulieferern degradiert
Damit war allerdings das ursprüngliche Konzept, tatsächliche artgerechte
Weidehaltung für alle Hühner in Kleingruppen, nicht mehr zu halten.
Der Großhändler fand Tierschutzvereine, die es billiger gaben und
der Erhöhung der Hennenzahl je m2 zustimmten; Hühnerhaltung wurde teils
zum bäuerlichen Haupterwerb mit Beständen von 2000, 3000 und mehr.
Bei solchen Größen kommt, wenn auch manch Positives eingeführt
wurde, häufig nur mehr ein Teil der Hühner ins Freie und die Tötung
wird problematischer.
Verwirrt wurden Konsumenten auch, weil einige Tierschutzvereine weiter für
die fragwürdige Bodenhaltung warben und ein großer seine etwas bessere
Bodenhaltung seiner Freilandhaltung gleichsetzte.
Schließlich wollten die großen Batteriehalter den Verlust von Marktanteilen
nicht hinnehmen und erreichten bei der EU die Legitimierung quasi-industrieller
Produktion, eine EU-Regel, die das Wort Freiland zur Farce machte.
Diesfalls dank Hubmann konnte in Österreich für einen Teil der Freilandeier
zwar nicht der von uns angestrebte Tierschutzstandard gehalten werden, aber doch
ein relativ hoher. Das Kontrollsiegel TiERSCHUTZGEPRÜFT garantiert es.
Darum:
Ei ? Besser keins, doch wenn schon eins
dann das Freilandei
doch nur Bio und mit dem Siegel TIERSCHUTZGEPRÜFT
Erwin Lauppert
Seite 16 - 17:
In den Fängen von Polizei und Justiz
Zum neuen Buch von DDr.Balluch: Tierschützer. Staatsfeind
Ältere erinnern sich vielleicht noch an die Karl-Schranz-Affäre. Der,
mehrfacher Ski-Weltmeister wurde 1972 von der Olympiade in Japan ausgeschlossen;
er hätte das damals noch geltende Amateur-Statut verletzt. Der ORF-Chef
entfachte darauf unterstützt von Chefredakteuren einiger Zeitungen eine
beispiellose Propaganda-Kampagne gegen das Internationale Olympische Komitee.
Hunderttausend Menschen umjubelten Schranz bei seiner Rückkehr. Geholfen hat es nichts außer: dem österreichischen Vertreter im IOC wurden die Fenster eingeschlagen, sein Sohn in der Schule verprügelt. Tragen der ORF-Generalintendant und die Chefre-dakteure dafür die Verantwortung? Ist, wer Missstände aufzeigt, tatsächliche oder vermeintliche, für alle möglichen Folgen verantwortlich?
Kein Mensch lässt absolut vermissen / so meinen Denker, das Gewissen / Nur
gibts enorme Differenzen / bezüglich der Erregungsgrenzen dichtete
einer vor hundert Jahren. Bei den meisten ist es robust gebaut, ob in der breiten
Masse oder bei den Politikern. Ich entsinne mich noch der völligen Gleichgültigkeit
unserer Regie-rung und auch großer Zeitungen, als Mitte der 90er Jahre
der für das damalige Irak-Embargo zuständige stellvertretende UNO-Generalsekretär
und der UNICEF-Beauftragte dazu, mit der Begründung zurücktraten, das
Embargo Österreich war ja auch dafür nichts gebracht,
als den Tod einer halben Million Kinder. Dabei sind 500.000 Kinder ja nicht gar
so wenig. Vor einigen Jahren berichtete eine große Zeitung, 40 Tonnen Bomben
seien von westlichen Verbänden über einem Stadtteil Bagdads abgeworfen
worden. Meine Bitte, uns doch auch zu informieren, wie viele Kinder dabei draufgegangen
sind, blieb ohne Gehör.
Doch nicht jeder hat so eine dicke Haut; manch Heißblütiger empört
sich spontan, ein anderer wehrt dem Unrecht mit Bedacht, Georg Elser zum Beispiel.
Es wird nie zu verhindern sein, dass Kinder und Jugendliche mit gesetzwidrigen
Mitteln gegen Tierquälerei protestieren. Sind deshalb alle, die Tierquälerei
aufzeigen, strafbar? Den ORF-Intendanten und seine Chefredakteure hat die Staatsanwalt-schaft
jedenfalls nicht belangt.
Vor etwa zwei Jahren haben in Deutsch-land ein paar Pensionisten aus besserem
Haus ihren Finanzberater, der sie um ihr Vermögen gebracht hat gekidnappt.
Sie wurden später verurteilt. Interessant waren dazu die Leserkommentare
in den Zeitungen. In der Bild-Zeitung zeigten fast alle mit den verbrecherischen
Kidnappern Sympathie, in der konservativen FAZ etwa die Hälfte. Ist, wer
Sympathie zeigt, mitschuldig?
Die anima hat sich notgedrungen in den letzten Jahren immer wieder mit Polizei,
Justiz und Strafrecht (§278a) und ihren Mängeln befasst, zuletzt in
der Herbstnummer (Richter scheuchen?), und auch ihre Bedenken gegen die eine
oder andere Vorgangsweise von Tierrechtlern depo-niert, so dass wir unsere Leser
gern mit weiterem verschonen wollten.
Ganz können wir es nicht, denn jetzt hat Martin Balluch, der Hauptangeklagte
im Tierschutzprozess, seine Erlebnisse zu Papier gebracht, ein Buch, wert gelesen
zu werden.
In der vorigen Nummer berichteten wir über eine Prozessaufarbeitung aus
der zweiten im Tierschutzprozess angeklagten Organisation, der BAT: § 278a:
Gemeint sind wir alle.
Balluchs Werk trägt den Titel Tierschützer. Staatsfeind In
den Fängen von Polizei und Justiz. Ein sehr persönliches Dokument.
Es gibt nicht nur eine Chronologie der äußeren Ereignisse von der
Polizeiaktion am 21.Mai 2008 bis zum erstinstanzlichen Freispruch. Balluch schildert
lebendig das eigene Erleben, erzählt, wie der nüchterne juristische
Sachverhalt, die Amtshandlungen von Polizei und Justiz und ihren Leuten, auf
den Betroffenen, das Opfer, wirkt. Welche Auswirkungen sie auf Seele und Körper
haben. Hinter den nüchternen Paragraphen erscheint der Mensch.
Liest man die gesetzlichen Bestimmungen über die Untersuchungshaft und vergleicht
sie mit dem Erlebnisbericht des Autors, fällt eine bemerkenswerte Diskrepanz
auf. Fast als wäre man auf einem anderen Stern.
Ein kleines Zitat: Ich war seit vielen Wo-chen keinen Schritt mehr im Freien.
Auf der Krankenstation des Gefängnisses ...ist kein Hofgang vorgesehen ...Ich
muss an Rosa Luxemburg und ihren Bericht aus der Gefängniszelle denken.
Tauben. Die einzigen freien Wesen, zu denen ich laufend Kontakt habe. Gerade
sitzen sie wieder oben auf meinem Fenstergitter und gurren. Mein Gitter sei deshalb
so engmaschig (... gerade ein Orangenkern passt noch durch ...), weil die Insassen
sonst mit den Tauben Freundschaft schließen und sie füttern würden,
und das würde die Zellen verdrecken. ..... Der letzte direkte Kontakt zu
freien Wesen ist so gekappt ....
Es gibt in den Gefängnissen zweifellos zwingende Notwendigkeiten, die den
Gefangenen das Leben schwer machen. Immerhin werden die Haftanstalten vorwiegend
von rauen Gesellen bevölkert. Doch muss den Häftlingen namentlich den
Un-tersuchungshäftlingen für die gilt ja die Unschuldsvermutung das
Leben darüber hinaus schwer gemacht werden? Oder ist es heimliches Ziel
der Justiz, Gefangene zu schikanieren, damit sie geständnis-freudig werden,
so eine Art Ersatzfolter; die echte wurde ja leider schon im 18. Jahrhundert
abgeschafft?
Das Gesetz sag mindestens, die Praxis macht daraus höchstens und gibt, die
Norm lässt meist Ausnahmen zu den Gefangenen noch weniger als das
rechtlich Mindeste. Ein Beispiel: Nichtraucher sind von Rauchern getrennt zu
verwahren, allerdings nur nach Möglichkeit. Prompt findet sich
Balluch mit einem Kettenraucher zusammen. Gab es in der Haftanstalt wirklich
keine andere Möglichkeit?
Das Gesetz ist eines die Menschen, die es anwenden, ein anderes. Es gibt
Bequemlichkeit, Überheblichkeit, Hass ...
Die Strafgefangenen sind mit Ruhe, Ernst und Festigkeit, gerecht sowie unter
Ach-tung ihres Ehrgefühls und der Menschen-würde zu behandeln. Sie
sind mit Sie und, wenn ein einzelner Strafgefangener mit seinem Familiennamen
angesprochen wird, mit Herr oder Frau und mit die-sem
Namen anzureden. So das Gesetz. Glaubt man Balluch, hat sich das noch nicht so
richtig herumgesprochen.
Außer der eingehenden Darstellung von Verhaftung und Untersuchungshaft
enthält das Buch noch ausführliche Schilderungen über den Prozessverlauf.
Einzelne Passagen könnten da eher ermüden, andere sind wieder besonders
aufschlussreich. Etwa die konsequente Verfolgung einer Verwaltungsrichterin,
die einmal Jagdsaboteure mangels an Beweisen freigesprochen hatte; die Argumentation,
Schweine freilassen sei Tierquälerei; die Groteske um den Schriftsachverständigen
... . Belebt wird das Ganze durch eingeschobene eingehende Berichte über
Tier-recherchen, Aktionen des zivilen Ungehorsams etc. aus der Vorhaftzeit.
Harte und ernste Worte findet Balluch im Nachwort gegen die Übung, Terroranschläge
zum Vorwand immer stärkerer Aushöhlung der bürgerlichen Freiheiten
zu nehmen, und gegen die sanktionslose Gesetzesmissachtung durch Polizeiorgane.
Er listet die erfolglosen Anzeigen gegen Polizei und Staatsanwaltschaft
auf. Das Buch endet mit einer Reihe von Re-formvorschlägen für die
Justiz und auch für die Haft; manche würden fast nichts kosten.
Ihren Zweck erfüllt hätte die Arbeit, wenn sie tatsächlich Anstoß für
Reformen gäbe.
Eine Anmerkung sei noch gestattet. Nicht nur Polizeigewalt schränkt Freiheit
ein, auch exzessive Ausnützung bürgerlicher Freiheiten und Akte zivilen
Ungehorsams können als Belastung empfunden werden und zu Gegenmaßnahmen
führen, nicht nur gegen Einzelne, auch allgemein.
E.L.
Seiten 18 - 19:
Bücher
Helmut F. Kaplan
Leichenschmaus Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung
Verlag Books on Demand 2011, Preis 15,90 (D), 268 Seiten, TB brosch., ca.19 x
12 cm, 13-978-3844872644
Ergänzte Neuauflage des 1993 erstmals erschienenen, inzwischen ins Französische
und Japanische übersetzten Werkes. Es gilt als eines der wichtigsten Tierrechtsbücher.
Eine unfassende Darstellung der ethischen Gründe für den Fleischverzicht.
Martin Balluch
Tierschützer. Staatsfeind
In den Fängen von Polizei und Justiz
Promedia Verlag Wien 2011, Preis 15,90 ¤, 271 Seiten, brosch., ca. 21
x 14,5 cm, ISBN 13-978-3853713310
Siehe die vorhergehenden Seiten 16 und 17
Birgit Klaus
Tier zuliebe Vegetarisch leben eine Kostprobe, Diederichs Verlag
München 2011, 192 Seiten, 21,4 x 13,2 cm 14,99 ¤(D), 15,50 ¤(A)
Ja, die Serie: langjährige Fleischesser wagen das vegetarische Experiment
und erzählen, wie es ihnen dabei geht, ist nicht zu Ende. Ein paar Monate,
nachdem Karen Duve auf den Vegetarier-Trip gegangen ist, versuchte es auch unsere
Autorin und blieb dabei. Birgit Klaus ist Fernseh-Moderatorin (Planet Wissen
WDR/SWR). Vier Jahrzehnte dem Fleisch zu getan, wagte sie den Sprung, vorerst
der Umwelt und dann immer mehr den Tieren zuliebe. Während Duve vorübergehend
auch in die vegane Welt eintauchte, ging es Klaus sachter an und bleibt vorerst
im Lakto/Ovo-Bereich. Jene schürft mehr in die Tiefe, diese interviewt nach
Moderatorenart zu Sachthemen gern Fachleute.
Ihr Hauptthema, das sie in leichtem journalistischen Stil behandelt, sind die
Probleme, die eine moderne voll im Berufsleben stehende Frau im sozialen Kontakt
mit einer Welt von Fleischessern meistern muss. Menschen, die lange in einem
vegetarischen Umfeld leben, vergessen gern, dass das nicht so einfach ist. Daran
erinnert zu werden, tut gut. Das erleichtert uns den Umgang mit Menschen, denen
wir die vegetarische Lebensweise nahe bringen wollen.
Einen Aspekt der Abkehr von Fleisch hebt die Autorin noch hervor: Die vegetarische
Lebensweise hat nicht nur ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden gut getan,
der konsequente Verzicht auf Fleisch und damit die Auseinandersetzung, was wirklich
wichtig ist im
Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen brachte für mich eine Abkehr vom ewigen haben und nicht loslassen wollen von der Gier, die uns alle antreibt.
Leben, hat auch ihre Lebenseinsstellung verändert. Weniger ist mehr die
neue Lebensdevise. Nicht nur ein Teil, mein ganzes Leben sieht anders aus.
Ich bin bewusster mit mir und anderen.
Michael Pollan
Das Omnivoren-Dilemma Wie sich die Industrie der Lebensmittel bemächtigte
und warum Essen so kompliziert wurde
Goldmann Arkana-Verlag München 2011
(amerikanische Originalausgabe 2006 The Omnivores Dilemma),
Preis 14,99 ¤(D), 607 Seiten, brosch., ca.20,5 x 13,5 cm
Woher kommt das Essen auf unserem Tisch? Bücher, die das ergründen
wollen, sind in. Safran Foer, Tiere essen, und Karen Duve, Anständig
essen haben wir bereits im Herbst 2010 und im Frühjahr vorgestellt. Pollan
war früher dran, seine Arbeit ist in Amerika schon 2006/7 erschienen, bis
ins deutsche Sprachgebiet brauchte es dann eine Weile. Foer und Duve widmen sich
vor allem der Vegetaris-mus-Frage. Pollan legt die Sache breiter an. Bei ihm
spielt die Fleischerzeugung zwar auch die Hauptrolle, doch bringt er ein umfassenderes
Bild der (amerikanischen) Nahrungsproduktion, auf über 600 Seiten. Eine
etwas gestrafftere Darstellung hätte es den Lesern leichter gemacht, wenngleich
der Autor meist durchaus spannend zu schreiben versteht.
Einleitend setzt sich Pollan mit den Essge-wohnheiten seiner Landsleute auseinander.
Es bräuchte nur ein Gesetz, dass die Blechwände aller CAFOs (Rinderpferche)
und die Betonwände der Schlachthäuser durch Glaswände ersetzt
werden müssen. S 467
Er gliedert sein Werk dann in drei Hauptkapitel. Die industrielle Nahrungsproduktion
auf dem Wege von der Maispflanze bis zum Steak bzw. ins Fastfood-Restaurant.
Dem gegenüber gestellt die alte oder auch neue mehr oder minder biologische Nahrungsgewinnung.
Und schließlich als dritten Teil das Experiment, alles was zu einer Mahlzeit
auf den Tisch kommt, mit eigener Hand zu gewinnen, selbst zu schlachten, zu jagen,
zu sammeln. Er anerkennt zwar den moralischen Wert fleischfreien Essens, findet
sich aber Gründe, es nicht zu tun.
Wenn ich etwas übers Jagen und Fleischessen gelernt habe, dann dies,
dass
es noch schmutziger ist als der Moralist denkt. S 508
Pollan hält auf seiner Reise durch die US-Nahrungswelt an zahlreichen Stationen
und gibt jeweils, das ist die Stärke des Buches, interessante Einblicke
in die Entstehung unseres Essens. Um nur ewas herauszugreifen:
Bio auf Abwegen Die Anpassung der Bio-Richtlinien an die Erfordernisse
der industriellen Massenproduktion. Ein paar tausend Milchkühe in überdachten
Pferchen in der Wüste: Haben Sie sich Bio so vorgestellt? Schikanierung
Kleiner durch für Großbetriebe gedachte Vorschriften ...
Michael Pollan
64 Gundregeln ESSEN
Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte
Goldmann Verlag München 2011 (Originalausgabe Food Rules USA
2009), Preis 7,99 ¤(D),TB 160 Seiten, 18 x 12,4 cm
Essen Sie Lebens-Mittel. Nicht zu viel.
Und vorwiegend Pflanzen.
Das ist die Quintessenz seiner Ernährungs-ratschläge. Wenn Pollan die
Großmutter (siehe den Untertitel seines Büchleins) ins Spiel bringt,
dann meint er eher nicht die Wiener Küche aus Großmutters
oder besser Urgroßmutters Zeiten. Seine Ernährungstipps erinnern stark
an das, was der Pionier moderner Vollwerternährung Bircher-Benner schon
vor mehr als hundert Jahren predigte und später Kollath und Bruker ausbauten.
Pollan ist kein Vegetarier, auch wenn er bemerkt: Vegetarier sind auffallend
gesünder und leben länger. Doch er plädiert den Fleischkonsum
stark zu reduzieren.
Er schreibt leicht fasslich, bringt Merksätze mit kurzer Begründung
und abseits von allem chemischen Firlefanz, der den Leser überfordert. Er
hat das amerikanische Publikum, seine Verhältnisse und Ernährungsgewohnheiten
vor Augen, seine Ratschläge sind aber nicht minder uns von Nutzen.
Alexander Nabben
Tofu vegan
Köstlich kochen und backen mit Tofu
pala-verlag, Darmstadt, 2011, Preis 14 ¤(D), 180 Seiten, Hardcover, 21
x 14 cm,
ISBN: 978-3-89566-283-6
Tofu hergestellt aus Sojabohnen - ist in der ostasiatischen Küche
schon über 2000 Jahre fest verankert. Nun ist er auch in unseren Breiten
immer beliebter, zumal seine unvergleichliche Vielseitigkeit unschlagbar ist.
Alexander Nabben führt uns mit seinem Kochbuch mit über 200 veganen
Rezepten in die gesunde vielfältige Tofuküche ein. Ob würzig oder
süß Tofu kann jede Geschmackrichtung annehmen. Tofu ist die
ideale Bereicherung für eine gesunde, vollwertige Ernährung. Wertvolles
Eiweiß, wenig Fett und Kalorien, kein Cholesterin und Purin, wichtige Vitamine
und Mineralstoffe, leichte Verdaulichkeit und besonders die einfache Zubereitung
machen Tofu zu einem tollen Lebensmittel. Wir erfahren in diesem Buch auch Interessantes über
die Kulturgeschichte und den Anbau der Sojabohnen.
Im Kapitel Warenkunde lernen wir die unterschiedlichen Sorten von
Tofu kennen und erfahren, welche Palette an essfertigen Produkten es gibt, die
aus der Sojabohne hergestellt werden. Bevor es mit den Rezepten losgeht, gibt
es noch einige Tipps zu nützlichen Gerätschaften, Tricks und Nützliches
für die Sojaküche, und erfährt, wie man Sojamilch selbst herstellen
kann. Rezepte von Shakes wie Kiwi-Mandel-Shake, Mokka-Shake oder Haselnuss-Shake
verführen zum sofortigen Ausprobieren. Wollen Sie auch den Tofu selbst herstellen,
werden Sie selbstverständlich auch in dieses Geheimnis eingeweiht.
Aber dann geht es los: Mit Rohkost und Salate, Dressing, Saucen, Suppen, Hauptgerichte,
Aufläufe, Pasteten, Bratlinge, Aufstriche, Partysnacks, Kuchen und Gebäck,
Desserts und süße Leckereien und zu guter Letzt auch noch Eiscreme.
Durch die breite Palette von Rezepten wird dieses Kochbuch wohl jeder Geschmacksrichtung
gerecht und mit den Kochanleitungen finden sich sicher auch weniger routinierte
Köche und Köchinnen zurecht.
Büchereingang
Marsili Cronberg
Wie ich verlernte, Tiere zu essen Mit dem Comic "Happy without meat" von
Linguini, Echo Verlag Göttingen 2011, 12 ¤(D), Taschenbuch 144 Seiten
ca.21 x 13,5 cm
Rainer Zube
Eiweiß, Schardt Verlag 2011, 12,80 ¤, 263 S.
Neues aus dem pala-verlag:
Ulla Grall, Bohnen vom Garten in die Küche
Jutta Grewe
Vegetarisches aus Omas Küche
Lieblingsgerichte aus Kindertagen neu ent-deckt, 14 ¤(D), 180 Seiten
Irmela Erckenbrecht
American Veggie Vegetarische Streifzüge durch die USA 14 ¤,
200 Seiten
Seite 20:
Siehe Papierausgabe
Seite 21:
Notizen
Antibiotika in der Hähnchenmast
Eine im November veröffentlichte Studie aus Nordrhein-Westfalen zum Antibiotika-Verbrauch
in derHähnchenmast offenbart, schreibt der Pressedienst der deutschen
Grünen dass die Probleme in den Tierhaltungsanlagen noch erschütternder
sind als zunächst angenommen. Fast alle Tiere wurden mit antimikrobiellen
Substanzen behandelt (96,4 Prozent). 53 Prozent der Tiere wurden nur 1-2 Tage
mit Antibiotika behandelt. Das ist ein Verstoß gegen die Zulassungsbedingungen
von Antibiotika und ein klarer Hinweis darauf, dass die Mittel zur Wachstumsförderung
eingesetzt werden. Die Studie belegt, dass permanente Antibiotika-Gabe die Grundbedingung
in enger industrieller Tierhaltung ist.
Die Keksfirma Bahlsen-Leibniz schrieb uns auf Anfrage: Die Umstellung von Eiern
aus Käfighaltung auf Eier aus Bodenhaltung hat bei Bahlsen bereits vor einigen
Jahren begonnen und wurde für alle Produkte aus den inländischen Werken
in diesem Jahr abgeschlossen. Unsere Frage, warum nicht auf Freilandware umgestellt
wurde und ob Bahlsen-Leibniz auch vegane Produkte führt, blieb bisher unbeantwortet.
Die Fa. Granovita vertreibt ovo/lakto-vegetarische Feinkost, u.a. Vegetarische
Würstchen, alles in der Regel mit hohem Eiweißanteil. Die aufgedruckte
Nährwerttabelle unterscheidet nicht zwischen pflanzlichem und tierischem
Eiweiß. Für Konsumenten, die zwar nicht ganz auf Ei verzichten, doch
ihren Ei-Konsum einschränken wollen, ist der Hühnerei-Anteil von Interesse.
Die Fa. hat uns auf unsere Anfrage eine Antwort in Aussicht gestellt, doch fehle
ihr noch eine bestimmte Rückmeldung.
Lobbyistengesetz
In den Vornummern hatten wir darauf hinge-wiesen, dass die an sich vernünftige
Regelung des Lobbywesens im Ministerialentwurf des Gesetzes zu einem wahren Verwaltungsmonster
aufgebläht wurde. Im nach Abschluss des Begutachtungsverfahrens erstellten
Entwurf wurden die ärgsten Auswüchse ausgebügelt.
Frankreich Anschlag gegen Vegetarier
In Frankreich wurde der Vegetarismus in allen öffentlichen und privaten
Schulen durch eine staatliche Anordnung vom 2. Oktober 2011 verbannt. Alle Angebote
in Schulkantinen müssen nun tierische Produkte enthalten, und eine bestimmte
Mindestzahl für Mahlzeiten mit Fleisch und Fisch ist vorgeschrieben.
Normalerweise ist es Schülern nicht möglich, mittags zu Hause zu essen,
und das Mitbringen von Verpflegung in die Schulen ist nicht erlaubt. Damit werden
sechs Millionen Schulkinder nun zum Fleischverzehr gezwungen.
Nach einem im vergangenen Jahr vom französischen Parlament verabschiedeten
Gesetz sollen bald ähnliche Vorschriften für Kindergärten, Krankenhäuser,
Gefängnisse und Altersheime erlassen werden. Damit wird der Vegetarismus
für einen großen Teil der Bevölkerung praktisch verbannt.
Angeblich sollen diese Maßnahmen die Qualität der Schulverpflegung
verbessern. Die französischen Gesundheitsbehörden halten, im Gegensatz
zu den meisten Experten in der Welt, eine ausgewogene Ernährung ohne tierische
Produkte für unmöglich.
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anima Zeitschrift für Tierrechte, erscheint vierteljährlich,
Medieninhaber und Verwaltung: Österreichische. Vegetarier Union (ÖVU),
Herausgeber und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU (Leitung Erwin
Lauppert), alle 8045 Graz, Rossegg 41, Tel. 0316-463717 und 0720 349 056
(fairytel)
email: anima @vegetarier.at,
website: vegetarier.at und vegetarisch.org
ZVR-Zahl 90713 6740, DVR 0955 906.
Beiträge geben, soweit nicht ausdrücklich vermerkt, lediglich die Meinung
der Verfasser, nicht die der ÖVU wieder. Nachdruck nur mit schriftlicher
Zustimmung. Fotos, wenn nicht bezeichnet: ÖVU, Druck: Druckwerk 8020 Graz
Seite 22 -23:
SiehePapierausgabe
Seite 24:
Wie wird aus einer Mücke ein Elefant?
Zum Schluss noch ein Rätsel. Menschen, denen es Freude macht, Schwächere
zu töten, sind nicht allen sympathisch. Jäger z.B. mag nicht jeder,
teils seiner jagenden Hausgenossen, der Katzen und Hunde wegen, teils aus ethischem
Prinzip, und nennt ihn Lustmörder. Alles kein Rätsel.
Nehmen wir eine Dekontaminierungsspezialistin in einem Defäkalisationsinstitut.
Da kommt einer, verfolgt und filmt sie auf Schritt und Tritt und fühlt plötzlich
einen Klosettbesen im Gesicht. Auch kein Rätsel, die Reaktion der Dame,
die überhebliche von Standesdünkel Aufgeblasene e vielleicht als Putzfrau
abqualifizieren, ist vorhersehbar.
Gesetzt den Fall, da wird einer von Fleischeslust übermannt, ein weibliches
Wesen erbarmt sich seiner, nachdem sie ihn eine Weile warten ließ, und
gerade als die willige Helferin ... senkt jemand in heiligem Zorn einen gespannten
Regenschirm zwischen die beiden und die Schinkensemmel, das Objekt fleischlicher
Begierte fällt zu Boden. Natürlich, das ist ja klar, muss ehe die Schinkensemmel
entsteht, erst eine Schweinemutter in ein enges Gefängnis, den umstrittenen
Kastenstand gesperrt werden, lang sehr lang, dann muss eines ihrer Kinder umgebracht
werden (ein Lustmord?) usw. Die blauen Flecken des Schirmträgers dann draußen
vor dem Supermarkt sind auch vorhersehbar, also auch kein Rätsel.
Zugegeben, der Fall ist konstruiert. Nicht konstruiert ist, dass Tierschützer,
meist Jugendliche im Zorn, ob heilig oder nicht,manchmal Regenschirme vor schießbereite Jagdgewehre halten. Dass sie
dabei so wenige blaue Flecken davontragen, ist fast ein Rätsel; gelten
Jäger doch als rau.
Unlängst folgt ein Tierschützer nahe Graz einer Jagdgesellschaft
und filmt. Er telefoniert der Polizei, es würde verbotswidrig zu nahe
an Häusern gejagt; Tierschützer sind gern auf Wacht, weil bei Treibjagden
manchmal zahme Fasane ausgesetzt werden. Fast ein Rätsel: Weshalb schießt
wer auf zahmes Getier? Der Verfolger filmt die Jäger beim Jausnen, es
gibt nur etwas Wortgeplänkel, doch diesmal rufen die Jäger die Polizei,
vielleicht fürchten sie eine Regenschirmattacke. Als zwei Polizisten heranfahren,
stehen der Tierschützer und sein Begleiter abseits der Jäger auf
einem menschenleeren Gemeindeweg. Jetzt gehen die Aussagen auseinander. Die
Polizei sagt, der Filmer habe einen Polizisten, als der das Filmen unterbinden
wollte, geschlagen. Es ist natürlich denkmöglich, dass ein schmächtiger
Mann, in der einen Hand eine teure Kamera, mit der anderen auf einen kräftígen
Polizisten einschlägt. Urteilen Sie selbst. Jener behauptet, der Beamte
habe ihn von hinten zu Boden geschlagen und sich als er auf dem Asphalt lag,
eine halbe Stunde auf ihn gesetzt. Zum Schluss waren sechs Polizeiautos mit
rund zehn Beamten da. Und ein Rettungswagen; der Tierschützer blutete
und hatte eine Beule am Kopf.
So, jetzt sind wir endlich bei unserem Rätsel: Zwei Polizisten und zwei
Tierschützer begegnen einander in der Einschicht. Wie wird daraus eine
Haupt- und Staatsaktion?
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