Aus dem Inhalt Nr.3/2013
Erwin Lauppert
Das 80 : 20 Gesetz 3
Vegetarische Perfektion
Muh 6
Wie helfen wir den Kühen?
Vegetarische Restaurants:
Wien: St. Josef 8
Gibt uns unser tägliches Brot! 10
Zum Veggie Day
Vegetarische Informationen 11
Monika Halsegger-Hofer
Gesunde Ernährung
Oder: Der Wert des Getreides 12
Was Gutes zum Essen 14
Rezept
Bucher 15
Leitzmann / Keller, Vegetarische Ernährung Joy, Warum wir
Hunde lieben, Schweine essen
Keiht / Bonder, Ethisch essen mit
Fleisch Riether /Weiss (Hg.) Tier-Mensch-Ethik Darnstädt,
Der Richter und sein Opfer Ott/ Rhoner, Kühe verstehen Reinhard
Farkas (Hg.), Rosegger für uns Fabits, Tiere verstehen mit allen
Kochbücher: Tim Mälzer, Greenbox Müller-Jani, Köstliche
Kürbis-Küche
Peter Rosegger
Ein Ochs 19
Notizen, Impressum .21
Was lässt man uns wissen? 22
Pressefreiheit 22
Kurt Remele
Mein Lieblingstier heißt Schnitze 24
Der nachstehende Artikel ist nicht neu, man konnte ine vor zwölf Jahren
in der anima lesen und dann in der einen oder anderen Tierrechts- oder Vegetarierzeitung.
In manchen Punkten, namentlic was die staatitischen Vegetarierzahlen betrifft
und die Erhältlichkeit manch veganer Produkte ist er überholt. Warum
wir die Zeilen heute dennoch hervorholen? Einmal, um uns freudvoll vor Augen
zu führen, wie viel Fortschrtit es in den letzten zwölf Jahren gegeben
hat, zum anderen jedoch, weil sich an der Problemstellung im Grundsätzlichen
nichts geändert hat. Gerade die jüngsten Angriffe der deutschen Massenpresse
gegen den bescheidenen Vorschlag der dortigen Grünen, an einem Tag in öffentlichen
Kantinen fleischfrei zu kochen, zeigt un, wie weit der Weg zum Vegetarismus
noch ist.Unmittelbarer Anlass zum Textabdruck sind jedoch Klagen. die uns gehäuft
aus vegetarischen Kreisen erreichen über fanatische Veganer, die gemäßigte
Vegetarier quasi zu Aussätzigen stempeln.
Das scheint uns keine kluge Politik, eher geeignet Menschen den Vegetarismus überhaupt
zu verleiden, und auch sachlich kaum begründet. Denn vegan leben ist zwar
konsequentes Manifest gegen Tierausbeutung und hat zweifellos ähnlich der
erkämpften Gesetzesbestimmung Tiere sind keine Sachen psychologichen
Wert.
Doch bringt es leider, nüchtern betrachtet, solange die große Mehrheit
der Bevölkerung um vieles mehr an Fleisch isst, als den Rindern genommen
werden kann, nur gegenüber Eierverzehr ein Wenige an Tiertötungen,
nicht jedoch insgesamt gesehen gegenüber laktovegetarisch.
Das 80:20 - Gesetz
Vegetarische Perfektion?
Dem italienischen Wirtschaftswis-senschaftler Pareto war es vor hundert Jahren
beim Erdäpfel-ernten aufgefallen. Um 80 % der Kartoffeln aus der Erde zu
bringen brauchte es eine Stunde, um alle, also auch die restlichen 20 % herauszuklauben,
zwei oder vier.. Daraus wurde das sogenannte Pareto-Gesetz: 80:20. Mit anderen
Worten, Perfektion kostet unverhältnismäßig viel. Sind Zeit und
sonstige Mittel knapp, empfiehlt es sich also nachzudenken: Ist es sinnvoll,
auf Vollendung zu beharren oder reicht es auch ein bißchen schlampiger?
Entschiedene Vegetarier möchten nicht nur Fleisch meiden, auch Nebenprodukte
vom toten Tier wie Gelatine, Schweinefett etc. (und soferne sie der veganen Richtung
zugehören, auch vom lebenden Tier) sind ihnen zuwider, mag auch ihr Anteil
nur im Promillebereich liegen. Dem entsprechend werden wir immer wieder gefragt,
ob dieses oderjenes Produkt rein vegetarisch/vegan ist. Denn: kein Fleisch, das
ist relativ einfach. Doch darüber hinaus wird es schwierig und mühsam.
Und bedarf nahezu kriminalistischer Fähigkeiten. Es ist kaum zu glauben,
wie oft sich Geschlachtetes wenn auch häufig nur in Spuren, in manch unverfänglich
scheinendem Produkt verbirgt und ist es auch nur, daß beim Brotbacken Schweinefett
zum Blecheinreiben verwendet wird.
Wir von der ÖVU bemühen uns redlich, bei der Industrie nachzuforschen,
wenn auch mit eher mäßigem Erfolg. Das erste Hindernis: Manchen der
dort Verantwortlichen ist nicht ganz klar, was vegetarisch überhaupt bedeutet
(Anm. Der Wossensstand hat sich seither gehoben), Nun, dem läßt sich
abhelfen. Das zweite: sie wissen natürlich, woraus ihr Produkt hauptsächlich
besteht, doch woraus die Zutaten sind, ist ihnen häufig nicht geläufig.
Manche Ingredienzien lassen sich sowohl aus Tierischem als auch aus anderen Quellen
herstellen. Und kommen von weit her.... Bestätigungen namentlich aus fernen
Ländern sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Die Vertreterin
eines großen Konzerns klagte, daß es selbst für ihr marktmächtiges
Großunternehmen schwierig wenn nicht gar unmöglich sei, sicherzustellen,
daß das importierte Lanolin (Wollfett) von lebenden und nicht von toten
Tieren stamme. Von einer renommierten großen Schokoladewaren-Fabrik erhielten
wir unlängst die Nachricht, daß sie Vegetariern leider nicht dienen
könne. Alle ihre Produkte enthielten zumindest Gelatine. Ein anderes Schoko-Unternehmen
bestätigte uns dagegen die vegetarische Eignung seiner Produkte. Kommt das
wirklich ohne Gelatine aus?
Nun läßt sich einwenden, daß es ja Deklarationspflichten gibt,
sicher, nur muß nicht überall und alles deklariert werden, und vor
allem nicht, ob die Beigabe tierischen oder anderen Ursprungs ist. Nm. Einiges
hat sich seither gebessert. Und nachprüfen? (Anm. Gegenüber diesem
gekürzt wiedergegebenem Klagelied hat sich einiges gebessert. Eine Subkultur
für veganen Bedarf, Versandhandel und ein paar Spezialgeschäfte, hat
sich gebildet, doch im Normalhandel schaut es von einigen gut gekennzeichneten
Artikeln abgesehen immer noch schlecht aus).
Tatsache ist, daß Milliarden von Tieren umgebracht werden. Tatsache ist
daß sie nicht zur Gänze aufgegessen werden, umso weniger je mehr der
Wohlstand zunimmt. Wer nagt heute hierzulande noch Hühnerzehen ab, wer ißt
noch Rindertalg? Selbst mindere Fleischsorten sind wenig gefragt. Alles, was übrig
bleibt, will irgendwie verwertet werden, drängt auf den Markt, besticht
durch Billigkeit und wird verwendet, wer kennt das nicht von den Futtermittelskandalen.
Und wenn schon nicht als Nahrungsmittelzusatz für Mensch oder Tier oder
für die Kosmetikindustrie, dann vielleicht als Schmiermittel für die
Maschinen oder als Heizmaterial für Industrieöfen. Übrigens, ist
Brot, wenn der Backofen mit Tiermehl, sprich Leichenteilen geheizt wurde, noch
vegetarisch?
Hier taucht eine Frage auf: Warum ist jemand Vegetarier? Was wollen wir Vegetarier?
Einen in sich geschlossenen Kreis von Menschen, die beschlossen haben, am vegetarischen
Gedanken moralisch sich emporzuranken, wie es Christian Morgenstern so hübsch
formuliert hat; einen Kreis mit strikten Lebensregeln, der - von der Außenwelt
mehr oder weniger mild belächelt, wie es einst die der Lebensreform verschriebenen
Vegetarier hundert Jahre lang waren - in seiner Welt glücklich ist, sozusagen
eine Sekte, in der die Frage, ob Soja-Joghurt veget-arisch und welche politische
Meinung korrekt ist, hohen Stellenwert besitzt?
Oder als Esoteriker das triste Jammertal der Welt verlassen und befreit vom erdwärts
ziehenden Ballast tierischer Nahrung lichten himmlischen, nirwanischen Höhen
entgegenschweben? Oder, oder etc. etc.
Oder schlicht ein bißchen Tierquälerei mindern helfen?
Ist letzteres der Zweck der vegetarischen /veganen Übung, wäre zu bedenken:
Mit drei Fleischessern, die ihren Fleischkonsum halbieren, ist diesem Zweck mehr
gedient als mit einem Vegetarier. Mit zwei Menschen, die Lakto-Ovo-Vegetarier
werden, mehr als mit einem Veganer (Anm. und nit einem Lakto-Vegetarier (also
ohne ovo) fast oder gar genau so viel wie mit einem Veganer. Siehe Seite 6).
Seit gut eineinhalb Jahrhunderten wird für den Vegetarismus in der strengen
(vegan) und der milderen Form (lakto und/oder-ovo) geworben. Das Ergebnis ist
betrüblich. e Wenn es hoch kommt vielleicht 4 oder 5 Prozent der Bevölkerung,
(Anm. Die jüngste Meinungsufrage weist 9 % aus, was sich aber bisher in
der Schlachtstsitik bisher kaum widerspiegelt. Über 90 % ser Befölkerung
essen immer noch Fleisch und 99 % Tierisches).
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Ich bewundere Menschen,
die konsequent sind, die um ihrer Überzeugung willen Unbill und Mißgunst
auf sich nehmen. Ich bewundere Menschen, die sich dem Kampf gegen qualvolle Tierversuche
verschrieben haben und folgerichtig im Krankheitsfall die Einnahme tierversuchter
Arzneimittel der Pharmaindustrie, und das sind alle, verweigern. Ich bewundere
eine mir bekannte Dame, die die Zecken schont, die an ihrem Busen Gefallen finden,
und mit ihrem Blut nährt. Doch wie viele werden ihr folgen?
Es ist sicher wertvoll - und wir tun es als Vegetarierorganisation - immer wieder
den rein vegetarischen/veganen Charakter von Produkten zu hinterfragen. Es wäre
schön, wenn es alle Vegetarier täten. Und sie sollten sich nicht fürchten
als Spinner abgetan zu werden. Unsere ganze Wirtschaft lebt ja überspitzt
formuliert davon, daß es genug Spinner gibt, die hart arbeiten, um sich
Produkte kaufen zu können, die sie eigentlich gar nicht brauchen.
Dennoch, alles Hinterfragen wird nichts bringen außer ein bißchen
Bewußtseinsbildung, wenn es nicht viele tun. Ein paar Außenseiter
sind für unsere industrielle Wirtschaft uninteressant. Und mehr werden es
nur tun, wenn es viel mehr, wenn auch vorerst nur laxe Vegetaríer gibt.
Denn die Intensivierung des Vegetarismus ist ein Entwicklungsprozeß.
Es erhebt sich die Frage wenn uns der Tierschutz am Herzen liegt, sollten wir
die knappe Zeit und die beschränkten Mittel, die uns zur Verfügung
stehen, nicht besser dazu verwenden, Fleischesser zu überzeugen, weniger
oder gar kein Fleisch zu essen, als nachzuforschen - ähnlich einstiger Ahnenpaßzeiten
- ob das Soja-Joghurt wirklich eine veget-arische Großmutter hat? Und wäre
es nicht besser zu schauen, daß man es im Lebensmittelmarkt bekommt, und
nicht nur Milch-Joghurt? (Anm. Da hast sich erfreulicherweise einiges geändert,
aber nicht genug). Es ist verständlich: wer in einem total verschmutzten
Haus lebt, möchte sich wenigstens ein Kammerl rein und wohnlich einrichten.
Will er aber das ganze Haus wohnlich gestalten, bringt es wenig, im Zimmer 27
eine Fensterschnalle auf Hochglanz zu polieren. Da ist es besser zuerst den groben
Schutt anzugehen.
Wir können es auch von der anderen Seite betrachten. Fleischnebenprodukte
in den Waren, Tiermehl als Heizmaterial gibt es nur, weil so viel davon anfällt.
Und so viel fällt nur an, weil so viele Menschen Fleisch essen wollen.
Das (Tierschutz/rechts-) Problem ist das 200-Gramm-Schnitzel, nicht das eine
Gramm Gelatine oder das Backblechfett.
Mit Radikalforderungen - du darfst keine Schokolade essen, es könnte Gelatine
drinnen sein oder eine nicht koschere E-Nummern-Zutat - bekehren wir fürchte
ich nur wenige zum Vegetarismus.
Einst vor hundert Jahren in Galizien ließ sich ein Offizier vom Gemeindediener
am Sabbat die Synagoge zeigen. Zum Abschied sagte er: Ich würde Ihnen ja
gern ein Trinkgeld geben, aber Sie dürfen ja am Sabbat kein Geld annehmen.
Meinte der Synagogendiener: Gott der Gerechte wäre schön froh, täten
die Menschen am Sabbat nichts Schlimmeres als Trinkgeld nehmen.
Erwi n Lauppert
Muh
Liebe Leserinnen und Leser, Sie sehen hier idyllische Bilder, doch sie täuschen;
auch auf der Alm scheint nicht immer die Sonne und nur wenige Kommen dorthin. Übrigens,
streicheln Sie Kühe lieber nicht, manchen ist das zuwider. So eine Kuh,
hochgezüchtet aus menschlicher Fleischgier, bringt 6oo kg oder mehr in den
Ring; da sind Sie ausnahmsweise Zweiter.
Ansonsten sind die Menschen Sieger und Herrscher, manche gütig, viele unerbittlich,
legen ihre Sklaven in Ketten oder sperren sie lebenslang in sonnenlose Ställe.
Wir möchten Sie hier nicht wieder langweilen mit der Aufzählung all
dessen, was Milchkühen Schmerz oder Qual bringt. (Bei Interesse, rufen Sie
uns an). Wir möchten mit Ihnen besprechen, was sich verbessern lässt.
Nur etwas noch. Um Milch zu geben, muss eine Kuh ungefähr jährlich
ein Kind kriegen. Das ist weiter nicht schlimm, das tun alle Tiere, außer
man schneidet ihnen die einschlägigen Einrichtungen ab oder durch. Die speziellen
Probleme bei Kühen lassen wir heute auch beiseite; außer: Was geschieht
mit den Kälbern?. Die werden bekanntlich aufgegessen, je nach Geschmack
als kleine Kinder oder hochgemästet als Jugendliche. Es gibt gute Haltungsarten,
doch zumeist ... unser Rat:
Sollten Sie in einem anderen Leben wählen dürfen, als spanischer Kampfstier oder als österreichischer Mastsstier geboren zu werden, gehen Sie nach Spanien.
Also was tun? Z.B. Veganer werden. Tun das alle, gibt es keine Probleme mit
Nutztieren, weil es keine mehr gibt, weder auf der Alm noch im Stall. Das ist
heute Utopie. Bleiben wir realistisch. Verzichten 16 Menschen auf Milch, gibt
es eine Milchkuh weniger. Verdoppelt oder vervierfacht sich Sdie Zahl der Veganer
in absehbarer Zeit, dann sind es 2 % und das macht nach der österreichischen
Schlachtstatistik gerechnet 10.000 Kühe bzw. Kälber weniger. Was
ist mit den übrigen 500.000.?
Verzichten 16 Leute auf Fleisch, bedeutet das, wieder nach der Statistik sehr
grob gerechnet: Einem Rind, 10 Schweinen und 130 Hühnern und Puten bleibt
ein schmerzlicher Tod im Kindesalter nach häufig qualvollem Leben erspart,
das ist hochgerechnet auf jetzt 9 % Vegetarier schon mehr.
Ein Rind weniger ist allerdings falsch, die Milchkuh bliebe. Ihre Kinder und
dann sie würden gegessen, nicht vom zum Vegetarier Gewordenen, sondern
von den vielen nach Fleisch Lechzenden Nichtvegetariern, wie die das ja bisher
schon tun. Meidet Vegetarier dann auch auf die Milch, gibt es zwar die Milchkuh
nicht mehr, doch die Fleischesser weichen auf anderes Getier aus. Ist im Wirtshaus
der Rindsbraten aus, bestellt der Gast Schweinernes oder Hendl, aber kein Gemüselaibchen,
leider. D.h. die Leute würden statt ein Horntier drei Schweine oder viele
viele Hühner aufessen, um auf dieselbe Fleischmenge zu kommen. Paradox,
Verzicht auf Milch mehr getötete Tiere? Ein Dilemma.
Dass Milchbauern in größerem Maß auf Fleischrinder umstellen,
ist wegen mangelnder Rentabilität unwahrscheinlich. Nicht umsonst ist
in Österreich aus guten wirtschaftlichen Gründen Milch- und Fleischgewinnung
meist gekoppelt (Zweinutzungsrassen). Teureres Fleisch verliert schon seit
längerem gegen billiges Geflügelfleisch an Boden.
Statistik und praktische Erfahrung zeigen zudem: Es ist um vieles schwieriger,
jemanden zum strengen Veganismus zu bewegen als zum moderaten Laktovegetarismus.
Die Schlussfolgerung aus all dem, wenn wir Tiertötung und Quälerei
mindern wollen:
Bringen wir den Menschen vorerst einmal den Fleisch- und nicht gleich den Milchverzicht
nahe. Es gibt siebeneinhalb Millionen Fleischesser, bei denen wir es versuchen
können.
Was ist jetzt mit der Milch, wie helfen wirden Kühen, jetzt und sofort?.
Der Herrscher, , der König hieß es, ist streng und unerbittlich.
Ja wer ist denn der König. Das sind doch, wie man so sagt, die Konsumenten,
aso wir.. Nicht die Bauern, wir Käufer bestimmen wie es den Tieren geht.
Wie viel wollen wir für unsere Sklaven auslegen? Derzeit sagt die große
Mehrheit, nur knapp einen Euro für den Liter Milch, Für einen Liter
Bier zahlen wir fast das Doppelte. Glaubt jemand im Ernst, mit einem Euro lassen
sich Kühe tiergerecht halten?
Also, liebe Milch- und Käsekonsumenten, was tun? Es gibt in Supermärkten
neben der Normalmilch auch tierschutzmäßig Besseres, nicht um sehr
viel besser, doch spürbar, nämlich Bio-Milch, und noch besser Biomilch
von Weidekühen. (Weide ist für Biobauern nicht Pflicht, doch Rinder
sind nun einmal Weidetiere).
Also zumindest das kann jeder schon heute für
die Kühe tun, statt Normalmilch(produkte)
nur Biomilch(produkte) von Weidekühen kaufen.
(Und vielleicht etwas weniger Bier, dann geht es sich preislich aus).
Zeigen wir, dass wir milde Herrscher sind.
Oder wollen wir, die Könige,
dem Kollegen aus Uhlands Ballade nacheifern?
König Konsument?
...Dort saß ein stolzer König, ...,
Er saß auf seinem Throne so finster und so bleich;
Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut,
Und was er spricht, ist Geißel, und was er schreibt, ist Blut.
Bitte beachten: Bio heißt non nicht Weide, Weide heißt noch nicht
Bio. Die Kriterien Bio und Weide erfüllt unseres Wissens im Supermarkt
derzeit nur die Marke
Achtung: Weder hoher Preis, noch ein Bergbauer, noch eine grasende Kuh auf
der Packung und schöne Worte über Almkräuter garantieren Bio
von Weidekühen, ebenso wenig wie eine Kuh, die ihre Milch für die
beste auf der Welt hält.
Gesellschaft für humane Nutztierhaltung
Web: nutztierhaltung.org T. 0720-346 219
Sseite 8 und 9:
Wien: St. Josef
Vegetarisches, biologisches Selbstbedienungs-Restaurant
Zollergasse 26/ Ecke Mondscheingasse 10, 1070 Wien, Tel. 01/526 68 18
Ö ffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18.30, Samstag 8 bis 16 Uhr (Sonn-
und Feiertag geschlossen)
Vegetarisch, biologisch, gesund - Herz was willst du mehr?
Das St. Josef im 7. Bezirk, unweit der Mariahilferstraße, gibt es nun schon
rund 30 Jahre. Damals war Othmar Holzinger für viele noch ein Spinner, als
er sein vegetarisch, biologisches Lokal mit angeschlossenem Bioladen eröffnete.
Doch er war sich seiner Sache sicher! Seine Idee war, gutes, biologisches, vegetarisches
Essen anzubieten und den Leuten auch gleich die Möglichkeit zu bieten, ihren
Einkauf für Zuhause zu erledigen. Der Erfolg gab ihm Recht, denn das Gästeklientel
wuchs rasch und stetig.
Heute ist er über die Grenzen von Wien hinaus bekannt und verköstigt
jeden Tag ein paar hundert Leute. Leute, die an diesem Tag kein Schnitzel von
einem Tier essen. Das ist Holzinger wichtig. Denn 70 % seiner Gäste sind
keine absoluten Vegetarier. Selbst natürlich Vegetarier, sinniert er darüber,
dass schließlich jedes vegetarische Menü weniger geschlachtete Tiere
bedeutet und nebenbei auch noch gut fürs Klima, für die Gesundheit,
unsere Nachkommen .....ist.
Das Publikum im St. Josef ist bunt gemischt. Vor allem mittags, wenn es so richtig
rund geht, setzt man sich ganz ungezwungen und selbstverständlich mit Fremden
zusammen. Denn im Mittelpunkt steht ja das Essen. Was es heute oder morgen gibt,
ist stets eine Überraschung. Denn eine Speisekarte oder einen Menü-Wochenplan
gibt es nicht. Ebenso wenig eine Homepage. Holzinger und sein Team wollen ihre
ganze Zeit und Energie lieber in die Zubereitung von gutem Essen investieren.
Denn das ist es, wofür die Leute kommen.
Die Qual der Wahl
Mit einem Tablett gustiert man den Vitrinen, ganz im Kantinenstil entlang,
und
lässt sich von den Mitarbeitern die gewünschten Portionen anrichten.
Gerne geben diese auch über Zutaten, Geschmacksrichtungen, vegan oder vegetarisch
Auskunft. Nur am bunten Salatbuttet darf man selbst nach Lust und Laune zuschlagen.
Und das ist wirklich nicht zu verachten. Gebratene, butterweiche Melanzani neben
Fenchel-Karotten-Salat, Kürbissalat, Tomaten die nach Paradeisern schmecken
und. Da muss man wirklich aufpassen, dass man sich den Teller nicht zu voll lädt,
denn sonst ist man damit schon satt. Der Salat wird gewogen und kostet pro 10
dag ¤ 1,79.
Täglich gibt es zwei Menüs zur Auswahl. Am Tage unseres Besuches waren
es Gemüse-Reis, Mungbohnen und Curry-Gemüse oder ein Dinkelauflauf.
Für den kleinen Hunger gab es z. B. Samosa um ¤ 2,4o, Hirse-Topfen-Auflauf
um 3,80 und vegetarisches Kebap, das man auch vegan haben kann um ¤ 5,20.
Auch bei den Tagesmenüs gibt es immer eine vegane Variante. Gekennzeichnet
sind die Speisen nicht, man muss schon nachfragen. Holzinger erzählt, in
den letzten Jahren zu beobachten, dass jener Kundenstock, der auf rein vegane
Speisen wert legt, leicht ansteigt.
Im St. Josef schlägt nicht nur das Bio- und Vegetarierherz höher. Nein,
es ist wirklich auch ein lukullischer Genuss hier zu essen. Man schmeckt einfach,
dass auf die Qualität und Frische der Lebensmittel geachtet wird.
Naschkatzen aufgepasst
Aber auch wenn der Hunger einmal nicht vorrangig ist und man Lust auf einen
gesunden Drink hat, lohnt es sich im St. Josef vorbei zu kommen. Verschiedene
Lassis,
frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte, Holundersaft, Eistees oder
in der bevorstehenden kühleren Zeit verschiedene Chai- und Kaffeevariationen
sind allemal einen Abstecher wert. Wirft man dann noch einen Blick in die Kuchenvitrine,
wird es dennoch schwer, nur bei einem Getränk zu bleiben und eine Entscheidung
zu fällen, welche der süßen Köstlichkeiten man sich einverleibt.
Was gibt es noch über das St. Josef zu sagen? Es ist ein Nichtraucherlokal,
Rollstuhlgerecht, man kann das Essen auch mitnehmen, wenn man es mal eilig hat.
Und wenn man ein Catering will, muss der Chef dafür in Laune sein. Aber
das wird er wohl meist sein, nachdem er mit seiner Idee so erfolgreich ist. Ach
ja, noch etwas: Vertrauen wird im St. Josef groß geschrieben. Denn hat
man sich das Essen zusammengestellt, gibt es nicht, wie in anderen Selbstbedienungsrestaurants
meist üblich, eine Schleuse durch die man zu den Sitzplätzen kommt
und vorher bezahlt im St. Josef zählt man auf die Ehrlichkeit der
Gäste und überlässt ihnen, wann sie bezahlen. Und ohne Probleme
hat sich, wie der Chef meint, dieses System auch bewährt. Unsere Gäste
sind so fair, dass sie auch nachdem sie gegessen haben zur Kasse kommen und sagen,
was sie konsumiert haben.
Auch Frühstückstiger willkommen
Wer schon morgens hungrig ist und gerne auswärts frühstückt, der
kann sich schon ab 8 Uhr im St Josef laben. Es gibt keine fixe Frühstückskarte
oder Frühstückvariationen. Man sagt einfach, was man gerne hätte
oder sucht sich aus dem Angebot zusammen, was man haben will. Von der Reissuppe über
Tofu-Eierspeise bis hin zur Käseplatte, Müsli, Griesbrei, belegte Brote,
frische Früchten und Säften.
Im St. Josef gibt es nicht nur Gerichte aus aller Herren Länder, auch die
Mitarbeiter sind bunt aus der ganzen Welt zusammengewürfelt. Und auf dieses
internationale Team ist der Chef auch besonders stolz. Viele meiner Mitarbeiter
sind schon 20 Jahre bei mir. Jeder meiner Mitarbeiter interessiert sich wirklich
auch persönlich für Ernährung und so kommt es auch, dass bei mir
der Abwäscher besser kochen kann, als so mancher gelernte Koch anderswo.
Ich habe ein tolles Team, auf das ich stolz bin. Und das ist es wohl auch,
warum sich die Leute hier wohl fühlen. Sie spüren und schmecken, dass
hier ehrlich gekocht wird. Aus persönlicher Überzeugungen und nicht
nur um irgend einen Job zu machen.
Zum Schluss noch ein Appell des Hausherren an jene, denen die vegetarische, biologische
Küche wichtig ist. Sie sollten dort essen und einkaufen, wo man sich ausschließlich
diese Attribute auf die Fahnen heftet. Nur damit stärke man Unternehmen
dieser Art. An dieser Stelle sei auch noch auf den angeschlossenen Bioladen hingewiesen,
der wirklich gut sortiert ist. Frisches Obst und Gemüse, Brot, große
Käsetheke, Kosmetik, Kühlvitrine mit vielen veganen Würstel, Aufstriche,
Joghurt, großes Teesortiment, Schokoladen und köstliche Kuchen und
alles andere, was man so für den täglichen Bedarf braucht, ist hier
zu finden..
Ach ja, und da es immer mehr Menschen gibt, die im St. Josef essen wollen und
der Platz daher oft eng wird, wird man in Bälde auch im angrenzenden Mondscheinstüberl
Platz nehmen können.
Seite 10
Gib uns unser tägliches Brot!
Oder unser tägliches Fleisch?
Auf Seite 164 des im April beschlossenen Wahlprogramms der deutschen Grünen
für die heurige Bundestagswahl steht:
Unsere Konsumentscheidungen prägen die Welt. Das zeigt sich besonders beim
Thema Fleischkonsum. Pro Kopf und Jahr essen wir Deutsche rund 60 Kilo Fleisch.
Dieser hohe Fleischverbrauch birgt nicht nur gesundheitliche Risiken. Er erzwingt
auch eine Massentierhaltung, die auf Mensch, Tiere und Umwelt keine Rücksicht
nimmt. Deshalb fordern wir mehr Verbraucheraufklärung zu den gesundheitlichen,
sozialen und ökologischen Folgen des Fleischkonsums. Öffentliche Kantinen
sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen
Gerichten und ein Veggie Day sollen zum Standard werden. Wir wollen
ein Label für vegetarische und vegane Produkte.
Das war nicht neu. So hatte es die Partei schon ein paar Jahre zuvor festgelegt.
Unbeachtet schlief der Text im 320 Seiten dicken Wahlprogramm bis Anfang August,
Veggie Day, fleischloser Tag:
Empörung beim Boulevard
als ein Redakteur des Massenblattes Bild-Zeitung dringend einen die
Volkseele aufwühlenden Aufmacher suchte und abseits der Wahrheit titelte: Die
Grünen wollen uns das Fleisch verbieten. Da war dann der Teufel los.
Die CDU griff das Thema auf, vergaß, das namhafte Politiker ihrer Partei
selbst weniger Fleisch gepredigt hatten, und vor allem die FDP zog
aus, das Menschenrecht auf unentwegten Fleischgenuss zu schützen, Mein
Bauch gehört mir. In Internetforen tobte der Volkszorn, besonnene
Medienkommentare blieben in der Minderzahl. Bild berichtete eifrig: So
lacht
Deutschland über die Gaga-Idee der Grünen. Die Wahlen verliefen
nicht gut für die deutschen Grünen unsere grüne Frau Glawischnig,
selbst lange Jahre Vegetarierin gewesen, hatte sich rasch distanziert von der
deutschen Idee.
Ein Gutes hatte das Ganze. Das vor allem von Vegetarier-Organisationen und
Klimabesorgten
propagierte Veggie Day-Projekt ein fleischloser Tag in der Woche siechte
bisher mehr oder minder dahin. Jetzt kennt es wenigstens in Deutschland fast
jeder. Neuen Ideen geht es häufig so: Zuerst ein emotionaler Aufschrei: Das
darf es doch nicht geben, dann wenn sich die Gefühlswogen legen, ruhiges
Nachdenken und die Erkenntnis: Das ist ja eigentlich eine vernünftige Idee.
Seit Jahren fordern kompetente Wissenschaftler Minderung des Fleischkonsums,
aus gesundheitlichen, ökonomischen, ökologischen Gründen. Die
Viehwirtschaft ist in hohem Maße am Klimawandel mitbeteiligt. Es braucht
halt Zeit, bis wissenschaftliche Erkenntnisse Allgemeingut werden.
Nebenbei, ein fleischloser Tag ist nichts Neues (in der anima Nr.3/2010 haben
wir uns mit dem Thema ausführlicher befasst). Aus Armut gab es in vielen
Familien sechs fleischlose Tage in der Woche; Fleischabstinenz am Freitag war
bis vor einigen Jahrzehnten Christenpflicht, wenigstens im katholischen und orthodoxen
Bereich, allerdings teils pervertiert zum Fischkonsum. In Speisekarten vieler
unserer Restaurants und Kantinen wirkt das bis heute nach.
Lassen wir uns nicht entmutigen, schließlich wird Vernunft siegen.
Weiter voller Einsatz für den Veggie Day!
Seite 22:
Was lässt man uns wissen?
Warum geschieht in der Welt immer nur so viel wie in der Zeitung Platz hat, fragen manch Kinder. Älter geworden, erkennen sie, es wird selektiert. ZB eine stille Über-einkunft der Medien: Über Selbstmörder, die sich vor U-Bahnen werfen, wird nicht berichtet. Niemand soll zur Nachahmung animiert werden. Hilft das Menschen, die am Leben verzweifeln?
Hier in der Steier-mark herrscht mancherorts Unmut über die von den herrschenden Landespolitikern eher undemokratisch verordnete Gemeindezu-sammenlegungen. Ein Journalist, von Em-pörten umdrängt, rechtfertigte sich: Ich darf nicht darüber schreiben. Wer zieht da im Hintergrund die Fäden?
Pressefreiheit, meinte einmal ein Zyniker, ist die Freiheit von einhundert Mächtigen unter acht Milli-onen, zu schreiben was sie wollen.
Ende Juli brannte eine evangelische Kirche in Garbsen, einer Stadt nächst Hannover mit viel Migrationsvordergrund, wo Jugendbanden ihr Wesen treiben, Menschen sich fürchten und wo so einmal in der Woche irgend etwas brennt, ein Müllcontainer zum Beispiel und unlängst wieder ein Kinderwagen in einem Mehrparteienhaus. Das Interessante an diesem außergewöhnlichen Ereignis, Kirchen wurden hierzulande bisher nicht angezündet, war das eiserne Schweigen der überregionalen Presse. Erst nach Wochen, soweit dem Internet zu entnehmen, kleinere Artikel in der FAZ, dann in der WELT über die Brandstiftung, biedermännisch abwie-gelnd formuliert. Um Nachahmungstätern zu wehren? Immerhin wurde anfangs August im nahen Hameln ein Pfarrhaus angezündet, die Feuerwehr kam noch rechtzeitig. Oder wollte man das mancherorts gespannte Verhältnis zwischen Zuwanderern und Ein-geborenen nicht strapazieren? Kann man so tatsächlich die Probleme der Immigranten oder der Alteingesessenen lösen?
Manche meinen, im Gegenteil, dieses Zudecken verbreitetennden Unbehagens sei gefährlich, es könne zu Eruptionen führen, zu Gewalt-ausbrüchen Einzelner mit schrecklichen Folgen, und nennen als Beispiele den steiri-schen Briefbombenmörder vor bald zwanzig Jahren, den norwegischen Massenmörder vor zwei Jahren und den jetzt vor Gericht stehenden NSU.
Genug davon, unser Ressort sind weder U-Bahn und Gemeinden noch Rassismus,
wohl aber Speziesismus oder einfacher gesagt Tierschutz. Und da fallen Parallelen
auf. Auch hier sind Kräfte am Werk, die meinen: All das Grausliche, das
zur Fleischerzeugung und sonst in der Tierbehandlung geschieht, möglichst
zuzudecken und geheim zu halten, löse Probleme. Und auch da hat das zu
Reaktionen und Eruptionen geführt, besonders in England, wo einige Empörte
sogar zu Briefbomen gegriffen haben. Wir brauchen nicht zu betonen, dass das
eine verabscheuungswürdige Reaktion ist und außerdem eine dumme,
geeignet Tierschutz in Verruf zu bringen.
Das Bemühen tierquälerische Praktiken zu verbergen, beschränkt
sich nicht aüfs Fäden ziehen in den Medien. In einigen amerikani-schen
Bundesstaaten, ist das heimliche Fil-men von Tierquälerei in der Tierproduktion
und im Pharmawesen bereits mit strenger Strafe bedroht, es sind sogar Gesetze
in Vorbereitung, die das Verbreiten, ja sogar den Besitz solcher Filme und
Fotos unter Strafe stellen. Was können Tierfreunde da tun? Den Me-diengewaltigen
das Handwerk legen ist kaum möglich. Manche erinnern sich noch an den
langen doch vergeblichen Hungerstreik einer engagierten Tierschützerin,
Dolores Ozimic, gegen die Weigerung des ORF die Karremann-Filme zu zeigen,
die Erschütterndes über Tiertranporte offenbar-ten (auch schon zwanzig
Jahre her).
Doch eines könnte die kleine Bürgerin, der kleine Bürger tun:
Von ihrer Macht als Konsument Gebrauch machen: Lästig werden gegenüber
Handel und Produzenten, immer wieder lästig wer-den, sich nicht abwimmeln
lassen. Fragen stellen im Geschäft, an die Zentrale nach den Haltungskriterien,
nach dem TGI-Wert (Tiergerechtheitsindex), Besichtigungs-möglichkeiten,
Videoüberwachung und der-gleichen mehr.
Haben Sie Mut. Wenn es viele tun, hilft es.
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