Inhalt Nr.1/2014
Christine Beidl
Tiere trosten und heilen 3
Vegetarismus ungesund? 4
Demagogische Missdeutung einer Studie der Grazer Medizinischen . Universität
Michaela Schaller
Vegetarisch essen in Wien 5
Reformhaus Buchmüller
Monika Halsegger-Hofer
Augewogene Ernährung 7
Erwin Lauppert
Kartoffelstärke mit Kokosöl
oder Erdäpfelsalat mit Kernöl? 9
Peter Rosegger
Bauernessen Wie es einmal war 10
Vegetarische Informationen 11
Info der Ges. f. humane Nutztierhaltung
Ei? Besser keins, aber wenn 12
Infos zu Ei und Milch
Wolkenkuckucksheim oder Zukunft? 13
Zoopolis von Donaldson/Kymlicka
Manfred Kyber
Mutter 16
Bücher 18
H.F. Kaplan, Vegan soll keine Religion sein
Chris |Moser, M.E.
die Tierbefreier e.V., Tierbefreiung
Kochbuch Barbara Rütting, vegan & vollwertig
Offenlegung und Impressum 21
Notizen 22
Yvonne mal sechs 24
Seite 2:
Liebe Leserinnen und Leser,
Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein, Kalb und
Lö- we weiden zusammen
Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch
der Natter .... Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf
meinem ganzen heiligen Berg.
Jesaja, 11,6
Das Paradies ist noch Vision, der Wolf isst noch Lämmer, und der Mensch
auch. Der von Jesaja erschaute Geist der Weisheit und der Einsicht ist uns
noch ferne.
Nicht nur der Prophet Jesaja, auch manch weltlicher Tierrechtsphilosoph bringt
Visionen zu Papier, vom friedvolleren Zusammenleben mit den Geschöpfen
unserer Erde. Lesen Sie über Zoopolis auf Seite 13 -15.
Manchem Fleischesser ist das Aufblühen des Vegetarismus zuwider, er versucht
ihn mies zu machen, dazu eine Klarstellung auf Seite 4.
Unbekümmert um allen tagespolitischen Lärm schrieb vor Jahren
unsere frühere Redakteurin Christine Beidl beginnt rings um uns
das österliche Auferstehen der Natur mit ihrem Grünen und Blühen,
Gezwitscher und Nesterbauen, das uns Jahr für Jahr von neuem ans Herz
greift, aber es beginnt auch unser Schmerz, denken wir an die Millionen unschuldiger
Schweine und Lämmer, die für dieses schöne Fest gemetzelt werden,
weil es immer die Tiere sind, die für unsere Menschenfeste mit Todesangst
und Todesleid bezahlen müssen. Friede und Erlösung kann erst dann
eintreten, wenn sie der Kreatur zuteil wird, wenn wir sie ihr zuteil werden
lassen.
Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir in diesem Sinn friedliche
und erholsame Osterfeiertage.
Ihre anima Redaktion
Seite 3
Tiere trösten und heilen
Christine Beidl
und das ist natürlich nicht so gemeint, wie es die Pharmalobby mit ihrem
zynischen Slogan Tiere helfen Menschen formuliert. Nicht dadurch,
dass man sie zwingt, ihr ar-mes kleines Leben nach oftmal so qualvollen Experimenten
für die Erprobung neuer und alter auszuhauchen.
Jeder Tierbesitzer weiß, wie sensibel Tiere es aufnehmen, wenn ihr geliebter
menschlicher Freund traurig ist. Wie sich da plötzlich ein weiches, pelziges
Köpflein an seine Knie, in seine Hände schmiegt, leise schnurrend,
als wollte es sagen: Sei nicht so traurig, du hast ja mich! Vielleicht ist es
diese All-Liebe, von der der Dichter Manfred Kyber spricht, dass
sie auch in der Seele einer kleinen Katze wirkt.
In stiller Nacht, zur ersten Wacht, ein Stimm begann zu klagen, der
nächt'ge Wind hat süß und lind zu mir den Klang getragen...
Dieses Lied mit seinem ergreifenden Text wurde zum Leitmotiv der Begegnung mit
einem fremden Schicksal.
Von herbem Leid und Traurigkeit ist mir das Herz zerflossen, die Blümelein,
mit Tränen rein hab' ich sie all' begossen.
Im Urtext von Friedrich von Spee (um 1630) bezieht sich diese Melodie des schmerzvoll-herben
Mitleidens auf die Verlassenheit und Todesangst der Ölbergstunde vor dem
Karfreitag. Aber diese Traurigkeit kann uns auch angesichts eines armen Menschen,
eines gequälten Tieres ergreifen. Sie lässt sich nicht abschütteln.
Sie überfällt einen, unwiderstehlich, und nur der Wunsch zu helfen
und zu trösten kann sie mildern.
Da gibt es eine Menschenseele, die das Übermaß an menschlichem Unverstehen
und Leid nicht verkraften konnte und sich in Dunkelheiten verlor, die unüberwindbar
waren. So übertrug sie alle Zärtlichkeit ihres Herzens auf ihre Tiere.
Sie sind es, die sie am Leben erhalten und wohl schon oft von einem dunklen Abgrund
unkontrollierbarer Ängste zurückführten ins Leben. Wohl ohne Grund
fühlt sie sich so von Menschen ver- urteilt und verstoßen aber
wer kann dar- über urteilen?
Wenn ich meine Tiere nicht hätte, dann hätte ich schon längst
Schluss gemacht...Es ist die Verantwortung für diese wehrlos ihr vertrauenden
Wesen, die sie ans Leben bindet und daran hindert, sich selbstzerstörend
in den Abgrund zu werfen.
Es mag vielen so gehen, mehr oder weniger, denn die Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit
unserer Wohlstandsgesellschaft ist groß, und wir möchten gerne wegschauen,
wenn uns so ein stummer Hilferuf erreicht, aus Menschenaugen oder aus verzweifelten
Tieraugen. Aber auch wir sind verantwortlich für unsere Geschwister im Reich
des Lebens, die unserer Liebe ebenso bedürfen wie der leiblichen Nahrung.
Du, der in uns liebt und lebt: Lass alles, was wir im Menschen und Tiere leiden,
diesen zugute kommen! Sie sollen sich nicht verlassen fühlen auf dieser
Erde.
In dem schönen Lied ist es die gesamte Natur, die unerlöste, beseelte
Natur, die das Leid des Menschen miterleidet:
Kein Vogelsang noch Freudenklang man höret in den Lüften, die wilden
Tier traurn auch mit mir in Felsen und in Klüften.
(Diesen Text hatte Christine Beidl, lange Jahre Redakteurin unserer Zeitschrift, 1991 für die anima geschrieben)
Seite 4:
Vegetarismus ungesund?
Demagogische Missdeutung einer Studie der Grazer Medizinischen Universität
Vor einem Monat gab es Schlagzeilen in der einen oder anderen Zeitung: Vegetarier
sind kränker als Fleischesser. Was war geschehen? Das Institut für
Sozialmedizin und Epidemiologie der Grazer Medizinischen Universität hatte
eine Studie über die Verbindung zwischen Essverhaltung und verschiedenenen
Gesundheitsparametern veröffentlicht, die bei oberflächlicher Betrachtung
diesen Eindruck vermitteln konnte. Die Universitätsmeldung dazu war irreführend
und ein offenbarer Fleischfreund machte daraus eine demagogische Presseaussendung.
Bei näherer Untersuchung lost sich die negative Darstellung in Luft auf.
Der Reihe nach: 2006/2007 wurden von der Statistik Austria im Auftrag des Gesundheitsministeriums
rund 15.000 Personen von 15 Jahren aufwärts über ihre Gesundheit befragt,
ein statistisch ausgewogener Querschnitt durch die Bevökerung des Landes nicht
ganz, wiewohl in Wien rund 20 % der Österreicher leben, betrug der Anteil
der Wiener unter den Befragten nur 10 %. Die Ausgewählten mussten ihren
Interviewern in meist 30 bis 45 Minuten ungefähr 130 Fragen zu ihrer Gesundheit,
ihren Lebensgewohnheiten und sozialen Verhältnissen beantworten und dazu
teilweise noch erläuternde Informationen einsehen. Viel Zeit zum Nachdenken
gab es also nicht, vor allem aber: die Angaben wurden nicht überprüft.
Zur Ernährung lauteten die Fragen:
Wie würden Sie Ihre Essgewohnheiten beschreiben? (Liste D7.A vorlegen)
1 Mischkost mit viel Obst und Gemüse
2 Mischkost mit viel Fleisch
3 Mischkost mit wenig Fleisch
4 Vegetarisch, aber mit Milchprodukten und/oder Eiern
5 Vegetarisch, aber mit Fisch und/oder Milchprodukten und/oder Eiern
6 Vegetarisch und keine tierischen Produkte
Wie lange der Ernährungsstil bereits geübt wird, wurde nicht gefragt.
0,8 % der Befragten bekannten sich zu Ernährungsstil 4 (l/o-veg.), 1,2 %
zu 5 (Fischesser) und 0,2 % zu 6 (vegan).
In der Universitätsstudie wurden nun die Gruppen 4 bis 6 zusammengefasst
(insgesamt 320 Personen) und genau so vielen Personen (gleichen Geschlechts,
Alters und sozialen Status) jeder der drei anderen Gruppen gegenübergestellt
und ihre Krankheitsangaben verglichen. (Matched Sample Studie). Danach lagen
tatsächlich die Vegetarier bei den Krankheitsparametern häufiger als
andere Gruppen wenn meist auch nur geringfügig voran. Nur:
Die erste Fehlerquelle: Fischesser und Vegetarier wurden zusammengeworfen.
Die zweite: Wie lange der Ernährungsstil bereits geübt wurde, blieb
unberücksichtigt.
Die dritte: Wie sich die Vegetarier abgesehen vom Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel
ernährt hatten (zB Pudding-Vegetarier), wurde nicht beachtet.
Die vierte und wichtigste: Ob die Probanden Vegetarier wurden, weil sie bereits
krank waren, oder erst krank wurden als sie sich vegetarisch ernährten,
wurde nicht geprüft. Tatsächlich greifen chronisch Kranke nicht selten
zur vegetarischen Ernährung. Auch können sie in ihren Selbstaussagen
zur Gesundheit penibler sein (Allergien: 30 % der Grupp 4-6, gegenüber im
Schnitt 18 % der übrigen Gruppen).
Weiters: Es ging vor allem um chronische Krankheiten und die treten nun einmal
hauptsächlich im höheren Alter auf. Vegetarische Probanden über
60 Jahre gab es nur rund 50, davon 12 männlich, also kaum statistische Aussagekraft.
Wenn etwa um nur ein Beispiel zu nennen, ca.45 Viel-Fleischesser Bluthochdruck,
aber nur 2 einen Herzinfarkt angeben, während die Zahlen bei der Gruppe
4-6 33 zu 5 lauten, liegt der Gedanke an Zufall nahe. So liegt etwa bei Diabetes
die Gruppe 1 mit ca. 13 Personen (jeweils von 320) voran, gefolgt von der Gruppe
4/6 mit 9 und den Gruppen 2 und 3 mit je 8. Bei Schlaganfällen führen
die Gruppen 1 und 2 mit je 6, vor 3 mit 5 und 4/6 mit 4 Personen, bei Magengeschwüren
stehen 1 und 4/6 mit je 13 vor. 2 mit 12 und 3 mit 5 Personen alles Zahlen,
die eher auf Zufall deuten. Bei Krebs (4/6 mit 15, 1 mit 13, 2 mit 6 und 3 mit
4 Personen) fehlt dazu die wichtige Gliederung nach Arten. Die hohe Zahl in Gruppe
4/6 legt den Gedanken nahe, dass manch Krebspatient helf was helfen kann, beim
Vegetarismus Zuflucht gesucht hat.
Zur Feststellung ob vegetarische Ernährung gesund oder ungesund ist, ist
die Studie, wie auch ihre Autoren bestätigen, ungeeignet.
Aufschluss über die gesundheitlichen Auswirkungen einer Ernährungsform
können nur Langzeitstudien geben, deren etliche in den letzten 50 Jahren
getätigt wurden; z.B. die Oxford Vegetarian Study. Sie haben insgesamt ergeben,
dass Vegetarier ein deutlich geringeres Risiko für zahlreiche chronische
Erkrankungen aufweisen, wie Übergewicht, Diabetes 2, Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen
sowie bestimmte Krebsarten.
Seite 5:
Vegetarische Gastronomie in Wien
Gesund und köstlich essen
Imbiss im Reformhaus Buchmüller in der Neubaugasse (nächst Mariahilferstraße)
Das Haus für
ganzheitliches Wohlbefinden
Seit nunmehr 1939 gibt es das Reformhaus Buchmüller in der Neubaugasse im 7. Bezirk. Seit mehr als 30 Jahren ist Frau Margarethe Kreidl nicht nur Besitzerin, sondern die Seele dieses Traditionshauses. Dieses Geschäft zu führen, ist meine Passion, erzählt sie uns. Für Wiener ist die Adresse sicher kein Geheimtipp, es sei aber auch allen, die dann und wann mal in die Bundeshauptstadt kommen gesagt, dass es sich allemal lohnt, dort einen Zwischenstopp einzulegen.
Einkauf von A-Z
Ob Naturkosmetik, Haarfarben, Haarpflege, Körperpflege, Energetisches, ätherische Öle,
Tees, Gewürze, Putz- und Reinigungsmittel, vegetarische und vegane Lebensmittel dieses
Reformhaus ist mit seinen rund 4000 Artikeln tatsächlich ein Einkaufseldorado
für alle, denen Gesundheit, Umwelt- und Tierschutz am Herzen liegen.
Wer das richtige Produkt für seine Bedürfnisse noch nicht gefunden
hat, darf sich auf die freundliche und überaus kompetente Beratung des
Fachpersonals verlassen. Sie wissen, was Ihr Körper von innen und außen
braucht, um Gesundheit und Schönheit zu erhalten. Auch für jegliche
Diätberatung sind Sie hier in geschulten Händen.
Neu: Einkaufen im Online Shop
Für all jene, die nicht selbst im Geschäft einkaufen können,
gibt es auch die Möglichkeit über den neuen Buchmüller Online
Shop zu bestellen, der 24 Stunden geöffnet hat. Innerhalb weniger Tage
erhalten Sie die bestelle Ware in ganz Österreich und auch im Ausland.
Gesund und köstlich essen
Aber Buchmüller ist noch mehr als ein gut sortiertes Reformhaus. Montag
bis Freitag darf man sich dort mittags eines reichhaltigen warmen und kalten
vegetarischen und veganen Speisenangebotes erfreuen. Man holt sich das Essen
selbst, und schaut, dass man einen Platz ergattert, was aber selbst im regen
Treiben der Mittagszeit immer irgendwie gelingt, weil man sich ungezwungen
zusammen setzt. In der warmen Jahreszeit gibt es auch einen kleinen Gastgarten
direkt auf der Neubaugasse. Die Chefin, Frau Kreidl, zeichnet selbst für
die ausgezeichnete Küche verantwortlich. Dass hier mit viel Liebe täglich
frisch mit biologischen Zutaten gekocht wird, schmeckt man auch. Am Tag unseres
Besuches gab es eine Mangold-Pastinaken-suppe, Kartoffel-Bärlauch-Strudel
mit Salat, Linseneintopf mit Semmelknödel und Salat sowie einen Polenta-Gemüseauflauf
mit Salat. Den ordentlichen Teller Suppe gibt es für 3 Euro. Der Tagesteller
kostet 7.50 Euro.
Die Entscheidung für ein Gericht fiel schwer, weil alles einfach köstlich
aussah. Auch das reichhaltige Salatbuffet lässt Gemüse-Esser-Herzen
höher schlagen. Ein Wow-Erlebnis gibt es dann noch, wenn die Damen bei
der Essensausgabe die Portionen so bemessen, dass man sich gleich sorgen muss,
ob danach wohl noch einer der köstlichen Kuchen Platz hat. Diese werden
mit Dinkelvollkornmehl und hochwertigen Zutaten gebacken.
Auch Veganer können hier vertrauensvoll zuschlagen. Außerdem gibt
es noch eine Auswahl von frischgepressten Säften, Brot sowie kleine Gerichte
wie Burger und Aufstriche. Alles kann selbstverständlich auch mitgenommen
werden.
Man kann selbst entscheiden, ob man ins Reformhaus Buchmüller geht um
gesund und gut zu essen und dann gleich den Einkauf für Zuhause erledigt oder
umgekehrt.
Michaela Schaller
Reformhaus Buchmüller
1070 Wien, Neubaugasse 17-19
www.reformhaus-buchmueller.at
Tel.: 01 523 72 97
Ö
ffnungszeiten:
Mo-Fr 09.00 bis 18.30 Uhr, Sa 09.00 bis 17.00 Uhr
Warme Speisen Montag bis Freitag ab ca.11Uhr 30 solange der Vorrat reicht
Vegetarische Hotels und Pensionen
in Österreich
Kärnten
am Klopeiner See: Loving Hut, Veganes Restaurant und Pension, Adr.: Am See
XII 7/7a, A-9122 St. Kanzian, T 04239 40150, klopeinersee@lovinghut.at
in den Bergen: das Bio-Landhaus zur Arche am Hang der Saualm St.Oswald 9373,
Eberstein, bio.arche.hotel.at, T 04264 8120
Land Salzburg: Vollwertpension Haus Leo, Am Rauchenberg, Gumping 11, 5092 St.Martin
bei Lofer Tel.06588/7065, email: pension.leo@aon.at,
Steiermark
Naturhaus Lehnwieser, Familie Pleninger, Vorberg 20, 8972 Ramsau (in der nordwestlichsten
Steiermark, 1150 m hoch, naturhaus-lehnwieser.at T 03687 - 815 76
Tirol
Hotel Pointner) Bichlach 41, 6370 Reith bei Kitzbühel, hotel-pointner.at
,Tel. 05356-65242
Infos über veg. Hotels/Pensionen im In- und Ausland auch unter
veggie-hotels.de
Liste veg. Gastronomie- und Beherbungsbetriebe in Österreich unter vegetarier.at,
Liste auch bei der ÖVU erhältlich
Aktivurlaub für sportliche V. in Tirol
Geführte Wanderungen, Hundewandern etc, Infos adventureV, Dr. Katharina
Wirnitzer. 6135 Stans, adventurev.com, T 0699-1040 4244
Vitamin B12
Für vegane aber auch für L/O-Vegetarier und überhaupt für ältere
Menschen empfiehlt sich Überprüfung des Vit. B12-Status in angemessenen
Abständen, auch bei Verwendung der Vit. B12-Zahnpasta.
:Seite 9:
Kartoffelstärke mit Kokosöl
oder Erdäpfelsalat mit Kernöl?
Letztes Jahr kam ein Kunstkäse, eine Milchkäse-Imitation* in die Geschäfte,
die schon (fast) wie Käse schmeckt. Das ist erfreulich, denn was zuvor an
einschlägigen Imitaten auf dem Markt war, konnten nur fanatisch-ideologisch
gestählte Veganer mit dem Milchprodukt assoziieren. Laut Inhaltsangabe besteht
das neue Kunsterzeugnis im wesentlichen aus Kokosöl und Kartoffelstärke,
dazu natürlich die hier unvermeidlichen chemischen Hilfsmittel und die chemische
Hirngrütze um das Ganze zu erdenken und die chemische Fertigkeit um es zu
verwirklichen..
Da könnte einer kommen und fragen: Wozu der immense Aufwand, wozu im Hexenkessel
die Erdfrucht in Kuhsekret wandeln. Warum nicht einfach das Gute, das so nahe
liegt, nehmen: Erdäpfelsalat mit Kernöl. (Wer Kürbiskernöl
als Wagenschmiere empfindet, dem bietet sich eine reiche Auswahl anderer Pflanzenöle
an).
Die Frage ist wohl müßig, der Trend zum Künstlichen scheint unter
Leuten, die dem Fleisch und der Milch abschwören unaufhaltsam Inhaber
veganer Läden berichten, der Hauptumsatz entfalle auf Fleischimitate und
dergleichen.
Die Zeiten wandeln sich und der Zeitgeist nicht minder. Einst war Vegetariern
alles was niach Fleisch roch oder schmeckte ein Gräuel, sie mokierten sich über
Fleischliebhaber als Leichenfresser. Heute achten viele darauf , dass sich in
ihre Nahrung auch nicht das kleinste E-Nummerchen, das tierischen Ursprungs sein
könnte verirrt, doch ausschauen und schmecken muss es wie Fleisch.
Gebackener Säugling auf der Speisekarte im Restaurant für ein
veganes Gericht fänden wohl die meisten makaber, doch gebratene Gans,
immerhin auch ein fühlendes Wesen, gefällt (wenn auch nicht allen).
Nun denn, wenn es hilft, von echtem Fleisch abzulassen, warum nicht. (Allerdings
erleichtert es auch die Rückkehr zum echten Fleisch).
Großer Jubel herrscht über jedes neue vegane Geschäft. Wir wissen,
die sozialen Verhältnisse, die Arbeitswelt ändern sich, Fertiggerichte
treten and die Stelle von Ursprünglichem.
Dennoch, eine kleine Reminiszenz sei erlaubt. Einst war das Sortiment der Lebensmittelgeschäfte
vorwiegend vegan: Getreide Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais als Mehl, als
Gries, manches als Flocken oder Graupen, Haiden (Buchweizen), Hülsenfrüchte
aller Art, Bohnen, große, kleine, Erbsen, Linsen (auch als Fertiggericht),
Erdäpfel, Öle, Obst roh und getrocknet, Gemüse roh und als Fertiggericht,
Zucker ... vieles einfach zuzubereiten.
Wie wäre es, Mehl, Hülsenfrüchte, Erdäpfel einmal natürlich
und nicht industriell zu Fleisch gewandelt, zu versuchen?
Erwin Lauppert
In eigener Sache:
Betr. Geschlechtsbezeichnungen
Im Interesse leichterer Lesbarkeit vermeiden wir im allgemeinen das Binnen-In.
Je nach Sprachgebrauch verwenden wir das generische Maskulinum oder Femininum für
beide natürlichen Geschlechter. Wenn wir Gemsen, jetzt Gämsen schreiben,
meinen wir also auch die Gamsböcke, und wenn wir Österreicher
und Deutsche nennen, betrifft das nicht nur bei den Deutschen, wo es sich grammatikalisch
von selbst versteht, Manderln und Weiberln sondern auch bei den Österreichern.
Ebenso bitten wir die Gänseriche sich einbezogen zu fühlen, wenn wir
Gänse sagen.
anima-Redaktion
Seite 13:
Bücher
Wolkenkuckucksheim oder Zukunft?
Im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts fanden Tierrechte langsam Eingang in die einschlägigen Wissenschaften, zuerst nur schütter und vereinzelt. Doch seit der Jahrhundertwende ist die Tierrechtsliteratur, wenigstens die englischsprachige fast unüberchaubar geworden. Der Begriff Tierrechte ist unbestimmt und schillernd. Da gibt es jene, die realitätsnah denkend angesichts der vielmilliardenfachen Nutzung der Tiere für menschliche Zwecke (vorerst) kleine oder größere Verbesserungen in der Behandlung unserer Geschwisterwesen anstreben. Im engeren Sinn heißt der Begriff: essentielle Grundrechte für Tiere, vor allem einmal das Recht auf Leben und das in Freiheit. Die philosophischen Begründungen sind unterschiedlich, utilitaristich, deontologisch ..., auch die Frage ab welcher Entwicklungsstufe Tieren Rechte einzuräumen sind, wird kontrovers beantwortet. Was das Zusammenleben von Mensch undTier betrifft, herrscht die abolitonistische Richtung vor: strikte Trennung, eine Art Apartheidsystem: Haus- und Heimtiere aussterben und Wildtiere in Ruhe lassen. Verständlich, dass diese philosophische Richtung unter Hunde- und Katzenliebhabern kaum Anhänger findet. Und was die Wildtiere betrifft, in Ruhe lassen ist leicht gesagt, wenn wir ständig aufeinander stoßen.
William Kymlicka, Professor für politische Philosophie an der Queens University
in Kingston, Ontario, Kanada und die Schriftstellerin Sue Donaldson, Kingston
haben ihrerseits ein Modell für ein gedeihliches Zusammenleben selbstbestimmter
fühlender Wesen auf unserer Erde dem abolitionistischen System gegenübergestellt.
Das Buch, 2011 bei Oxford University Press erschienen, liegt nun, im renommierten
Suhrkamp Verlag veröffentlicht. auch in deutscher Sprache vor.
Donaldson / Kymlicka
Zoopolis Eine politische Theorie der Tierrechte, Suhrkamp Verlag 2013,
36 ¤(D), geb. 608 S., F. ca. 20 x 13 cm
In ihrem Werk stellen sie die gängigen Tierrechtstheorien eingehend und
kritisch vor und ergänzen sie bzw. setzen ihnen ihr Modell entgegen. Es
nimmt vor allem Anleihen bei Rechtsinstituten, die Beziehungen unter uns Menschen
regeln. Sie gliedern die Tierwelt vereinfacht dargestellt in drei Gruppen:
domestizierte Tiere, also Haus- und Heimtiere (Gefährtentiere), wildlebende
Tiere und eine dritte Gruppe, die sie Tiere im Schwellenbereich nennen, also
i.w. Kulturfolger.
Das der Regelung menschlicher Beziehungen dienende Institut der Staatsbürgerschaft
möchten die Autoren entsprechend modifiziert auch auf die Beziehungen
zu den domestizierten Tieren übertragen. Da nun éinmal deren Rückführung
zu Wildtiere in der Regel nicht tunlich ist, treffe uns die Pflicht für
sie zu sorgen und ihre Interessen gleichermaßen zu beachten wie unsere
eigenen, d.h. sie als gleichberechtigte Mitglieder der Gemeinschaft zu akzeptieren.
Der Begriff der Staatsbürgerschaft entspreche dem besser als der der Vormundschaft.
Die Autoren verweisen auf Analoga: die Befreiung der Sklaven viele Heimtiere
werden sklavenähnlich gehalten oder die Einstellung zu Behinderten.
Ich entsinne mich da eines Siechenhauses (heute würde man wohl Seniorenresidenz
sagen) vor einem halben Jahrhundert nahe einem kleinen Städtchen. Die
(geistig) Behinderten konnten ungehindert in die Stadt. Bis sich die holprige
Schotterstraße in eine viel befahrene Schnellstraße wandelte. Da
sperrte sie der Heimleiter ein, weil er im Falle eines Unfalls den Staatsanwalt
fürchten musste. Faktisch wurde damals den Befürsorgten die Freiheit
hemmunungslos genommen, damit zurechnungsfähige Autofahrer ein bisschen
schneller fahren konnten.
Natürlich bedeute Staatsbürgerschaft nicht nur Rechte sondern auch
Pflichten. Es versteht sich von selbst, das Haustiere herkömmlicher
Art, die uns Fleisch, Milch, Ei und leetztlich ihr Leben geben, schon der Grundrechte
wegen auch im System Kymlicka nur mehr Auslaufmodelle sein können. Sehr
eingeschränkt lässt Kymlicka Wollabgabe zu und Rasenmähen.
Das was bleibt sind Heimtiere als Gefährten und Seelentröster, also
i.w. Hund und Katze. Der vollen Betreuungspflicht des Menschen stehe als Gegenleistung
ihre Pflicht zur Sozialisation d.h. dem Zusammenleben angepasstes Verhalten
gegenüber, wozu auch ein gewisses Maß an Freiheitsbeschränkung
zählen könne. So meinen die Autoren, Katzen dürfte man nur mit
einem Glöckchen um den Hals unter ständiger Aufsicht ins Freie lassen.
Ein wesentliches Lebenselement, wo sich Freiheit von Zwang und gedeihliches
Gemeinschaftsleben schwer vereinbaren lassen, sind natürlich Sexualität
und Fortpflanzung. Die Autoren gestehen hier dem Menschen beschränkende
Eingriffe zu, scheuen sich aber allzu konkret zu werden. Während sie etwa
eingehend erörtern, ob Leichen als Katzenfutter verwendet werden dürfen,
bleibt die nahe liegende Frage, ob wie es etwa in Österreich Vorschrift Katzen
kastriert werden dürfen, unbeantwortet.
So wie bei der Behandlung domestizierter Tiere das der menschlichen Gesetzgebung
entlehnte Institut der Staatsbürgerschaft hilfreich sein soll, wird zur
Lösung der Wildtierprobleme der dem internationalen Recht entlehnte Begriff
der Souveränität eingeführt. Die besondere Schwierigkeit im
Verhältnis zu Wildtieren liegt allerdings darin, dass menschliche und
tierische Territorien einander überlappen und ineinander verwoben sind.
Dass direkte Angriffe auf Tiere wie die Jagd aus tierrechtlicher Sicht verboten
sind, ist selbstverständlich und ergibt sch bereits aus den allgemeinen
Grundrechten, doch was ist mit der schleichenden Aggression?
Die Autoren konstatieren unter Hinweis auf das exorbitante menschliche Bevölkerungswachstum: Im
Grunde nehmen die Menschen an einem gewaltigen Eroberungszug teil, um sich
das von Tieren bewohnte Land anzueignen, was dann die Dezimierung der Tierpopulation
nach sich zieht.
Die entscheidende Frage, ob wir die Grenzen (jetzt) in Einklang mit derzeitigen
Populationen und deren Wohngebieten ziehen wollen, stellen die Verfasser
zwar, doch meiden sie klare Antwort. Präziser werden sie bezüglich
der vielfältigen indirekten auch tödlichen Beeinträchtigungen
durch unsere Zivilisation. Sie beklagen (bezogen auf nordamerikanische Verhältnisse): Wo
Wildtiere ein noch so geringes Risiko für Menschen darstellen, halten
wir uns im Regelfall für berechtigt, beliebig einschneidende, selbst tödliche
Maßnahmen zu ergreifen, doch sobald unsere eigenen Aktivitäten Wildtieren
gravierende Gefahren aufbürden, tun wir dies ab und sprechen vom Preis
des Fortschritts.
Risiko sei nicht ausschließbar. Doch müsse es gleich verteilt sein
und dürfe nicht zu Lasten der Tiere gehen. Anknüpfungspunkte gebe
die Risikoabwägung im menschlichen Rechtssystem. Es ließe sich viel
verbessern, ohne der menschlichen Entwicklung unvertretbare Kosten aufzuhalsen,
etwa im Städte- und Siedlungsbau, bei Gebäuden (todbringende Fensterfronten),
im Straßenbau (Wildkorridore, Unterführungen), durch Neuplanung
landwirtschaftlicher Saat- und Ernteverfahren, um kleine Nager etc. und nistende
Vögel besser zu schützen usw. Als Ausgleich für das dennoch
erhöhte Risiko für Tiere könne die Verpflichtung zur Pflege
verletzter Wildtiere dienen.
Ü
ber diese eher kosmetischen Operationen hinaus bleibt eine Kernfrage. Häuser-,
Straßen-, Industriebau bedeutet Vertreibung und unweigerlich auch den
Tod kleiner Erdbewohner. Dürfen wir und wenn ja in welchem Ausmaß die
Interessen von Tieren und allenfalls auch indirekt diese selbst dem Fortschritt opfern.
Hier bleiben die Autoren auch mit der Souveränitätstheorie etwas
vage.
Vertreibung war und ist allerdings wie wir wissen auch im Menschenreich bekannt.
Ich meine jetzt nicht die gewaltsame europäische Kolonisation vorwiegend
im 19.Jahr-hundert, die Vernichtung ganzer Völkerschaften und mit viel
Tod verbundene millionenfachen Vertreibungen, die im 20. Jahrhundert ihren
Höhepunkt fanden, doch die wir da oder dort milder oder stärker bis
in die jüngste Zeit beobachten müssen (siehe u.a. Ruanda, Bosnien,
Kosovo, Kroatien, Palästina Serbien). Ich denke hier an die innerstaatlichen
Vertreibungen und Beeinträchtigungen von Menschen um des Fortschritts willen,
für Kraftwerke und Industriebauten, Verkehrsvorhaben und die faktischen
Beeinträchtigungen etwa durch Autobahn- und Luftverkehrsterror etc. Die
unterliegen alle mehr oder minder stark ausgeprägtem nationalem Recht.
In Bezug auf Tiere könnten in diesen Fällen vielleicht Anleihen beim
nationalen Recht passender sein als der Rückgriff auf die Souveränität.
Zu bedenken wäre allerdings, dass Tiervertreibungen für diese anders
als im Regelfall bei Menschen häufig tödlich sind, während Beeinträchtigungen
wie etwa Autobahnterror bei Menschen allenfalls nur zu Krankheit und kürzerer
Lebenerwartung führen.
Die dritte Gruppe von besonderem Interesse, denn hier spielt der Kampf
um den Futtertrog sind die Tiere im Schwellenbereich, also Kulturfolger.
Die werden durch die Resourcen der Menschen angezogen, möchten aber ansonsten
von diesen meist nichts wissen. Die Autoren billigen ihnen, so sie die Barrieren,
die wir gegen sie errichten, überwinden und sich nicht kurzwegs vertreiben
lassen, den gegenüber Staatsbürgern minderen Status von Einwohnern mit
Bleiberecht zu; die Einwohner besitzen selbstverständlich die essentiellen
Grundrechte, also Tötungsverbot. Der (Einzelheiten beiseite gelassen)
wichtigste Unterschied: Es trifft uns Menschen nur eine eingeschränkte
Fürsorgepflicht, i.w. die Pflicht zur Risikominimierung wie bei Wildtieren.
Den Menschen billigen die Autoren, ausgehend von der Unverletzlichkeit des
Wohnrechts als Grundrecht das Recht zu, ihre Lebensbereiche durch Absperrmaßnahmen
wie Zäune, Netze, akustische Signale, freilaufende Hunde, pfleglich zu
sichern und ihre Wohnungen verletzungsfrei freizuhalten. Sorgfalt bei der Nahrungslagerung
und Abfallentsorgung könnte helfen. Schwieriger, räumen die Autoren
ein, ist es in alten Häusern mit Mäusen. Allenfalls könnte man
eine dort ansässige Mäusefamilie vorsichtig einfangen und in einem
Nebengebäude mit allmählich reduzierten Futtergaben unterbringen.
Zur Frage wie sich Supermärkte, Bäckereien, Mühlen, wo unvermeidlich
Nahrung in großer Menge gelagert werden muss, schützen konnen, fand
sich im Buch kein Rat. Im alten Indien nahm man es als gegeben hin, dass die
Ratten ein Drittel der Getreideernte essen.
Den Pflichten der Menschen stellen die Autoren auch das Recht gegenüber,
ie Gesamtzahl der Schwellenbereichstiere zu regulieren, damit Koexistenz überhaupt
möglich ist. Sie denken da an Impfungen zur Geburtenkontrolle (gibt es
unschädlich dosierbare Futterzusätze?), Habitatsbedingungen, die
Populationsschwund vorsehen, Wiedereinführung von Konkurrenten und Prädatoren,
also Raubtieren. Die gezielte Zulassung von Prädatoren scheint mir allerdings
ein Systembruch, nach heutigem juristischen Verständnis könnte man
sie als Beihilfe zu Mord ansehen.
Andererseits: Das Verhältnis zu von der Natur als Beutetiere konzipierten
Wesen, die sich in einem halben Jahr vielhunderfach vermehren können,
ist sicher ein Problem für Tierrechtsphilosophie und - praxis. Katzen
und Mäuse sind seit Jahrtausenden auf einander abgestimmt. Es ließe
sich das Glöckchengebot diskutieren. Nimmt eine Maus in einem von Katzen
bewohnten Objekt Quartier, nimmt sie auch das Risiko, aufgegessen zu werden
auf sich?
Die Autoren sehen ihre Theorie nicht als der Weisheit letzten Schluss. Sie
werfen Fragen auf und regen zum Nachdenken an.
Erwin Lauppert
Sseite 15:
Mutter
Manfred Kyber
In einem Heukorb oben auf der Dachkammer lag eine Katzenmutter mit zwei Katzenkindern.
Die Kinder waren erst vor wenigen Tagen zur Welt gekommen, und sie waren noch
sehr hilflos kleine Pfoten hatten sie, die immer ausrutschten, und unverhältnismäßig
große Köpfe mit blinden Augen, die sich suchend im Magenfell der
Mutter vergruben. Sehr sonderbar sahen sie aus. Aber die Katze fand sie über
die Maßen schön, denn es waren ja ihre Kinder das eine grau
und schwarz getigert, wie sie selbst, eine Schönheit also, wie man wohl
ohne falsche Bescheidenheit sagen durfte das andere ganz der Vater,
der bunt war, mit eleganten weißen Hosen und weißen Handschuhen
und einem Tupf auf der Nase, und der so gefühlvoll sang. Wie hatten sie
beide so herrlich zusammen gesungen an den ersten Märzabenden im Garten,
zweistimmig, viele hübsche Lieder ... Sehr begreiflich, daß diese
Kinder mit den kleinen rutschenden Pfoten und den großen Köpfen
so prachtvolle Geschöpfe geworden waren, nicht nur Katzen, was an sich
schon der Gipfelpunkt ist, wie jeder weiß, nein, Katzenkinder, wie sie
die Erde noch nicht gesehen! Stolz reckte sich die Katzenmutter in die Höhe
und betrachtete liebevoll schnurrend die kleinen Wunder ihrer Welt. Hier diese
angenehme Bodenkammer schien übrigens in jeder Hinsicht der richtige Ort
zu sein, still und ungestört. Ein weicher heugefüllter Korb, warm
und überaus geeignet für die ersten Kletterversuche, viel Gerümpel
ringsherum, voller Spannungen und Entdeckungsmöglichkeiten, freundlich
vom Maimond beleuchtet, der durch die Fenster lugte, weite Flächen zum
Spielen, und dann welch ein berühmtes Mausrevier, welch ein weites
Gebiet zur sachgemäßen Ausbildung der beruflichen Fähigkeiten!
»
Ich sollte doch selbst mal ein wenig nach Mäusen sehen«, sagte die
Katze, »die Kleinen schlafen, und eine Ablenkung würde mir guttun,
Kinderpflege ist angreifend, und mir ist auch so, als hätte ich einen
beachtenswerten Appetit.«
Die Katze erhob sich vom Heulager, beleckte schnell noch einmal ihre Kinder
und strich dann auf leisen Sohlen, schnuppernd, an Kisten und Körben entlang.
Es hatte doch, auch wenn man allmählich etwas in die Jahre gekommen war,
immer noch etwas angenehm Aufregendes, so nach Mäusen zu schnüffeln.
Und jetzt raschelte da nicht jemand? Roch es nicht so erbaulich nach
Mäusen? War das nicht der feine Duft, unverkennbar für eine kätzliche
Nase? Noch einige vorsichtige Schritte, auf Samtpantoffeln niemand machte
ihr das nach , und dann stand sie vor einem Mäusenest, in dem zwei
kleine nackte Junge lagen.
Bloß Junge? dachte die Katze, da wären die Samtpantoffeln überflüssig
gewesen, die können weder laufen noch sehen. Es lohnt überhaupt kaum,
zwei kleine Bissen, weiter nichts. Aber man kann ja immerhin, zur Stärkung
sozusagen ...
Sie wollte zupacken. Aber etwas in ihr redete.
»
Sie können weder laufen noch sehen, ganz wie deine Kinder. Sie sind völlig
hilflos, und die Mutter wird wohl tot sein. Sie sind so hilflos wie deine Kinder,
wenn du nicht da bist. Es ist wahr, daß es Mäuse sind, aber es sind
kleine Mäuse, sehr kleine, es sind Kinder nicht wahr, du weißt
es, was Kinder sind?«
Es war die Mutterliebe, die redete, und in ihr redete die Alliebe, ihr künftiger
Geist. Er kann nur reden in einer Mutterliebe, die sehr groß ist, so
groß wie die Mutterliebe einer Katze, denn sie ist eine der größten.
»
Nicht wahr, du weißt es, was Kinder sind?« fragte die Stimme.
Die Katze beugte sich herab, faßte die eine kleine Maus vorsichtig mit
den Zähnen und trug sie in ihren Heukorb. Dann ging sie zurück und
holte das andere Junge. Sie nahm beide an die Brust und säugte sie, mit
ihren zwei Katzenkindern zusammen.
Die kleinen Mäuse waren schon halb erstarrt, aber sie erwärmten sich
sehr bald im Magenfell der Katze. Sie waren halb verhungert, aber sie sättigten
sich bald an der Brust der Katze. Sie fühlten sich völlig geborgen
bei einer Mutter und ahnten es nicht, daß diese Mutter eine Katzenmutter
war. Wie sollten sie das wissen? Sie waren blind und hilflos. Über ihnen
lag schützend die krallenlose, weiche, samtene Katzenpfote.
Die Katzenkinder wuchsen, und die Mäusekinder wuchsen, beide öffneten
die Augen, und das erste, was beide sahen, war die gleiche Mutter und die gleiche
große Mutterliebe.
Sie waren Kinder, und sie spielten miteinander, und die Maisonne sah zum Fenster
herein und spielte mit. Und sie wob einen goldenen Schein um den Kopf der Katzenmutter.
Es ist dies eine wahre Geschichte. Sie ist nur klein, und doch ist sie sehr
groß. Es ward eine neue Welt in ihr geboren von einem kleinen Geschöpf
und in einer ärmlichen Dachkammer. Es wird auch nicht immer so sein, noch
lange nicht; aber es ist ein großes Ereignis, daß dies geschehen
ist. Die Gesetze der alten Welt sind stark und schwer, aber sie werden überwunden,
Stufe um Stufe, denn die Alliebe ist eine lebendige Kraft in der Seele dieser
Erde. Langsam, sehr langsam wird die neue Welt aus der alten geboren, und das
geschah schon oft in einer ärmlichen Dachkammer, und die Menschen wußten
nichts davon. Die Menschen wissen so wenig, und am wenigsten wissen die, welche
am meisten zu wissen meinen. Sie wissen auch nicht, ob Tiere beten. Aber ich
glaube, daß auch Tiere in ihrer Not eine Macht anrufen, die über
ihnen ist und wenn die Katze bitten würde, die Mutter Gottes würde
sie vor allen anderen erhören. Die Maisonne wußte, was die Menschen
nicht wissen. Denn sie wob einen goldenen Schein um den Kopf der Katzenmutter.
S.18
Bücher siehe auch Seite 13
Helmut f. Kaplan
Vegan soll keine Religion sein Für eine realistische Ethik
Verlag BoD, Norderstedt 2013, ca. 13 ¤, Taschenbuch 156 Seiten, ISBN 978-3-7322.8760-4
Der bekannteste Tierrechtsphilosoph im deutsche Sprachraum setzt sich hier
mit der Sinnhaftigkeit veganen Extremismus auseinander . Selbst Opfer des
Meinungsterrors fanatischer Veganer fragt er: müssen Tierrchtler bis
zur letzten E-Nummer vegan leben? Schadet oder nützt Unduldsamkeit den
Tieren?
Wir sehen ein eigenartiges Phänomen, das allerdings bei kleinen glaubensgeprägten
Gemeinschaften je kleiner sie sind, umso häufiger hervortritt. Bemühen
sie sich Leute, die Fleisch essen und die sind so zahlreich wie der
Sand am Meer vom Fleischgenuss abzubringen oder den wenigstens zu mindern,
und damit viel für die Tiere zu erreichen? Nein, sie stürzen sich
mit all ihrer Kraft auf Vegetarier, die mit Milch und Ei kontaminierten Produkten
noch nicht vollends abgeschworen haben, was den Tieren kaum etwas bringt. Man
vergegenwärtige sich nur die schon oft genannten Konsumzahlen. In Österreich
sterben jährlich rund 100 Millionen Warmblütler Fische also
gar nicht mitgerechnet direkt oder indirekt für unsere Ernährung,
davon ca. 80 Millionen fürs Fleisch, 15 Mill. fürs Ei, dazu eine
halbe Million für die Milch, und noch Millionen, die zwar nicht gegessen
werden, doch indirekte Opfer der Nahrungsmittelproduktion sind. Die Zahlen
verdeutlichen die Wichtigkeit, erst einmal den Fleischkonsum zu reduzieren.
Kaplan stellt seine Überzeugung klar: Wem Tiere am Herzen liegen,
muss eine vegane Welt wollen, eine Welt: in der Tiere nicht deshalb gequält
und getötet werden, damit die Menschen ihr Fleisch, ihre Milch, ihre Eier,
ihr Fell usw. konsumieren oder nutzen können. Dass es in absehbarer Zeit
zu einer solchen Welt kommt, ist eher unwahrscheinlich ... Zu viele Faktoren
stehen dagegen, ein wesentlicher negativer Faktor sind seiner Meinung aber
auch die so genannten Religions-Veganer, die Fakten außerhalb ihrer kleinen
Welt nicht zu sehen vermögen, vor allem nicht die große Welt der
Fleischesser. Deshalb ist es unmöglich, mit Religions-Veganern über
effiziente Strategien zu diskutieren, geschweige denn sie dafür zu gewinnen.
Der Versuch, normale Menschen, also fleischesser zu Veganern zu machen, sei
meist nicht nur vergeblich, er sei schädlich, weil er mögliche Vegetarier
verhindere. Verständlich, habe ich endich jemanden dazu gebracht auf Fleisch
zu verzichten und nenne ihn dennoch Mörder, weil er noch Käse isst,
wird er wahrscheinlich auf den ganzen Vegetarismus pfeifen und zu den Fleischtöpfen
zurückkehren.
Kaplan setzt sich sehr eingehend mit den Argumenten der fanatischen Veganer
auseinander. Wir können aus Platzgründen hier nicht näher darauf
eingehen. Nur etwas möchte ich herausgreifen. Auf Kaplans Frage ob, wer
nach einem Regen Regenwürmer vom Asphalt zurück auf die Wiese klaubt,
nicht mehr für Tiere tut als ein E-Nummern-Reiter, meint seine vegane
Gesprächspartnerin, Würmer auf der Straße seien normal, da
könne man nichts ändern. Mit Verlaub, es mag normal sein wie Fleischessen,
doch es ist das Werk von Menschen, die ihre Schuhe lieben, und ließe
sich durch ein bisschen Zaun leicht verhindern wie manch andere Gefahrenquelle,
zB. Fensterfronten.
Man muss nicht allen Argumenten Kaplans folgen, doch sein Buch ist eine profunde
Auseinandersetzung mit den Problemen praktischer Tierrechtspolitik, speziell
dem Veganismus-Streit und allen Interessierten zu empfehlen.
Chris Moser
M. E. Essay
Kyrene Verlag Innsbruck 2013, 12,50 ¤, 122 S. geb, Format ca. 19,5 x
13 cm
Chris Moser, Aktionskünstler in Tirol, ist als einer der 13 Angeklagten
im einjährigen Wiener Neustädter Tierschützer-Prozess einem
weiteren Personenkreis bekannt geworden. In diesem kleinen Buch gibt er Rechenschaft über
sein künnstlerisches Wirken, seine Gründe und Ziele. Er hält
nichts von Kunst, die in Wohlgefühl einlullt. M.E., meines Erachtens sagt
er, muss Kunst aufrütteln, soziale Missstände aufzeigen. Seine Aufzählung ähnlich
denkender Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts ist fast eine kleine Kunstgeschichte.
Moser ist kompromissloser Kämpfer gegen Herrschaftsstrukturen, für
Menschenrechte und vor allem auch für Tierrechte. Denen ist ein Kapitel
des Buches gewidmet, ein leicht fasslicher Abriss von der Beschreibung der
Tierausbeutung bis zu den verschiedenen Facetten der Tierrechtsbewegung.
Die anderen Teile des Werkes befassen sich mit seinen Werdegang und der Begründung
seiner Art Kunst. Mit seinen eher plakativen, schlagwortartigen, provokativ
Konventionen missachtenden Darstellungen eckt er natürlich an, schon als
jugendlicher nächtlicher Graffiti-Künstler das Problem ist
da ja, dass sich die Besitzer bemalter Wände eher selten bereichert fühlen.
C.M. setzt sich eingehend mit Einwänden gegen seine Methode der Provokation
auseinander. Einer wäre, eine zu Herzen gehende Darstellung der Geschichte
eines angeschossenen Rehs könne wirksamer gegen die Jagd motivieren als
ein Plakat Tod den Jägern, das dann ein Staatsanwalt missinterpretiert.
Die Gefahr von Missdeutungen scheint mir tatsächlich gegeben, etwa bei
einem Kurzfilm zum Andreas-Hofer-Gedenkjahr, in dem C.H. den Helden an Durchfall
leiden lässt und wo schließlich die Krimnalpolizei gegen seine Mannen
nach § 278a StGB einschreitet. (Für Tirol Ferne: A.H: hingerichter
Anführer eines Aufstands gegen Napoleon, später zum Idol geworden).
Sollte mit dem Film eine inhaltstlos gewordene doch vielen teure Figur vom
Sockel gestürzt, sollte die Nähe zwischen Freiheitskampf und Kriminalität
aufgezeigt oder sollte verdeutlicht werden, dass wer gegen die Obrigkeit aufbegehrt,
mag sie Napoleon, mag sie Stalin, Hitler oder Republik Österreich heißen,
unweigerlich in der bzw, in Exkrementen landet? C.M. ist allerdings nicht der
Mensch, der sich durch Niederschläge abhalten ließe, unermüdlich
für die Befreiung von Mensch und Tier weiter zu kämpfen.
Er ist, sagt Gabriela Kompatscher, Romanistin an der Innsbrucker Universität
und Tierrechtlerin, in ihrem feinsinnigen Vorwort zum Buch, ein wunderbares
Beispiel dafür, wie an und für sich gesellschaftlich geprägte negative Eigenschaften renitent,
provokant und subversiv neue positive Konnotation erlangt haben, da
sie bei ihm im Dienst der Gerechtigkeit wirken. Sie nehmen die Bedeutung von
Aufrichtigkeit, Engagement und Integrität an.
die Tierbefreier e.V. u.a.(Hg.)
Tierbefreiung Beiträge zu Profil, Strategien und Methoden der Tierrechtsbewegung
Compassion Media Verlag Münster 2014,
15 ¤(D), brosch. 262 S., 21 x 14,5 cm
Der Band ist zum zwanzigjährigen Jubiläum der Zeitschrift Tierbefreiung erschienen.
Ihr Herausgeber, der Verein die Tierbefreier e.V. Dortmund, zählt
zu den radikaleren Vertretern der Bewegung und sympathisiert mit direkten Aktionen
wie Tierbefreiungen etc. Wir haben schon oft betont, dass wir solche der Sache
der Tiere nicht dienlich erachten und sie letzthin zum Polizeistaat führen.
Der Band vereinigt wesentliche Zeitschriftartikel der letzten zehn Jahre und
gibt so Einblick in Denken und Handeln Radikaler. Ein großer Teil befasst
sich mit der Verteidigung der reinen Lehre gegen Andersgläubige und
Gemäßigte wie UL, L/o-Vegetarier, KZ-Vergleicher; Gewähr,
dass den Akteuren auf eine kleine Außenseiterposition beschränkt
bleiben.
Erwin Lauppert
Barbara Rütting
Vegan & vollwertig
Meine Lieblingsmenüs für Frühling, Sommer, Herbst und Winter
Nymphenburger Verlag München 2013,
20 ¤(D), geb.160 Seiten, reich bebildert, Format 25 x 21 cm
Die bekannte Schauspielerin, Bestsellerautorin und Gesundheitsberaterin Barbara
Rütting widmet sich in ihrem neuesten Kochbuch der veganen regionalen
und saisonal ausgerichteten Vollwerternährung. Mit ihrer langjährigen
Erfahrung in der gesundheitsbewussten Vollwertküche gibt sie wertvolle
Tipps für Ein- und Umsteiger, und zeigt, dass eine Ernährung ohne
Tierprodukte abwechslungsreich und wunderbar schmackhaft ist. Eines ihrer
Credos lautet da: Hört auf, euch auf die Waage zu stellen und
Kalorien zu zählen. Sensibilisiert euren Körper, horcht in ihn
hinein, esst das, was ihr esst, mit Liebe und Dankbarkeit, gönnt euch
Ruhe beim Essen und genießt es! Essen muss köstlich schmecken,
hinreißend aussehen und gesund sein!
Und wie geht das? Zunächst gibt sie Anregungen, was man anstelle von Sahne,
Eiern, Käse etc. verwenden kann, sowie Ideen zum gesunden Süßen
und einige Grundrezepte. Und dann legt die Autorin mit ihren Lieblingsrezepten
los, die sie nach den Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter
einteilt, da ihr regionale und saisonale Zutaten wichtig sind. Und da gibt
es zu jeder Jahreszeit mehrere dreigängige Menüvorschläge, was
vor allem Köche/Köchinnen freuen wird, die gerne Gäste bekochen.
Und was bietet z. B. nun so ein Frühlingsmenü? Sauerampfersuppe,
Spinatknödel mit Karotten und Selleriesoße und zum Ausklang ein
Mandelmus mit Datteln. Noch ein Vorgeschmack auf den Sommer gefällig?
Da gibt es dann einen bunten Sommersalat, überbackene Zucchini mit Grilltomaten
und Weizenrisotto, sowie eine Avocadocreme zum Dessert. Im Herbst darf man
sich auf einen bunten Herbstsalat mit Kapuzinerkresse, Kohlrouladen mit pikanter
Füllung an Kapernsoße und Crépes mit blauen Weintrauben freuen.
Und wenn es im Winter draußen richtig kalt ist, kann man seine Lieben
mit lauwarmen Linsensalat, Grünkohl mit Rösti und Oma Minnas Bratäpfel
mit Schokoladensoße verwöhnen.
Zwischen den Menüvorschlägen gibt es tolle Infos über den Gesundheitsfaktor
verschiedener pflanzlicher Lebensmittel, oder wie man sich schnell einen guten
Smoothie zubereitet, wie man sich selbst Sprossen und Keimlinge ziehen kann,
und vieles Interessantes mehr. Die Rezepte werden zudem mit äußerst
traumhaft schönen Bildern der Speisen ergänzt, deren appetitanregende
Wirkung so ist, dass man schnell und mit Freude in der Küche verschwinden
möchte.
Man spürt, dass hinter diesem tollen Kochbuch nicht nur viel Können
steht, sondern auch eine große Portion Liebe zur veganen Küche und
das ehrliche Bemühen, für Mensch, Tier und Umwelt positive Akzente
zu setzen.
Viel Freude beim Kochen und Genießen mit gutem Gewissen
wünscht Ihnen Michaela Schaller
Büchereingang:
Hilal Sezgin
Artgerecht ist nur die Freiheit -Eine Ethik für Tiere und warum wir umdenken
müssen
C.H. Beck Verlag München 2014, 17 ¤(D), 300 S. brosch., F. ca.
20 x 12 cm
Karl Ludwig Schweisfurth/C-P.Lieckfeld
Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst, wenn er nicht genau weiss, wo es herkommt
,und wie es gelebt hat
oekom verlag München 2014, 20(D) ¤, geb.
208 S. F. ca. 21 x 13 cm
Seite 21:
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Ö
VU Arbeitskreis Tierrechte
anima: Impressum und Offenlegung
Zeitschrift für Tierrechte, erscheint vierteljährlich
Medieninhaber und Verwaltung: Österr. Vegetarier Union (ÖVU), Herausgeber
und Redaktion: Arbeitskreis Tierrechte der ÖVU, alle 8045 Graz, Rossegg
41, Tel. 0316-463717 und 0720-349056, anima @vegetarier.at
ZVR-Zahl 90713 6740, DVR 0955 906.
Beiträge geben, soweit nicht ausdrücklich vermerkt, lediglich die
Meinung der Verfasser, nicht die der ÖVU wieder. Nachdruck nur mit schriftlicher
Zustimmung. Fotos, wenn nicht bezeichnet: ÖVU. Druck: Mail Boxes Etc.-
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Vorsitzender der ÖVU: Dr. Erwin Lauppert, Graz; Stellvertreter Mag. Erwin
Lengauer, Wien; Schriftführerin Michaela Schaller, Graz. Leiter des AK
Tierrechte Erwin Lauppert (E.L.), auch für nicht gefertigte Texte verantwortlich
Grundlegende Richtung: Forum für die Anliegen der Tierrechte, Mobilisierung
des Mitfühlens mit der am menschlichen Übermaß leidenden Kreatur,
ob Maximalforderungen (Veganismus, Tierversuchsverbot, Lakto-ovo-Vegetarismus,
oder minimal (artgerechte Nutztierhaltung, tierfreundlicheres Konsumverhalten),
Vereinsorgan u. Infos der ÖVU und der Gesellschaft für humane Nutztierhaltung)
Danke unseren Leserinnen und Lesern
für Beiträge und Spenden.
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nach Ihrem Ermessen. Allerdings: die Druckkosten steigen, das Porto ebenso,
nur unsere Personalkosten nicht, weil wir haben keine.
Wir freuen uns daher über finanzielle Beiträge ebenso wie über
textliche.
Sseite 21:
Eine demagogisch missdeutete Studie der Grazer Medizinischen Universität
Zum 32. Mal Jägerball-Demonstration
1983 gab es die erste Demonstration gegen den traditionellen Jägerball
Ende Jänner in der Wiener Hofburg. Diesmal war es etwas anders. Als die
etwa 100 Demonstranten ihre Parolen gegen die Jagd riefen, wurden sie plötzlich
von einem Mann mit Buttersäure besprüht und als sie ihn fassten,
mit einem Elektroschocker traktiert. Es war derselbe seit fünf Jahren
in Wien als Fiakerfahrer lebende Ungar, der bereits im vergangenen Sommer zweimal
gegen VgT-Demonstranten vor Kleider Bauer und zehn Tage zuvor in Berlin Buttersäure-Attentate
verübt hatte. Sechs Personen mussten ärztliche Hilfe in in Anspruch
nehmen.
Unter den Ballgästen waren Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter,
selbst Jäger, Sozialminister Rudolf Hundstorfer, ÖVP-Spitzenkandidat
für die EU-Wahl Othmar Karas, FP-Obmann Strache und Dompfarrer Toni Faber.
ORF: Manipulationsvorwurf
Ein pensionierter freier Mitarbeiter des ORF erzählte im Februar in einer öffentlichen
Podiumsdiskussion: Wenige Monate vor Beginn des Tierschutzprozesses im Mai
2011 sollte er einen 40-minütigen Beitrag über radikalen Tierschutzaktivismus
in der Sendung Weltjournal in ORF 2 produzieren. Die damalige Sendungschefin
habe ihm den Auftrag vermittelt: er solle kriminell gewordene englische Tierschützer
darstellen und dabei einen Bezug zu den Angeklagten im Tierschutzprozess herstellen also
gegen diese Stimmung erzeugen.
Der Fairness halber beschränkte sich der Mitarbeiter nicht darauf, das
ihm übergebene Material über die wegen der SHAC-Kampagne verurteilten
Engländer auszuwerten, sondern interviewte sie und fand dabei den Grund
für ihre kriminellen Aktionen heraus: schreckliche Aufnahmen verdeckter
Aktivisten im SHAC-Versuchs-labor, wie Beaglehunde von Tierexperimentatoren
geschlagen und vergiftet wurden. Diese Aufnahmen im Vorspann des Films zu bringen,
wurde dem ORF-Mitarbeiter von seiner Chefin verboten. Seinem Eindruck nach,
erzählte er in der Podiumsdiskussion, wollte man zumindest in der zuständigen
Abteilung des ORF kein Verständnis und keine Sympathie für den Tierschutz
oder die Angeklagten wecken.
Quelle: www.martinballuch.com,15.2.2014
Der Konsument Das österreichische Testmagazin, herausgegeben vom
Verein für Konsumenteninformation, berichtete in der März-Nummer:
Fleischverzehr
65 Kilo Fleisch verspeisen die Österreicher im Jahr, sagt die Statitik Austria
(1960 waren es nur 41 Kilo). Während Geflügel stark zulegen konnte,
geht der Konsum von Rind- und Schweinefleisch zurück. 380 Kiilo Futtermittel
und 10 Hektoliter Wasser braucht ein durchschnittliches Schwein, bis es geschlachtet
wird. Die Ausbeute sind am Ende 70 Kilo Fleisch.
Image-Politur
Die zahlreichen negativen Veröffentlichungen über Massentierhaltung
veranlasst die Fleischindustrie, den nahe liegenden kapitalistischen Weg einzuschlagen:
Nicht die Zustände müssen verbessert werden, sondern die Public Relations.
Man müsse gemeinsam das Image aufpolieren und mit cleverem
Vokabular, so einige Landwirtschaftszeitungen, die Imagewerbung verstärken.
Z.B. Weg mit dem Begriff Mäster, da ist die Assoziation zu Tierquäler
nicht weit. Besser Tierhalter sagen. Da schwingt Sorge um die Tiere
mit. Dann: Das Wort Antibiotika unbedingt vermeiden; statt Schnabelkürzen besser Schnabelbehandlung
sagen behandeln ist in der Bevölkerung positiv besetzt;
Sie produzieren Eier in einer Anlage? Nein, erzeugen Sie
sie lieber in einem Stall. ...
Quelle:Hilal Szegin in der TAZ, 3.1.2014
China - Tierversuche
China testet (angeblich) routinemäßig importierte Kosmetika in Tierversuchen,
auch Naturkosmetika. Die Firma Logocos (Logona, Sante u.a.) hat daraufhin als
erste Naturkosmetikherstellerin den Rückzug aus dem Chinageschäft angekündigt.
Quelle: natürlich, Kundenmagazin für Reformwaren und Naturkosmetik,
1/ 2014
Ein Pyrrhussieg?
Der Polizeiübergriff gegen einen eine Treibjagd fotografierenden Tierschützer
im Dezember 2011 (wir hatten berichtet) wurde nun geahndet: Der Polizist wurde
wegen Amtsmissbrauch, vorsätzlicher Körperverletzung, versuchter Nötigung
und Verleumdung zu 2.400 ¤ Geldstrafe und vier Monate Arrest bedingt verurteilt.
Die Polizei-Disziplinarkommission verhängte über ihn zusätzlich
eine Disziplinarstrafe von 4.000 ¤, er darf jedoch wieder Dienst tun.
So weit so gut oder schlecht. Nur, Tierschützer brauchen, um gute Arbeit
leisten zu können, die Hilfe der Polizei und sie bedürfen der Mitarbeit
verständiger Jäger, um aus Tierschutzsicht dringend erforderliche Verbesserung
im Jagdbetrieb durchzusetzen ein generelles Jagdverbot, das seit hundert
Jahren angestrebt wird, ist ohnedies außer Reichweite.
Auslöser der ganzen Affäre waren, ob berechtigt oder nicht, unnötige
Nadelstiche gegen Jäger. Doch jetzt nach dem Urteil: Die Polizei mag die
Tierrechtler noch weniger und die Jäger, verständige und sture, schließen
sich enger zusammen und sind noch böser auf die Tierschützer; die Gesprächsbasis
für Verbesserungen bei der Jagd ist noch gestörter.
Ist den Tieren damit gedient?
Seite 24:
Yvonne mal sechs
Was Medien verschweigen
Erinnern Sie sich noch an Yvonne, die vor bald drei Jahren aus Kärnten nach
Bayern verkaufte Kuh? Die sich selbstständig machte und monatelang nicht
gefunden wurde. Welch eine Aufregung, in den Medien durch viele Wochen, weit über
Bayern hinaus. Dabei, nüchtern betrachtet, alle paar Wochen geht irgendwo
ein Rindvieh durch und wird früher oder später eingefangen, wenn nicht
irgend ein Hysteriker keine Geduld aufbringt und es erschießt. Yvonne machte
sich im Sommer selbständig, da wächst genug Gras; niemand brauchte
Sorge zu haben, sie könnte verhungern.
Vor zwei Monaten gingen einem Bauern etwa zwanzig Kilometer nördlich von
Graz in nicht sonderlich dicht besiedeltem Bergland, vierzehn Jungrinder durch,
ein Jahr alt, aus Mutterkuhhaltung in einem Kaltluft-Laufstall ein Gatter
war versehentlich offen geblieben. Sieben konnten nach ein paar Tagen wieder
eingefangen werden, eines verunglückte tödlich, doch sechs blieben
verschollen, zwei, drei Wochen lang. Eine Gratiszeitung hatte eine kurze Meldunge
gebracht, doch sonst blieb es still im Blätterwald, nichts. Keine Zeitung
war interessiert. Dabei war es Jänner, kalt, kein Gras wuchs, Sorge wäre
angebracht gewesen. Kälte halten Rinder aus, doch essen müssen sie,
eine prekäre, ernste Situation. Die Sache
P.b.b. Verlagspostamt 1212 Wien
GZ 02Z 033 063 M anima Nr. 1/2014
Falls unzustellbar bitte zurück an
anima, Rossegg 41, 8045 Graz-Oberandritz
An
ging dann, wie wir von der örtlichen Feuerwehr erfuhren, gut aus. Die
Tiere konnten schließlich lokalisiert und mit Futter versorgt, wenn auch
vorerst nicht eingefangen werden Rinder nehme rasch das Gebaren von
Wildtieren an.
Doch es bleibt die Frage, nach welchen Gesichtspunkten wird das Publikum
informiert?
Ein anderer Fall wir berichteten eine Kirche wird in
Brand gesteckt. Das kommt in Mitteleuropa selten vor doch Zeitungen schweigen eisern.
Oder: Viel Empörung in den Medien Pussy Riot-Aktivistinnen wurden in Russland verfolgt. Berichterstattung gut und richtig. Andererseits: Nur eine kurze eher humoristisch gehaltene Meldung: Fast drei Jahre Haft für eine 84jährige Nonne in den USA, weil sie aus Protest in eine Atomanlage eingedrungen war. Oder: Gerade vier Zeilen Beppe Grillo, Chef der zweitgrößten Partei in Italien zu vier Monaten verurteilt: Das Delikt: unbefugtes Betreten der umstrittenen Hochgechwindigkeitstrasse Turin-Lyon.
Und überhaupt kein
Wort über Tierschützer, die in den USA zu langen Gefängisstrafen
verurteilt wurden, weil sie Rindepferche von öffentlichen Straßen
aus fotografiert haben das ist in dem Land da oder dort schon verboten.
Wahrheitsgemäße Information der Konsumenten ist nicht erwünscht.
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